Keine Knollen bunkern

Harte Zeiten für Kartoffelbauern – Trockenheit fürht zu massiven Ernteausfällen

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Ertragsausfall bis zu 50 Prozent: Die Trockenheit hat die heimischen Kartoffelbauer hart getroffen. Da wird sogar die Ernte zu einem mühseligen Unterfangen.

Schönes Wetter, aber kaum Regen, das waren die Fakten der vergangenen fünf Monate. Das wirkte sich vor allem in der Landwirtschaft negativ aus. Bereits bei der Getreide-Ernte mussten die Landwirte Verluste bis zu 30 Prozent hinnehmen. Bei der jetzt anstehenden Kartoffelernte sieht es nicht besser aus. Wegen der langen Trockenheit sind Ernte-Einbußen von 30 bis 40 Prozent zu erwarten.

Im vergangenen Jahr hat der Seulberger Landwirt Reinhard Kitz wegen des Überangebotes bei der Kartoffelernte noch 150 Tonnen zur Biogasanlage nach Karben geliefert. Das wird er in diesem Jahr nicht tun, obwohl er etwa neun Hektar Kartoffel angebaut hat. Bei normalen Verhältnissen kann er mit rund 450 Tonnen pro Hektar rechnen. Durch die lange Regenpause wird sich der Ertrag deutlich reduzieren. Bisher hat Kitz mit der Ernte noch nicht begonnen. „Wir warten auf Regen“, sagt er, wohl wissend, dass dies noch etwas dauern kann. Jetzt sei der Boden noch zu warm, da könnten die Kartoffel nach der Ernte zu sehr keimen.

Bei der Kartoffelernte stehen mehrere Helfer auf seiner Vollerntemaschine, um Stein- und Erdbrocken auszusortieren. Einen Teil der Ernte setzt Bauer Kitz in seinem Hofladen ab. Aber auch Großabnehmer werden von ihm beliefert. Dazu zählt ein Verarbeitungsbetrieb in Holland, der aus den Friedrichsdorfern Kartoffeln Chips herstellt. Kitz baut sowohl festkochende als auch mehlige Kartoffel an. Letztere seien ertragreicher, berichtet er.

Der Burgholzhäuser Landwirt Heinz Reinhardt baut 2,5 Hektar Kartoffel an. Mit der Ernte, die fast ausschließlich in seinem Hofladen vertrieben wird, hat er im Juli begonnen. Er sieht vor allem bei der Frühkartoffel eine Ernteminderung von bis zu 50 Prozent. Den Ernteverlust bei den späten Sorten schätzt er auf 30 Prozent. Auch er macht die lange Trockenheit für die Ernteausfälle verantwortlich. Den letzten nennenswerten Regen habe es Mitte April gegeben, sagt Reinhardt. Einige Kilometer weiter in der Wetterau habe man da mehr Glück gehabt. Dort habe es öfter geregnet. Entsprechend niedriger seien dort die Ernteausfälle.

Beim Köpperner Landwirt Ulrich Jockel ist die Kartoffelernte in vollem Gange. Dabei hat auch er mit der Trockenheit zu kämpfen. Dadurch sei der Boden zu hart. Deshalb könne er am Tag mit seinem Vollernter nur gut einen halben Hektar abfahren. Der Kartoffelanbau des Köpperner Landwirtes dient ebenfalls der Selbstvermarktung.

Die Aussagen der Friedrichsdorfer Kartoffelanbauer zur Ernte deckt sich mit den Erkenntnissen des Hessischen Bauernverbands. Pressesprecher Bernd Weber spricht von einer „extrem schlechten“ Ernte. Der Ertrag sei geringer, die Knollen wesentlich kleiner als in den Jahren zuvor.

In Hessen werden laut Weber etwa 4000 Hektar angepflanzt, eine überschaubar Fläche im Vergleich zum Getreideanbau. Da sind es knapp 300 000 Hektar. Dennoch, für die Landwirte, die den Kartoffelanbau in großem Maß betreiben, könnten durch die Ertragsminderung finanzielle Probleme entstehen, fügt Weber hinzu. Dies werde auch durch die zu erwartenden höheren Preise nicht ausgeglichen.

Weber warnt Verbraucher allerdings, wegen der vermeintlichen Kartoffelknappheit, größere Mengen davon zu bunkern. Witterungsbedingt würden die Knollen bei eigener Lagerung in diesem Jahr schneller keimen, wodurch die Qualität leide. „Lagern können Kartoffelanbauer besser, sie haben die bessere und kühlere Möglichkeit“, sagt der Pressesprecher.

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