Ein Mähdrescher rechts erntet Gerste, während eine Rollenpresse gleich das Stroh weiter verarbeitet (Luftaufnahme mit einer Drohne). Experten sprechen von einer Revolution in der Landwirtschaft. Mit digitaler Technik sollen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: eine Arbeitserleichterung für Landwirte und mehr Umweltschutz. Das sogenannte "Smart Farming" ist in aller Munde. foto: dpa
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Ein Mähdrescher rechts erntet Gerste, während eine Rollenpresse gleich das Stroh weiter verarbeitet (Luftaufnahme mit einer Drohne). Experten sprechen von einer Revolution in der Landwirtschaft. Mit digitaler Technik sollen gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen werden: eine Arbeitserleichterung für Landwirte und mehr Umweltschutz. Das sogenannte "Smart Farming" ist in aller Munde.

Neuer Internet-Standard

5G-Netz im Taunus: Fluch oder Segen für die Landwirtschaft?

Das 5G-Netz wird voraussichtlich enorme Auswirkungen auf die Landwirtschaft im Taunus haben. Schon jetzt setzten sie auf immer innovativere Technologien. 

Es klingt nach Zukunftsmusik, ist es aber nicht: Traktoren fahren autonom über Felder, sie werden vom Computer des Landwirts aus ferngesteuert. Landwirtschaftliche Großbetriebe arbeiten schon intensiv mit "Smart Farming" - dazu zählt der Einsatz von Sensortechnologie, GPS-Steuerung und eine Automatisierung des Datenstroms zwischen Hof-PC und Arbeitsgerät im Stall oder draußen auf dem Feld.

Lenkhilfen, Assistenten und Automaten verändern das Arbeiten. "Überspitzt gesagt könnte man einen Affen auf einen Traktor setzen und fahren lassen, Mitarbeiter werden durch hochmoderne Technik ersetzt", sagt der Landwirt Christian Staehr.

"5G ist nicht an jeder Milchkanne notwendig", sagte hingegen Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU). Seitdem wird viel über ihre Aussage diskutiert. Es geht um die Frage, ob es notwendig ist, auch in den noch so entlegendsten Winkel Deutschlands den schnellen 5G-Funk bringen zu müssen.

5G-Netz im Taunus könnte Arbeit für Landwirte erleichtern 

In der Landwirtschaft wird schnelles Internet jedenfalls immer wichtiger. "Für mich ist 5G Segen und Fluch zugleich. Zum einem erleichtert es uns, automatisierte Prozesse in der Landwirtschaft noch genauer zu machen, Daten der Maschinen - und da gibt es eine Menge - leichter und schneller abzurufen beziehungsweise auszutauschen und einzelne Tätigkeiten leichter zu dokumentieren", sagt der Ortslandwirt für Neu-Anspach und Westerfeld, Christian Staehr.

"Fluch" sei es jedoch, dass die Wirkung von 5G auf die Umwelt so gut wie gar nicht erforscht sei. Staehr, dem der Hubertushof gehört, nennt ein Beispiel: Studien hätten ergeben, dass 80 Prozent der Wildbienenpopulation 5G nicht vertrage und daran zugrunde gehe - die letzten 20 Prozent allerdings Nachkommen zeugten, die dann wieder immun gegen 5G seien, so Staehr. "Außerdem ist die Dokumentation und Verwaltung der anfallenden Daten auch wieder mit Mehraufwand verbunden und der Betrieb wird immer gläserner."

Wie steht der Hochtaunuskreis zum 5G-Ausbau? "Das Amt für den ländlichen Raum hofft natürlich, dass es die neue Technologie möglich macht, Lebensmittel nach höheren Umweltstandards produzieren zu können. Selbstverständlich muss aber eine solche, mit der neuen Technologie gestützte Produktion für die landwirtschaftlichen Betriebe betriebswirtschaftlich auch leistbar sein."

5G-Netz im Taunus noch Zukunftsmusik – GPS-Technik schon jetzt im Einsatz

Betriebswirtschaftlich ist ein gutes Stichwort. Landwirt Staehr hat sich einen Häcksler gekauft, der die Ertragsdaten von Silomais auf den Quadratmeter genau ermittelt. Auf der Grundlage dieser Daten, die über Wlan an die landwirtschaftliche Maschine übermittelt werden, streut Staehr dann den Dünger auf seine Felder, auf denen er Weizen, Mais, Raps, Roggen und das Getreide Triticale anbaut. "Wenn ich mit der Pflanzenschutzspritze auf dem Acker drehe, erkennt sie automatisch, wo ich schon war und deckt die Öffnung entsprechend ab." Rund 130 Hektar Land bewirtschaftet der Neu-Anspacher, dazu kommen 30 Hektar, die er bis vor der Ernte für andere Landwirte bewirtschaftet.

