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Acht seltene Kräuter gefunden

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Hessenpark-Landwirt Volker Weber (Dritter von rechts) hat sich mit Rainer Vogel, Erster Stadtrat von Nidderau, Constantin Faatz, Stadt Nidderau, Katharina Albert, Hessisches Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie, Bernhard Hildebrand, Feldflorareservat, und Katrin Schmidt (von links), Gruppenleitung Gartenbau im Hessenpark, auf Spurensuche begeben. FOTOs: hessenpark © tz

Einmal im Jahr werden im Hessenpark die Ackerflächen begutachtet

Neu-Anspach -Der Erhalt von extrem bedrohten Ackerwildkräutern gehört seit Jahren zu den Aufgaben, denen sich das Landwirtschaftsteam im Freilichtmuseum Hessenpark unter der Leitung von Volker Weber im Rahmen seiner vielfältigen Arche-Aktivitäten verpflichtet.

"Ackerwildkräuter findet man, wie der Name ahnen lässt, nicht auf der grünen Wiese, sondern auf kultivierten Ackerflächen", erklärt der Chef-Landwirt, der seit 2011 im Hessenpark arbeitet. Diese Wildkräuter hätten sich über Jahrhunderte an die Kulturmaßnahmen im Ackerbau angepasst, um dort als Beikräuter neben den Kulturpflanzen zu überleben.

Schwer geworden, sich zu behaupten

Allerdings sei es spätestens mit dem Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln (Herbiziden) für viele Arten schwer geworden, sich weiter zu behaupten. Mit dem Einsatz von Mähdreschern würden beim Dreschen auch die Samen der Wildkräuter mit "geerntet" und landeten am Ende im Reinigungsabfall beim Landwirt oder den Verarbeitungsbetrieben.

"Das war früher anders, als noch Hausten von Getreidegarben auf den Feldern zum Trocknen aufgestellt wurden", berichtet Weber. Viele Wildkräuter seien in den Garben mit dem Getreide gebündelt gewesen. Spätestens dann, wenn diese verladen wurden, konnte trockenes Saatgut der Kräuter ausfallen und sei dadurch auf dem Acker geblieben.

Der Landwirt sagt, dass in Biobetrieben zwar keine Herbizide eingesetzt werden, trotzdem aber auch hier mit dem Mähdrescher gemäht wird. Daher seien viele Ackerwildkräuter auf der Roten Liste für bedrohte Arten gelandet und sogar als extrem gefährdet eingestuft. Meistens handele es sich um eher unscheinbare Pflanzen, die man am besten erkennen kann, wenn sie blühen.

Daher treffen sich die Teilnehmer der Ackerwildkräuter-Kooperation im Hessenpark jährlich Mitte Juni zur Blühzeit vieler Kräuter. Im Feldflora-Reservat in Nidderau werden viele dieser Wildkräuter in Reinkultur angebaut, um Samen zu gewinnen, die dann zum Beispiel im Hessenpark mit dem Getreide ausgesät werden. "So kann sich ein Samenvorrat im Boden aufbauen, welcher mittelfristig dafür sorgt, dass sich einige der ausgesäten Arten selbstständig auf den Flächen etablieren können."

Nische für

bedrohte Arten

Da im Hessenpark die alte Dreifelderwirtschaft praktiziert wird und die Flächen ohne Mähdrescher beerntet werden, gibt es hier eine seltene Nische für diese extrem bedrohten Arten, informiert der Fachmann und betont, dass der Hessenpark als Biolandbetrieb natürlich auch keine Herbizide einsetzt.

Übrigens: Der Suchtrupp, bestehend aus Mitarbeitern von Hessenpark, HLNUG und Feldflorareservat Nidderau, wurde in diesem Jahr besonders auf dem Baumacker des Museums fündig. Auf den Ackerstreifen zwischen den Obstbaumreihen wurden acht seltene Kräuter gefunden, darunter das Acker-Hasenohr, die Kornrade oder der großblütige Breitsame. Weber meint dazu: "Wir sind gespannt, wie viele der Arten sich langfristig im Hessenpark etablieren werden."

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. . . und das Hasenohr - ein Doldenblütler. © tz
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Die Breitsame findet sich im Hessenpark genauso . . . © tz
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. . . wie die Konrade, eine Sommerblume, . . . © tz

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