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Ein Blumenstillleben, gemalt von Josefa Egberts.

Tod in Hadamar

Grafenschloss zeigt Werke der ermordeten Josefa Egberts

Die neue Sonderausstellung im Museum im Grafenschloss widmet sich der Lebensgeschichte und dem Werk der norddeutschen Malerin Josefa Egberts, die 1941 von den Nationalsozialisten in Hadamar ermordet wurde.

„Josefa Egberts (1893-1941) – Malerin und Euthanasie-Opfer“ – in einer Sonderausstellung mit diesem Titel zeigt das Museum im Grafenschloss (Schlossberg 8) Werke der in der Tötungsanstalt Hadamar ermordeten Künstlerin. Die Schau wird am heutigen Dienstag um 19 Uhr eröffnet und läuft bis zum 19. Dezember.

Josefa Egberts stammte aus einer großbürgerlichen Kaufmannsfamilie in Wittmund und Wilhelmshaven, genoss eine umfassende Schul- und Privatausbildung und zeigte schon früh eine starke künstlerisch-musische Neigung. Nach ihrer Schulzeit wollte sie Malerin und Kunstgewerblerin werden. Dazu begann sie nach dem Ersten Weltkrieg ein Studium an Privatateliers in München und Berlin.

Die Werke ihrer ersten Ausbildungsjahre zeugen von beachtlichem Talent. Ende 1924 aber wurde die Aussicht auf eine erfolgreiche künstlerische Laufbahn jäh eingetrübt durch den Ausbruch einer psychischen Krankheit, den damaligen Lehrmeinungen zufolge Schizophrenie oder „Dementia praecox“. Die Krankheit führte zum Abbruch der Ausbildung, zu schweren Konflikten mit der Familie und schließlich zur Einweisung in eine psychiatrische Anstalt, der weitere Aufenthalte folgen sollten . Nach dem Tod der Eltern Anfang der 30er Jahre lebte die Künstlerin wahrscheinlich nur noch in psychiatrischen Kliniken.

In diesen Jahren änderte sich nach den Vorgaben der NS-Diktatur allmählich und grundlegend der Umgang mit psychisch Kranken und geistig Behinderten. Das Naziregime betrachtete diese Menschen als Gefahr für die „Volksgesundheit“ und „unnütze Esser“. Von 1941 an wurde das Verbrechen des Massenmords in ausgewählten Institutionen in die Tat umgesetzt. Josefa Egberts als psychiatrische Langzeitpatientin mit negativer Prognose hatte keine Chance, dem Mordprogramm zu entkommen. Sie wurde nach Eichberg im Rheingau verbracht und am 10. Juni 1941 in die Tötungsanstalt Hadamar. Dort wurde sie zusammen mit den übrigen Patienten ihres Transports vergast und eingeäschert.

Die Reihe der zuvor in Jever, Osnabrück und Bremen gezeigten Ausstellungen zum Leben von Josefa Egberts wird nun ganz in der Nähe ihres Sterbeorts abgeschlossen. Durch Zufälle der späteren Familiengeschichte wird auch ihr Nachlass in der Nähe aufbewahrt.

(red)

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