Statt Anrufsammeltaxi

Den Bus vor die Haustür bestellen

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„Bus on demand“ heißt das neue Projekt, das Mitte 2019 im Ostkreis starten soll. Über eine App kann ein Kleinbus dann innerhalb von 15 Minuten vor die Haustür bestellt werden.

Die Zukunft des öffentlicher Personennahverkehr (ÖPNV) sieht komfortabel aus: Schon ab dem kommenden Jahr können die Kunden der Kreisverkehrsgesellschaft sich bequem über das Smartphone einen Bus vor die Haustüre bestellen und maximal eine Viertelstunde später einsteigen.

Was den Arbeitstitel „AST (Anrufsammeltaxi) plus – Bus on demand“ trägt, könnte eine echte Revolution für den Bus- und Bahnverkehr im Kreis Offenbach bedeuten. Dieses über eine App gesteuerte Angebot ist in Kooperation mit dem App-Entwickler „door2door“ aus Berlin in Großstädten wie Berlin, München und Duisburg schon möglich und auch im ländlich-bayerischen Freyung schon Alltag.

Ein einstimmig beschlossener Antrag der Grünen aus dem Kreistag im Dezember 2017, gab Andreas Maatz, Geschäftsführer der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG), den Auftrag, sich mit „Bus on demand“-Anbietern zu beschäftigen. „Bei door2door überzeugte die Möglichkeit, die Technik von dem Unternehmen zu nutzen, aber mit den Anbietern vor Ort weiter zusammenzuarbeiten“, erläutert Maatz.

Wie funktioniert das System genau? „Bus on demand“ soll nicht die Taxiunternehmen in der Region ablösen, aber die Kleinbusse mit sieben bis neun Sitzen sollen das schlecht genutzte Anrufsammeltaxi ablösen, das für die meisten Kunden zu wenig Flexibilität biete. Mit der App kann der Bus innerhalb von maximal 15 Minuten vor die Haustür bestellt werden und er fährt dann einen sogenannten „Point of interest“ an. „Das sind Orte, die wir noch festlegen müssen“, erläutert Andreas Maatz. „Aber es sind mit Sicherheit die Bahnhöfe und große Bushaltestellen, die unsere Kunden dann wieder an den ÖPNV anbinden, aber es kann auch das Rathaus, das Bürgerhaus, oder das Schwimmbad sein, eben oft angefahrene Punkte in einer Stadt. Und das Ganze nicht zu Taxipreisen, sondern zu unseren Tarifen“, so Maatz. Die Route ist dabei nicht festgelegt, der Kunde gibt über die App ein, wo er abgeholt werden will und an welchem „Point of interest“ er wieder aussteigen möchte.

Langfristig wünscht sich der Geschäftsführer der KVG, dass Elektrobusse pendeln, aber gestartet wird mit herkömmlichen Kleinbussen. Das Angebot wird die Stadtgrenzen nicht überschreiten, es soll eher die innerstädtischen Quartiere besser miteinander vernetzen. Er wolle die Schnellbuslinien durch den Kreis mit diesem neuen Angebot nicht „kannibalisieren“, betont Maatz.

Ein gutes Beispiel für den Einsatz des „Bus on demand“ sei dabei der Ärger um die weggefallene Buslinie 661 durch die Säuruh in Dreieichenhain. Mit dem „AST plus“ sollen sich die KVG-Kunden künftig wieder auf den ÖPNV verlassen können. Bis die Dreieichenhainer tatsächlich von dem neuen Angebot profitieren, dauert es allerdings noch ein bisschen. Der Westkreis, mit Dreieich, Neu-Isenburg, Langen und Egelsbach wird als letzter von vier geplanten Abschnitten angeschlossen.

Startschuss soll Mitte 2019 im Ostkreis sein und die Menschen in Seligenstadt, Hainburg und Mainhausen sollen das hessenweit einmalige Pilotprojekt mit dem Bus vor der Haustür testen. Im zweiten Schritt werden 2019 Mühlheim, Obertshausen und Heusenstamm angebunden, dann Ende 2020 Dietzenbach, Rodgau und Rödermark und als letztes Ende 2021 der Westkreis.

Ganz ohne finanzielle Unterstützung wird es nicht klappen – der ÖPNV ist schon jetzt ein Zuschussgeschäft. „Die Politik muss Entschlossenheit zeigen und auch bereit sein, sich das neue Angebot etwas kosten lassen“, sagt Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU). Das Land will sich an den Kosten in der Pilotphase von „Bus und demand“ für den Kreis Offenbach beteiligen: „Dieses System ist ein Meilenstein im ÖPNV – nicht nur im Kreis Offenbach, ganz Hessen kann an den hier gemachten Erfahrungen profitieren“, ist Mathias Samson, Staatssekretär im Hessischen Wirtschaftsministerium, überzeugt und sichert Unterstützung zu.

Wie hoch die Investition insgesamt sein wird, können Maatz und Jäger noch nicht absehen. Das Angebot des AST kostet jährlich rund 100 000 Euro.

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