Auch beim Nehmen von Bodenproben kommt GPS-Technik zum Einsatz. Das Ziehen selbst übernehme eine Fremdfirma. "Sie kann mir ganz genau sagen, woran es liegt, dass ich an dieser oder jener Stelle einen höheren Ertrag hatte", so Staehr. Daraus könne er dann schließen, wo er weniger düngen müsse.

Die Prozesse, die heute bereits automatisch laufen, sind derart vielfältig und gehen von Aussaat, Düngung und Pflanzenschutz über Austausch von Maschinendaten bis hin zu Lenkung von Geräten und Traktoren auf Genauigkeit.

5G-Netz im Taunus: "Mit fehlt der Glaube, dass mit 5G alle Probleme zu lösen sind"

Bis auf drei Zentimeter genau könnten Parallelfahrsysteme (automatische Lenkhilfen) heute bereits arbeiten. "Das ungenauste Signal ist bei uns auf 30 Zentimeter genau, das nächsthöhere sind 15 Zentimeter und das genaueste 3 Zentimeter", sagt Staehr. Die Lizenz für diese Lenkhilfe koste ihn rund 400 Euro im Jahr, die Technik selbst zwischen 6000 und 10 000 Euro. Für Staehr hat sich die Investition gelohnt.

Da 70 Prozent der Landwirte im Usinger Land im Nebenerwerb tätig sind, stellt sich bei ihnen durchaus die Frage der Wirtschaftlichkeit.

"Es gibt immer mehr Einsatzmöglichkeiten - und es werden immer mehr für diese neuen Technologien. Doch mir persönlich fehlt der Glaube, dass mit 5G alle Probleme zu lösen sind", sagt der Kreislandwirt für den Hochtaunuskreis, Georg Kopp aus Ober-Erlenbach.

Er selbst beschäftigt sich viel mit neuen Technologien in der Landwirtschaft, sieht sich aber eher als Einzelkämpfer; er sei aber auch schon seit 30 Jahren in diese Richtung unterwegs.

Sei heute so ein moderner Schlepper mit Anhänger defekt, werde da als erste Maßnahme ein Laptop von der Fachfirma drangehängt, die das Fahrzeug repariert. Er selbst arbeite etwa mit einer mobilen Schlagkartei, um den Ertrag zu kartieren. "Ich habe auf meinem Handy eine Flurkarte, die alles anzeigt was geerntet wurde. An 300 Punkten wird gemessen, wie viel ich da geerntet habe", so Kopp.

Er bewirtschaftet 110 Hektar und verantwortet das Versuchsfeld des Frankfurter Landwirtschaftlichen Vereins, wo Dünge-, Sorten-, und Fungizidversuche durchgeführt werden.

Den möglicherweise negativen Zusammenhang zwischen 5G und der Umwelt kommentiert Kopp nur so: "Inwieweit sich stärkere Funk-Frequenzen auf die Natur auswirken, möchte ich mir nicht anmaßen zu beurteilen." 

Von Nina Fachinger

5G-Netz im Taunus: Mobilfunk-Basisstationen über Glasfaser anbinden

Technisch gesehen gilt in der Regel: Ohne Glasfaser kein 5G. Mobilfunk-Basisstationen müssten also über Glasfaser angebunden sein. In Ausnahmefällen kann eine Basisstation auch mit Richtfunk ins Netz gebracht werden. Diese Funkverbindung kann aber nicht die Geschwindigkeiten der Glasfaser bieten. Die Deutsche Telekom hatte bis Ende November eine Aktion namens "Wir jagen Funklöcher" im Hochtaunuskreis laufen.

Dabei wurden Standorte für Antennen gesucht. Die Telekom betreibt im Hochtaunus 76 Standorte. Die Bevölkerungsabdeckung liegt bei rund 99 Prozent, heißt es in einer Mitteilung der Telekom.

5G-Netz im Taunus: Telekom baut Mobilfunknetz im Taunus aus

Bis 2022 sollen weitere 14 Standorte hinzukommen. Zusätzlich sind an sechs Standorten Erweiterungen mit LTE geplant. Beim Ausbau ihres Mobilfunknetzes ist die Telekom auf die Zusammenarbeit mit den Kommunen angewiesen, um notwendige Flächen für die Standorte anmieten zu können. Wer eine Fläche für einen Dach- oder Mast-Standort anbieten möchte, kann sich an die Telekom-Tochter Deutsche Funkturm (www.dfmg.de) wenden. Sie mietet geeignete Flächen an.

Doch es gibt auch Gegner des flächendeckenden Ausbaus. In Usingen wurde in diesem Jahr die "Taunus-Initiative-Stoppt 5G" gegründet. Sie möchte auf etwaige Gesundheitsrisiken durch die Funkstrahlung aufmerksam machen will. Die Gruppe lehnt den 5G-Standard nicht gänzlich ab, sondern eine Datenübertragung über Funkstrahlung. Vielmehr sollten strahlungsarme Glasfaser-Direktanschlüsse in Gebäuden bevorzugt werden, so die BI. 

nni

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