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Diese zwei Männer und die Frau, die das Schlusslicht bildet, radeln auf dem Mainuferweg in Eddersheim Richtung Flörsheim. Sie wollen nach Mainz, um dort gemütlich zu frühstücken. Links geht es zum Wiesenhof (nicht im Bild).

ADFC

Hattersheim ist eine Vorzeige-Stadt in Sachen Radfahren

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Mehr Platz will der Hattersheimer ADFC den Radfahrern verschaffen. Gerade auch den Radlern mit einer Behinderung.

Seit ein paar Monaten gibt es in Hattersheim einen Inklusionsbeirat. Außerdem gibt es in der Stadt zahlreiche Einrichtungen von Menschen mit Behinderungen. Da drängt sich für den Hattersheimer Ortsverband des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) ein Thema geradezu auf – inklusives Radfahren in Hattersheim. „Wir wollen, dass Menschen mit Behinderungen ebenfalls Möglichkeiten haben, Radfahren zu leben“, sagt ADFC-Sprecherin Birgid Oertel.

Zur Vorzeige-Kommune für Radfahrer im Kreis soll Hattersheim werden, das ist das Ziel des ADFC. Dass die Stadt dabei nicht bei Null anfangen muss, das räumen die Aktiven durchaus ein. Aber es gebe schon noch einiges zu tun. Die Verbesserung der Bedingungen für Radfahrer mit Behinderungen ist ein Schritt von mehreren.

„Das fängt doch bei den Fahrrädern an“, sagt Oertel. Es gibt spezielle Fahrräder für Menschen mit unterschiedlichsten Behinderungen. Manche brauchen einen Beifahrer, in solchen Fällen muss eine Art Tandem her. Aber wenn es sich um einfachere Modelle handelt, ganz billig sind sie alle nicht. 2000 Euro muss man nach Oertels Worten schon rechnen. Dabei ist keineswegs von E-Bikes die Rede. „Es reicht nicht, den Betroffenen zu sagen, kauft euch doch so ein Rad“, so Oertel. Ihr schwebt vor, dass man solche Fahrräder auch ausleihen kann. In den Niederlanden gibt es so etwas schon, aus Deutschland kennt sie so etwas nicht. Erste Gespräche über die Schaffung einer solchen Möglichkeit in Hattersheim hat es schon gegeben. Aber das steht erst am Anfang, natürlich müssen die finanziellen Mittel locker gemacht werden.

Der Hattersheimer ADFC hatte sich an der Radnacht des Kreise beteiligt und bei dem Wettbewerb den zweiten Platz belegt. Mit der Siegerprämie von 500 Euro hätte man einen Anfang gemacht für die behindertengerechten Räder. Daraus ist zwar nichts geworden, aber entmutigen lassen will sich der ADFC dadurch nicht.

Freilich kommt es nicht nur auf die Räder an, sondern man braucht auch den Platz, um damit zu fahren. „Wir haben den ganzen Platz an die Autofahrer verschenkt“, sagt Oertel. Und nun müsse den Radlern der Raum zurückgegeben werden. Das ist nicht nur im Sinne behinderter Radler. Oertel weist beispielsweise auf den Radweg auf dem Maindamm hin. Wer als Radfahrer dort etwas mehr Platz braucht, bekommt im Begegnungsverkehr Probleme. Das betrifft natürlich nicht nur behinderte Menschen und nicht nur Radler. Kommen sich eine Mutter mit Kinderwagen und ein Radler mit Kinderanhänger entgegen, wird es eng. Mit einem Kinderwagen kann man möglicherweise einen Schritt zur Seite machen, mit einem Rollator geht dies zumindest nicht schnell.

Der ADFC weiß, dass die Maindämme saniert werden sollen. Es ist schon damit zu rechnen, dass dann auch die Radwege neu hergerichtet werden. Aber werden diese auch breit genug? Darauf will der ADFC ein waches Auge haben.

Natürlich ist nicht nur der Radweg Main im Mittelpunkt des Interesses. Kümmern will sich der ADFC um alle Radwege, die häufig von Menschen mit Behinderungen genutzt werden. Jetzt wird das Thema auch im Inklusionsbeirat vorgetragen, was deshalb einfach ist, weil Aktive des ADFC auch dem Inklusionsbeirat angehören. Für Oertel ist damit noch nicht alles gewonnen. Beteuerungen, dass es Verbesserungen geben müsse, nutzen aus ihrer Sicht nichts. „Es muss Butter bei die Fische“, sagt sie. Der ADFC will versuchen, dafür zu sorgen.

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