Brand

360 Helfer haben die Katastrophe am Rettershof verhindert

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Hand in Hand haben die Einsatzkräfte vor einem Monat beim Rettershof-Brand ihre Aufgaben gemeistert. Das Kreisblatt stellt nach dem großen Helferfest einige „Konditionswunder“ vor.

„Zum Glück haben die Brandwände gehalten.“ Kelkheims Polizei-Vize Roman Sickenberger schaut sich die Backstein-Fassaden am Rettershof an und atmet auf. Da können die Stellvertretenden Stadtbrandinspektoren Frank Darmstadt und Benjamin Liebenthal nur zustimmen. Und auch die anderen Helfer, die den Brandort noch einmal begutachten, sind erleichtert – Michael Kaschunke von der Feuerwehr Kelkheim-Mitte, Matthias Merker von den Brandschützern in Hochheim, Marcus Wesner (Höhenrettung), Kewin Friedemann von den Maltesern und Dominic Kern vom Technischen Hilfswerk (THW).

Sie alle hat das Kreisblatt noch einmal Zwei Pferde hingegen starben auf der Flucht. Wenn nicht gut 360 Menschen geholfen hätten, wäre es zu einer noch größeren Katastrophe gekommen, weiß Bürgermeister Albrecht Kündiger. Deshalb hat er mit seinem Team ein Helferfest für alle beim „Fröhlichen Landmann“ organisiert. Die Kosten trug die Versicherung, die sich bedankte, dass nicht noch größerer Schaden eingetreten ist. Kündiger: „Sie haben alle viele Stunden daran gearbeitet, bis dieses Feuer aus war.“ Gut drei Tage dauerte der Einsatz.

Alle Helfer machen deutlich: Die Zusammenarbeit zwischen den Gruppen habe bestens funktioniert. „Die Komponenten haben alle super zusammengehalten. Das habe ich selten erlebt“, lobt Frank Darmstadt, der in den ersten rund 15 Stunden die Einsatzleitung hatte. Früh wurde klar, „dass wir die Scheune nicht halten konnten“. Doch die Brandwände zu den Wohnräumen hielten. Später übernahmen Liebenthal und dann Feuerwehrchef Alexander Kolata die Einsatzleitung. Auch die spätere Hilfe der Wehren sei vorbildlich gewesen, so Darmstadt. Die Eppsteiner machten die Atemschutzgeräte wieder einsatzbereit, in Oberursel wurde die Kleidung gewaschen.

Bei der Polizei war Roman Sickenberger der Chef. Fast 30 Kräfte (darunter ein Helfer vom Freiwilligen Polizeidienst) hatte er dabei, zunächst für die Straßensperrungen. Später wurde es kniffliger, als die mehr als 40 Pferde freigelassen wurden. Die Polizei half, die Tiere zu finden und auf Koppeln zu bringen. Zum Teil brausten die Streifenwagen mit Blaulicht quer durchs Feld. „Die Zusammenarbeit war genial“, betont Sickenberger.

Michael Kaschunke kam als Fahrzeugführer der Drehleiter gleich zu Beginn dazu – und blieb bemerkenswerte 27 Stunden dabei. Nach einer Schlafpause war er noch einmal 12 Stunden dabei. Er half vor allem mit, dass sich der Brand vom Stall nicht auf die Reithalle dahinter ausbreitete. Später übernahm er für einen Kollegen noch die Rolle des Maschinisten mit. Müdigkeit oder Kraftverlust? Das habe er erst zu Hause gespürt, sagt Kaschunke.

Einen speziellen Job hatte Matthias Merker. Er war für die Technische Einsatzleitung aus dem Kreis am Rettershof und hielt der Führung den Rücken frei. „Das war sensationell“, schwärmt Liebenthal. Merker und Kollegen kümmerten sich um die Nachforderung von Einsatzkräften, um die Verpflegung und den Kontakt mit den Behörden. Er selbst sieht die Zusammenarbeit ebenfalls sehr positiv. Auch mit Blick auf künftige Großeinsätze, die sicher kommen werden.

Dafür sind die Malteser bestens vorbereitet. Sie haben die Helfer verpflegt und bis zum Ende rund 1000 Portionen ausgegeben. Für Notfälle haben sie eigene Bestände im Malteserhaus in Fischbach, doch wurde in der Nacht Metzger Zelser aus Münster geweckt, um Würste beizusteuern. Später gab es dann Spießbraten, Nudeln mit Hackfleischsauce, Gulasch- und Kartoffelsuppe, Pizza sowie Kuchen. Bis zu 15 Helfer waren dort, im Hintergrund weitere gut 25 Personen aktiv, berichten Hans-Michael Konrad und Kewin Friedemann. Friedemann war sogar 16 Stunden „Küchenchef“ am Rettershof. Er hielt Kontakt zur Einsatzleitung, spricht von einer „großen Herausforderung für alle Kräfte“. Zumal die Malteser mit dem Deutschen Roten Kreuz außerdem noch den Sanitätsdienst stellten.

Ein „Schwergewicht“ im Geflecht der Einsatzkräfte ist das THW, das mit bis zu 40 Leuten in Aktion war. Zugführer Dominic Kern beschreibt die Aufgabe mit „Unterstützung der Brandbekämpfung“. Was ein breites Spektrum umfasste: Das THW sorgte mit für Licht und Strom, für Gebäudesicherung und Baufachberatung. Später halfen die Kräfte, das auf den Feldern abgelöschte Heu auszubreiten. Die Aufgaben seien knifflig gewesen wegen der engen Bebauung, betont Kern. Deshalb habe auch das THW mit seinem schweren Gerät nicht immer Zugang finden können.

Den Zugang nach oben wiederum ebnete Marcus Wesner mit den Kollegen vom Team „Spezielle Rettung aus Höhen und Tiefen“. Als die Reithalle in Gefahr und wegen des Löschwassers oben rutschig war, wurden die Fachleute gerufen. Der Sulzbacher Wesner kletterte abgesichert mit nach oben, öffnete das Dach der Halle, um Glutnester zu bekämpfen. Nach einer Pause sorgten die Kameraden für Absicherung auf dem Heuboden.

Und so griff am Rettershof ein Rädchen ins andere. 360 Menschen – fast ausschließlich Ehrenamtliche – halfen mit, das historische Anwesen zu einem großen Teil zu retten. Die meisten Wehren aus dem Kreis waren dabei, hinzu kamen Brandschützer aus dem Taunus – auch die Königsteiner. Für sie endete das Helferfest allerdings vor dem Essen. Denn der Alarmpiepser ging – und es hieß wieder Retten, Löschen, Bergen . . .

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