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Die exakte Höhe des Großen Feldbergs wurde bereits vor einem Jahr mit 880,97 m neu vermessen. Am Montag nun haben Mitarbeiter der Hessischen Verwaltung für Bodenmanagement und Geoinformation die exakte Lage des Frankfurter Hausberges innerhalb der vor 150 Jahren begonnenen Europäischen Gradmessung nachgemessen. Foto: Pieren

Europäische Gradmessung

1868 wurde der Große Feldberg in die Europäische Gradmessung aufgenommen

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Wie groß ist die Welt, und welche Form hat sie? Um diese uralte Frage der Menschheit wissenschaftlich beantworten zu können, wurde 1867 die Europäische Gradmessung gegründet. Nur ein Jahr später begann die europäische Gradmessung auf dem Großen Feldberg.

Auf dem Brunhildisfelsen pfeift stets ein strammer Wind. Der zerfurchte Felsen wird an schönen Tagen von hunderten Ausflüglern erobert. Alle wollen vom besten Aussichtspunkt auf dem Feldberg-Plateau die Weitsicht aufs Usinger Land genießen.

Doch wer nicht aufpasst, kommt schnell ins Straucheln. Nicht anders ging es jetzt den Mitarbeitern des Hessischen Landesamtes für Bodenmanagement und Geoinformation (HLBG), als sie dort hoch konzentriert ihre digitalen Tachymeter in Position brachten.

Mit diesen High-Tech-Messgeräten können sie – anders als mit einem Theodolit – nicht nur horizontale Entfernungen und Vertikalwinkel ausmessen, sondern auch die schräg gemessene Entfernung zu einem Zielpunkt. So wurde der jüngst neu gesetzte Gradmessungspfeiler auf dem Feldberg in Bezug zum Aussichtsturm auf dem Pferdskopf und der Kirche St. Kasimir in Seelenberg neu ausgemessen.

Die Lage des Großen Feldbergs ist schon ganz lange exakt bestimmt: B=50°14’02,098“ (geographische Breite), L=8°27’33,821“ (geographische Länge). So steht es auf dem vor 150 Jahren eingeweihten geodätischen Beobachtungspfeiler auf dem Feldbergplateau.

„Dieser Pfeiler ist Exzentrum des Punktes ,Großer Feldberg‘ innerhalb der Europäischen Gradmessung“, erläutert eine Messing-Gedenktafel des gemauerten Quaders aus dem Jahr 1868 inmitten des Feldberg-Plateaus. Mit ihr wird an die Gründung der Europäischen Gradmessung ein Jahr zuvor erinnert.

In jener Zeit schlossen sich europaweit Wissenschaftler in der 1867 gegründeten Europäischen Gradmessung zusammen. Ihr Ziel war ambitioniert: Europa sollte von Sizilien bis Skandinavien mit einem exakt ausgemessenen Dreiecksnetz ausgemessen werden. Das war die Geburtsstunde der modernen Kartographie.

In ganz Deutschland wurden dafür bis 1877 die notwendigen Gradmessungspfeiler an markanten, weithin sichtbaren Beobachtungspunkten gesetzt. 1868 wurde ein solch mächtiger Steinpfeiler als Ortsmarke auf dem Großen Feldberg gesetzt. Der ursprüngliche Standort war im Hof des heutigen Fernmeldeturms. Heute steht er als Erinnerungsort am Rande der Plateau-Wiese.

Der Standort war seinerzeit auf dem höchsten Punkt des Feldbergs frei und weithin sichtbar. Die nächsten Bezugspunkte waren der 498 Meter hohe Dünsberg (zwischen Gießen und Wetzlar), der Taufstein (mit 773 Meter der höchste Gipfel im Vogelsberg) und der 517 Meter hohe Melibocus an der Bergstraße.

1871 begannen die ersten wissenschaftlichen Winkelmessungen mit damals hochmodernen Messgeräten. An dessen Ende stand dann die exakte Lage des Großen Feldbergs fest: B=50°14’02,098“ sowie L=8°27’33,821“. Dieser Tage hat der Deutsche Verein für Vermessungswesen (DVW – Gesellschaft für Geodäsie, Geoinformation und Landmanagement e. V.) eine neue Info-Tafel errichtet, die an das geschichtliche Ereignis erinnert.

Die neben dem alten geodätischen Beobachtungspfeiler platzierte Tafel informiert über die Funktion und Bedeutung der Europäischen Gradmessung. Die Messtechnik hat sich bis heute natürlich deutlich verbessert. Das Hessische Landesamt für Bodenmanagement und Geoinformation (HLBG) hatte im vergangenen Jahr die Höhe des Großen Feldbergs neu vermessen. Das amtliche Ergebnis: Der Höchste im Taunus ist nicht mehr und nicht weniger als 880,97 Meter hoch. Nun haben HLBG-Mitarbeiter einen neu gesetzten Gradmessungspfeiler im Innenhof des Feldbergturms mit umliegenden Ortsmarken abgeglichen.

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