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Bernd Roser, Abteilungsleiter beim Grünflächenamt, hat sich ein Bild vom Zustand der Sonnenuhr gemacht.

Sonenuhr

Grünflächenamt gibt grünes Licht für Arbeiten an der Konstruktion aus dem Jahr 1951

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Die Sonnenuhr von Lothar Loske an der Schönen Aussicht hat nach 14 Jahren ein paar leichte Schäden abbekommen. Was flüchtigen Passanten kaum auffällt, ruft besorgte Sonnenuhrenfreunde auf den Plan. Das Grünflächenamt hat bereits Reparaturkosten ermittelt und will die Schäden ausbessern lassen.

1951 konstruierte Lothar Loske Deutschlands damals größte Sonnenuhr, die vor 15 Jahren vom Nizza an die Schöne Aussicht umgezogen ist. Später wanderte Loske mit seiner Familie nach Mexiko aus, auch dort gibt es bis heute Bewunderer dieser Sonnenuhr.

Martha Villegas gehört dazu, aber auch Reinhold Kriegler aus Dessau. Und diese Uhrenfreunde schlagen nach einem Besuch in Frankfurt Alarm, klagen über den vernachlässigten Zustand, über junge Leute, die am Sockel der Uhr Bier trinken und über unschöne Vorhängeschlösser. Und über den verbogenen Schattenstab, genannt Gnomon, der die Uhrzeit nicht mehr anzeigen könne.

„Sonnenuhren, die im öffentlichen Raum frei zugänglich sind, werden leider oft beschädigt und ruiniert“, beschwert sich Kriegler. Dabei gelte es hier ein Wunderwerk zu retten, für das Loske seinerzeit, als das Wirtschaftswunder gerade erst begann, sogar die Heddernheimer Kupferwerke (Teil der Deutschen Metallwerke AG) in Heddernheim gewinnen konnte. Auf Initiative der Sonnenuhrenfreunde nahmen Bernd Roser und Friederich Distelmeier vom Grünflächenamt deshalb eine erste Inspektion vor und ließen die Schäden von einer Kunstschlosserei überprüfen. „Der Gnomon müsste ausgewechselt, die beiden römischen Ziffern IV und VI am Drehring ersetzt und auch der Rollenschutz an drei Stellen repariert werden“, sagt Roser, Abteilungsleiter der Grünflächenunterhaltung. Zusammen würde das rund 4700 Euro kosten.

Doch welchen Schaden hat die Uhr dabei wirklich genommen? Die zuständigen Mitarbeiter vom Grünflächenamt machen den Test vor Ort, nach einem verregneten Vormittag kommt sogar pünktlich die Sonne zum Vorschein. Am dafür vorgesehenen Drehring der Sonnenuhr wählen sie exakt die Position der Stadt Frankfurt aus. Es ist ziemlich genau 14.30 Uhr, als der verbogene Gnomon einen krummen Schatten zwischen den arabischen Zahlen 1 und 2 wirft.

„Die Sonnenuhr ist natürlich auf die mitteleuropäische Winterzeit eingestellt, abgesehen davon kann sie die Zeit aber noch ziemlich genau anzeigen“, stellt Distelmeier fest, Sachbearbeiter im Grünflächenamt. Dafür, dass die Uhr an der jetzigen Stelle bereits 15 Jahre im öffentlichen Raum einer Großstadt am Mainufer stehe, mache sie insgesamt doch einen recht passablen Eindruck. Auch wenn Uhrenfreunde mit einem genauen Blick für das Detail dies etwas anders sehen mögen.

Knapp 30 Jahre alt war der Ingenieur und Uhrmachermeister Lothar M. Loske, als er 1949 den Vorsitzenden der Deutschen Metallwerke AG Alfred Petersen davon überzeugen wollte, noch während des Wiederaufbaus der Nachkriegszeit eine imposante 100 Kilogramm schwere Äquatorialsonnenuhr von 3,60 Metern Durchmesser für den 1860 von Sebastian Rinz gestalteten Garten „Nizza“ am Mainkai zu bauen – für die Stadt ein Geschenk von rund 21 000 Mark. Da die Kupferwerke nicht auf den Bau von Sonnenuhren spezialisiert waren, konnte Loske dieses Kunstwerk schließlich mit Hilfe von Ingenieur Kurt Langeloth verwirklichen, der dank seiner astronomischen Kenntnisse die Konstruktion mit Hilfe seiner Verlobten unterstützte.

Im Jahr 2003 wurde die Sonnenuhr von ihrem angestammten Platz am Nizza zur Schönen Aussicht versetzt. Damals standen am Nizza größere Bauarbeiten an. „Und dort war die Uhr auch ziemlich verschattet. Der Platz an der Schönen Aussicht bot sich hier eher an, zumal man ja umgangssprachlich auch vom kleinen Nizza redet“, sagt Roser.

Nachdem das Umweltdezernat zunächst von wesentlich höheren Baukosten ausging, hat der Leiter des Grünflächenamtes, Stephan Heldmann, nun grünes Licht für die Reparatur der Uhr gegeben: „Wir werden gegebenenfalls noch ein anderes Angebot einholen und in den nächsten Monaten mit den Reparaturen beginnen“, verspricht Bernd Roser.

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