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Tanja Barkhofer, Shabana Maliki und Jana Menkens (von links) von der GFFB freuen sich auf die ersten Nutzer des Bücherschranks.

Sozialunternehmen GFFB

Der größte Bücherschrank der Stadt

Heute eröffnet der größte Bücherschrank Frankfurts mit angeschlossenem Café, Spielecke und allein 1500 Kinderbüchern. Die Idee dahinter: Lesefaulen Bücher näherzubringen und gleichzeitig einen neuen Wohlfühltreffpunkt für sozial Schwache zu schaffen.

Der größte Bücherschrank Frankfurts liegt versteckt in einem Hinterhof. Das ist aber auch der einzige Nachteil, der sich finden lässt. Ansonsten hat das Projekt des gemeinnützigen Sozialunternehmens GFFB nur Vorteile – für alle.

Zunächst einmal für die Frankfurter Bürger. Denn die bekommen nicht nur einen schmalen Schrank, sondern einen riesigen Raum voller Bücher. Allein für Kinder gibt es eine ganze Wand, grob überschlagen rund 1500 Stück. „Wie viele Bücher hier insgesamt stehen – wir haben keine Ahnung“, sagt Tanja Barkhofen, die das Projekt koordiniert. „Und im Lager sind noch mehr.“

Die Bücher stammen aus Spenden für den sogenannten World Shop, in dem Frankfurt-Pass-Inhaber günstig Second-Hand-Ware einkaufen können. „Wir haben sehr viele Bücher gespendet bekommen und uns irgendwann überlegt, wie wir sie für alle Frankfurter nutzen können“, sagt Barkhofen. Die Idee des größten Bücherschranks Frankfurts war geboren.

Doch nicht nur die riesige Auswahl macht den „Schrank“ zu etwas Besonderem. „Bei schlechtem Wetter ist ein normaler Bücherschrank schwierig, hier kann man sogar im Winter stöbern“, sagt GFFB-Sprecherin Jana Menkens. Für Kinder gibt es eine Spielecke, für Erwachsene Sofas und ein Café.

Und hier kommt der zweite Vorteil ins Spiel: Bewirtet werden die Besucher von Langzeitarbeitslosen. Sie gehören zum Projekt „Aktivcenter“ und testen, ob ein Job in der Gastronomie das Richtige für sie ist. „Wenn durch den Bücherschrank mehr Kunden kommen, können die Teilnehmer praxisnah üben“, sagt Menkens. Bereits jetzt bietet das „World Café“ einen wechselnden Mittagstisch an, der für Frankfurt-Pass-Inhaber etwas mehr als drei Euro kostet.

Und damit wird auch der dritte Vorteil sichtbar: Geringverdiener können sich in den Räumen aufhalten, ohne viel Geld auszugeben. „Es gibt sonst für Menschen mit niedrigem Einkommen in Frankfurt nicht viele Kommunikationsorte, schon gar nicht mit schönem Ambiente“, sagt GFFB-Geschäftsführerin Barbara Wagner. Und die Kinder seien sinnvoll unterhalten.

Ein schönes Ambiente haben die Räume tatsächlich: Die Tische haben Projektteilnehmer in der angrenzenden Holzwerkstatt gezimmert, an der Wand hängt eine Weltkarte aus Holz, trotz Hinterhof ist es hell und geräumig. „Wir haben einen angenehmen Vermieter, der uns einen sehr moderaten Mietpreis gestattet“, sagt Wagner.

Noch ist der Bücherschrank nur zu den Café-Öffnungszeiten montags bis freitags von 9 bis 16 Uhr zugänglich. Doch wenn im kommenden Jahr ein neues Gesetz in Kraft tritt, dank dem die Beschäftigung von Langzeitarbeitslosen komplett gefördert werden kann, will Wagner die Öffnungszeiten auf abends oder das Wochenende ausdehnen.

Schon jetzt sollen für bestimmte Veranstaltungen Sonderöffnungszeiten gelten. Denn Wagner, Barkhofen und Menkens wollen Menschen nicht nur an Bücher, sondern an Kultur insgesamt heranführen: Lesungen, Konzerte, wer eine Idee habe, könne sich melden, sagt Wagner. Sie hofft sowohl auf Künstler, die sich mit Konzerten etwas dazuverdienen wollen, als auch auf Wohlhabende, die kostenlos auftreten oder Workshops für Kinder anbieten. „Alles ist denkbar, wir müssen nur schauen, wie wir es finanzieren“, sagt Wagner. Ein Klavier und kleinere Instrumente für Musiker sind vorhanden. Und auch Vorlesewillige finden im größten Bücherschrank Frankfurts sicher etwas Passendes.

Die Eröffnungsfeier

Heute zwischen 13 und 16 Uhr wird in den neu renovierten Räumen im Hinterhof der Mainzer Landstraße 349 der Bücherschrank der GFFB eröffnet. Für Kinder gibt es Bastelangebote, Kinderschminken und eine Märchenerzählerin. Erwachsene bekommen Häppchen und können sich über die Projekte der GFFB informieren. Gegen 14 Uhr spricht Oberbürgermeister Peter Feldmann, danach Claudia Czernohorsky-Grünberg, die Geschäftsführerin des Jobcenters.

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