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Derzeit leitet Imke Keller die Wald-Minis des Vereins Wichtelland. Diese Funktion übernimmt Jens Urban dann im kommenden Jahr mit dem Beginn der neuen Saison.

Gegen jedes Klischee

Hardrock-Musiker und Pädagoge Jens Urban übernimmt den Nachwuchs im Waldkindergarten

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Bei den Wald-Minis des Vereins Wichtelland steht ein Wechsel an. Doch dieses Mal ist es nicht eine Mutter, die sich um Mütter mit Kleinkindern kümmert, sondern ein waschechter Rocker.

Welche Aufgaben Männer haben, das besang Herbert Grönemeyer in seinem Lied „Männer“ in den 80er Jahren, und bis heute gilt es als Klassiker. Vielleicht auch ob des etwas angestaubten Selbstverständnisses, das so mancher Mann von sich hat. Doch die Zeiten, in denen die klassische Rollenverteilung galt, gehen zunehmend verloren. Neue Modelle werden definiert, auch für Männer und erst recht mit Familie.

In den 90er Jahren eroberten zunehmend Frauen die Arbeitswelt der Männer, inzwischen sind es Männer, die langsam auch die bis dato eher klassischen Frauenberufe für sich entdecken. Zum Beispiel in den Kindertagesstätten.

„Es gibt viele Klischees, die heute einfach gar nicht mehr funktionieren“, weiß Jens Urban aus Usingen. Der 38-jährige Musiker ist ein gutes Beispiel dafür. Vielleicht auch für Grönemeyers Liedzeile „außen hart und innen ganz weich“. Seine Arme sind tätowiert, die Beine auch, was er durchaus zeigt, wenn er abends auf der Bühne steht und mit seinen Bandkollegen Hardrockmusik spielt. Dunkle Klamotten, „harte Jungs“ durch und durch, denen gerne der Ruf von Alkohol saufenden, Drogen nehmenden und exzessiv lebenden Männer vorauseilt. „Das sind Klischees aus den 70ern“, findet Urban. Das Leben sehe doch ganz anders aus. „Wenn du betrunken bist, kannst du weder gut spielen noch danach nach Hause kommen, und viele der Musiker kommen aus anderen Städten.“ Wer mit Musik sein Geld verdiene, müsse „abliefern“, sonst war’s der letzte Auftrag.

Tatsächlich leben er und seine Frau Sabrina mit der kleinen, fast dreijährigen Tochter ganz beschaulich in einer Eschbacher Hofreite. Dass es zu Hause veganes Essen gibt, ist seiner Frau geschuldet, dass sie mit dem Töchterchen viel draußen sind, spiegelt die Naturverbundenheit wider.

Also ein Hardrock-Öko? Urban lacht. „Nein, es ist nur ein natürlicherer Umgang“, sagt er. Durch seinen Beruf – auch als Inhaber der Musikschule Soundcheck – habe er vormittags Zeit gehabt, sich um die gemeinsame Tochter zu kümmern. Doch der „tätowierte Anti-Fitness-Toni“ hatte keine Lust auf Babyschwimmen, sondern probierte es bei den Wald-Minis des Vereins Wichtelland. „Das ist sehr entspannt, denn in der Natur vergisst man ganz schnell jeden Stress.“

Dass dort nur Mütter sind und er als einziger Vater in der Gruppe seiner Kleinen durch den Wald auf Erkundungstour folgte, störte ihn gar nicht. Gelegentlich bringt er seine Gitarre mit, denn schließlich hat er Erfahrung damit, jungen Menschen etwas beizubringen. „Das ist mit so kleinen Kindern natürlich etwas anderes, aber es macht Spaß.“ So sehr, dass er im kommenden Jahr die Leitung der Gruppe von Imke Keller übernehmen wird.

Die Kinder von 16 Monaten bis drei Jahren kommen mit ihren Eltern für rund zwei Stunden einmal in der Woche auf dem Zeltplatz Jungholz zwischen Pfaffenwiesbach und Usingen zusammen. Spielen, Basteln, die Natur erforschen heißt es dann. Was Urban so gut gefällt, dass er sich auch gleich noch zum stellvertretenden Elternbeirat hat wählen lassen, ist die Tatsache, dass dort jeder so sein kann, wie er ist. Singen, das ist ohnehin sein Ding, Musik auch und die pädagogische Ausbildung bringt er als Lehrer und Musiklehrer von Hause aus mit. „Das ist das erste Mal seit Bestehen, dass es dann einen Mann gibt“, sagte Imke Keller, die das bislang fünf Jahre lang für die Eltern organisierte. Nun will sie die Gruppe der Waldstrolche wieder aufbauen und für die Grundschulkinder Erlebnisstunden im Wald anbieten.

„Bis es dann im nächsten Jahr, etwa ab Ostern, wieder mit den Minis losgeht, muss ich allerdings noch ein bisschen was lernen“, gibt Urban zu, der im Wichtelland quasi die „Naturschulbank“ drückt. Käfer und Bäume bestimmen, das ein oder andere Krabbeltierchen oder aber Vögelchen auch mit Namen zu kennen, das hat er sich auf die Fahne geschrieben. „Aber vor allem freue ich mich auf die Aufgabe.“

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