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64-jähriger Usinger ruft Rettungsdienst - der findet Waffenarsenal

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Das Strafgesetzbuch im Gericht (Symbolbild)
Gericht (Symbolbild) © Oliver Berg / dpa

Mit einer Bewährungsstrafe wegen unerlaubten Waffenbesitzes ist ein 64-jähriger Usinger davongekommen. Bei einem Einsatz des Rettungsdienstes war das Waffenarsenal gefunden worden.

Usingen. Begonnen hatte alles mit einem Notfalleinsatz in einem Usinger Wohnhaus: Ein damals 64-Jähriger war verunglückt, Sanitäter wurden gerufen - und die fanden nicht nur den verletzten Mann, sondern auch Handgranaten. Die waren zwar leer und damit nicht mehr gefährlich, wie die daraufhin alarmierte Polizei feststellte. Doch die Beamten fanden im Küchenschrank drei scharfe Waffen, darunter eine Pump-Gun, sowie etliche Patronen.

Handgranaten von der Bundewehr - Waffen vom Vater

»Die Handgranaten hatte ich damals von der Bundeswehr mitgenommen und das andere ist alles noch von meinem Vater«, erklärte der damals verunglückte Mann nun im Frankfurter Schöffengericht, angeklagt war er dort wegen unerlaubten Waffenbesitzes. Der Vater sei schon lange tot, dass er Waffen gehabt hatte, war dem Angeklagten aber wohlbekannt.

Dass der Vater diese Waffen jedoch in dem Keller des Sohnes gelagert hatte - die beiden hatten dort vor 30 Jahren eine Zeit lang zusammen gewohnt - davon habe er nichts gewusst, sagte er. »Der Keller ist groß und die Waffen lagen ganz hinten, lautete die Erklärung. So richtig nachgeschaut habe er eben jahrelang nie.

Küchenschrank als Waffenlager nach dem Tod des Vaters

Erst Anfang des Jahres 2020 - 16 Jahre nach dem Tod des Vaters und nur wenige Wochen vor dem folgenreichen Sanitätereinsatz - will er dort mal wieder aufgeräumt und dabei die Waffen gefunden haben. Er habe die Pump-Gun und die beiden anderen Gewehre mit nach oben in die Wohnung genommen, um sie mit der Flex auseinanderzuschneiden, ging es weiter mit seinen Ausführungen. Aus Bequemlichkeit habe er das dann aber doch nicht gemacht, sondern sie in den Küchenschrank gelegt. »Das war leichtsinnig und bescheuert«, meinte er.

Auf die Idee, die Behörden zu informieren, sei er »aus Blödheit« nicht gekommen. »Das wäre der bessere und auch schnellere Weg gewesen, die Sachen loszuwerden«, sagte der Richter zu ihm, während sich der Staatsanwalt dafür interessierte, wie der Mann denn die Patronen habe entsorgen wollen. »Da hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht«, lautete dessen Antwort.

Die Patronen hatten an etlichen Stellen in der anscheinend sehr chaotischen Wohnung gelegen, im Keller hatten die Polizisten bei der Hausdurchsuchung im März 2020 außerdem weitere Patronen und Kartuschen gefunden.

Bis zu fünf Jahre Gefängnis wären möglich gewesen

Die Sache hätte den Mann, der mittlerweile Rentner ist, ins Gefängnis bringen können, vor allem der unerlaubte Besitz der Pump-Gun. Dies gilt in Deutschland als Verbrechen. »Der Gesetzgeber ist da sehr streng, schließlich haben solche Waffen ein hohes Gefährdungspotenzial«, erklärte ihm der Staatsanwalt. Darauf stehe eine Strafe zwischen ein und fünf Jahren Gefängnis.

Einen minder schweren Fall sah nur der Rechtsanwalt des Usingers, Richter und Staatsanwalt waren allerdings anderer Meinung. Zumal der Richter leichte Zweifel an der Version des Angeklagten anklingen ließ. Etwas anderes ließe sich jedoch nicht beweisen, meinte er.

Letztlich kam der Rentner - wie vom Staatsanwalt beantragt - mit einer Bewährungsstrafe von 14 Monaten davon, nennenswerte Auflagen gab das Gericht ihm nicht mit. »Ich hoffe, die Sache war ihnen eine Lehre«, gab ihm jedoch der Anklagevertreter noch mit auf den Weg. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Sabine Maurer

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