Flüchtlinge im Hochtaunus

Abstand halten in der Gemeinschaftsküche

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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In den Asylunterkünften des Kreises gab es auch schon Coronainfizierte. Anders als in Frankfurt haben sich aber keine weiteren Bewohner angesteckt. Dafür tut der Kreis viel.

Hochtaunus -Eine Küche, Duschen und Toiletten für alle: In Gemeinschaftsunterkünften ist es schwierig, Abstand zu halten. Und so tauchten manche jüngst in den Schlagzeilen auf. Die großen Fleischbetriebe, in denen sich Hunderte Mitarbeiter das Coronavirus eingefangen hatten, weil sie auf sehr engem Raum zusammenleben, sind weit weg. Doch auch in Flüchtlingsunterkünften kommen die Bewohner zwangsläufig enger zusammen, als das im Moment durch die Corona-Beschränkungen angeraten ist: In einer Frankfurter Unterkunft wurden am Freitag mehr als 70 Infizierte gemeldet.

Auch in den Gemeinschaftsunterkünften (GU) des Hochtaunuskreises gab es schon Covid-19-Fälle. "Es waren aber nur wenige", sagt Kreissprecherin Andrea Herzig. Weil der Kreis schnell und konsequent reagiert habe, sei eine Weiterverbreitung innerhalb der GU verhindert worden. Aktuell sei noch ein Mann positiv getestet, er sei aber symptomfrei und - bis der negative Abstrich komme - in seinem Zimmer isoliert.

Eben weil es in der Gemeinschaftsküche leichter ist, sich mit dem Coronavirus anzustecken, als in einer eigenen Wohnung, überwache das Gesundheitsamt die GUs streng, betont Herzig. Nicht nur kann es dort passieren, dass Menschen etwa vorm Herd nah beieinander stehen, es besteht auch die Gefahr von Schmierinfektionen, etwa durch Anfassen von Gegenständen oder Türgriffen.

Derzeit herrscht absolutes Besuchsverbot

Mitarbeiter und Bewohner wurden, teils mit Hilfe von Dolmetschern, über die Hygienemaßnahmen informiert. "Seit März gibt es in den GUs des Kreises ein absolutes Besuchsverbot; unerlaubte Besucher bekommen ein Hausverbot", sagt Herzig. Bei der Bad Homburger GU im Niederstedter Weg etwa sind die Beschränkungen auch von außen zu sehen.

Die Bewohner hätten verständnisvoll reagiert und befolgten die Regeln, erklärt Herzig. "Risikofälle", die älter sind als 60, und Personen mit Vorerkrankungen seien "nach Möglichkeit separat untergebracht" und eindringlicher informiert worden. "Alle, die mit den Bewohnern der GUs Kontakt haben, achten bei ihnen auf Krankheitszeichen." Auch manche Hausmeister, die einen guten Zugang zu den Bewohnern haben, seien mit eingebunden.

"Tritt in einer GU ein Verdacht auf eine Covid-19 Erkrankung auf, steht der Kreis in einer besonderen Verantwortung, einen Ausbruch zu verhindern, und reagiert sehr schnell und umsichtig", beteuert die Kreissprecherin. Tauchten bei einem Bewohner die typischen Symptome auf, komme sofort das Gesundheitsamt und mache einen Rachen-Abstrich. Der Befund liege häufig noch am gleichen Tag, spätestens am Folgetag vor. "Bereits bei Kenntnis typischer Symptome werden Isolationsmaßnahmen der betreffenden Person umgesetzt und alle Kontaktpersonen recherchiert."

Wer sich angesteckt hat, werde nach Möglichkeit in einem getrennten Gebäude untergebracht oder auf einem isolierten Flur. Dass sich die Bewohner an die Quarantäne halten, werde von Mitarbeitern des Gesundheitsamtes persönlich überwacht. "Sie werden regelmäßig nach ihren Symptomen befragt und engmaschig betreut", so Herzig.

Infizierte dürfen das Haus nicht verlassen und müssen soziale Kontakte innerhalb des Hauses meiden. "Diese Auflagen werden überwacht." Die Sozialarbeiter halten regelmäßigen telefonischen Kontakt mit den Bewohnern in Quarantäne. Gegebenenfalls sorge auch Security-Personal dafür, dass keine Menschen in die unter Quarantäne stehenden Bereiche hinein- und keine hinausgehen.

von anke hillebrecht

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