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750 Quadratkilometer auf einen Blick

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Von: Alexander Schneider

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Bis auf ein paar Restarbeiten ist das Taunus-Relief fertig. Der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks, Malte Gurke (rechts) verschaffte sich bei Modellbau-Chef Frank Meyer (Mitte) und dessen Mitarbeiter Gerrit Herr einen Überblick.
Bis auf ein paar Restarbeiten ist das Taunus-Relief fertig. Der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks, Malte Gurke (rechts) verschaffte sich bei Modellbau-Chef Frank Meyer (Mitte) und dessen Mitarbeiter Gerrit Herr einen Überblick. © ALEXANDER SCHNEIDER

Im Frühjahr soll das große Taunus-Relief an der Hohemark fertig sein

Hochtaunus -Ein Relief ist ein „aus dem Untergrund herausragendes Bildhauerwerk“ und geht auf das lateinische Wort relevare zurück, wie „erhöhen, in die Höhe heben“. Da geht es schon los, denn das Relief, um das es hier geht, ist zwar in der Tat „herausragend“ zu nennen, mit seinen gut 500 Kilo aber doch etwas zu schwer, um es mal eben in die Höhe zu heben. Und doch muss es bald auf einen Laster gehoben werden, denn es steht für die nächsten Wochen ein Umzug an - von der Montagehalle des Kelkheimer Modellbaubetriebs IFA zum Taunus-Informationszentrum (TIZ) an der Hohemark. Im TIZ stehen größere Umbau- und Erneuerungsarbeiten an, und als man sich beim Naturpark Taunus über die Einzelheiten beriet, wurde auch die Idee geboren, vom hohen Taunus, der sich Zehntausenden Besuchern unter anderem von der Hohemark aus als Wanderparadies erschließt, ein Relief anfertigen zu lassen - zur öffentlichen Einsichtnahme und als erste Orientierung, nicht als Wanderkartenersatz.

Das Relief, leicht schräg auf einem Stahlgestell montiert, soll nahe der Kletterwand auf der Rückseite des TIZ „eingenordet“ aufgestellt werden. Dort sei, so der stellvertretende Geschäftsführer des Naturparks, Malte Gurke, auch durch die Gäste des Restaurants Waldtraud genug „Betrieb“ und Kontrolle, so dass man zunächst auf eine Sicherung des Reliefs verzichten möchte.

Solche Landschaftsmodelle laden die Betrachter oft dazu ein, schon einmal mit dem Finger spazieren zu gehen, um sich so einen taktilen Eindruck von den auf den Wanderfreund zukommenden Strapazen zu verschaffen. Beim Taunus-Relief müssen es aber schon die Augen sein, so lange Arme und Finger, dass es vom Rand bis zum Feldberg reicht, hat der normale Mitteleuropäer nicht. Das im Maßstab 1 : 10 000 angefertigte, grün eingefärbte Relief ist nämlich dreieinhalb Meter breit und zweieinhalb Meter tief. Es entspricht demnach einer Fläche von rund 750 Quadratkilometern und umfasst, grob im Uhrzeigersinn gesehen, den Naturpark zwischen Frankfurt, Waldems, Weilrod, Usingen und Rosbach.

Bei IFA in Kelkheim, wo man seit 35 Jahren „aus groß klein“ und aus „klein groß“ macht, je nachdem, ob es ein Funktions-, Landschafts-, oder Architekturmodell werden soll, hat man für den Auftrag, der die Ausmaße bisheriger Landschaftsmodelle doch etwas sprengte, eine komplette Halle freigeräumt.

Ganze Halle für Produktion freigeräumt

„So ein riesiges Puzzle braucht Platz, viel Platz“, sagt IFA-Chef Frank Meyer, der mit Robert Scheu, Patrick Nauheimer und Viktoria Wiedehagen drei Spezialisten aus seinem neunköpfigen Team für etwa neun Wochen nur für diesen Job abgestellt hat. Auf das riesige Rolltor projizierte man zur Orientierung eine Taunus-Landkarte im XXL-Format. „Das Bauen selbst war gar nicht so schlimm, tausende Einzelteile zwar, aber das eigentliche Problem war die Beschaffung der Geo-Daten und deren Aufbereitung für unseren Zweck, gar nicht so einfach“, erzählt Gerrit Herr, einer der Techniker im Haus. Ohne diese Daten ging es nicht, denn „ungefähr“ ist Frank Meyer und seinem Team bei weitem nicht genau genug. Und wäre bei 100 Prozent Genauigkeit nicht Schluss, ginge es auch noch genauer . . .

Das heißt: So wie sich das landschaftliche Auf und Ab im Modell zeigt, ist es auch draußen in der Natur. Das einzige, was nicht so ganz maßstabsgerecht ist, sind die Straßen: Die Autobahnen in Rot und die Bundes- und Landesstraßen in Gelb. „Damit man sie erkennt, mussten wir sie etwas breiter als in natura darstellen, ansonsten aber passt der Rest“, so Meyer.

Die Höhen- und Tiefenentwicklung wird im Modell stufig dargestellt. Dazu frästen die Modellbauer auf der Grundlage der aufbereiteten Geo-Daten aus zwei Millimeter dicken Polystyrol-Kunststoffplatten die einzelnen Ebenen, die vom tiefsten Punkt bis hinauf zum Feldbergplateau natürlich immer kleiner wurden. Die unterste, größte Scheibe ist rund sieben Quadratmeter groß und musste in mehreren Portionen durch den Plotter geschickt und dann als Basis auf der Unterkonstruktion verklebt werden. Die oberste Schicht, kaum größer als zwei Zeigefinger, ist die Nummer 44. Da jede der miteinander verklebten, exakt positionierten Scheiben 20 Meter in der Höhe entspricht, kommt man mit Etage 44 auf 880 Meter. Feldbergniveau.

Landmarken als Hütchen verkleidet

Im Gelände verteilt sind an Fingerhüte erinnernde bunte Klötzchen mit Nummern. Die braunen symbolisieren die geografischen Mittelpunkte der Ortschaften im Gelände. Hinter den roten Hütchen verbergen sich Landmarken und Ausflugsziele wie der „Dicke Turm“ auf dem Feldberg, der Altkönig, der Pferdskopf, der Atzelbergturm, der Hardtbergturm, aber auch die Burgen Kronberg, Eppstein, Königstein und Altweilnau. Links und rechts des Reliefs werden sich später Legenden mit den jeweiligen Nummern und textliche Erläuterungen befinden.

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