2015 deutlich mehr Unfälle im Hochtaunus

Acht Tote und viele Beulen

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Über 5000 Unfälle in einem Jahr – das gab es im Taunus lange nicht. Die unerfreuliche Bilanz betrifft hauptsächlich Blechschäden; die Entwicklung erfüllt die Polizei dennoch mit Sorge.

Der Zeitungsträger (64) hatte keine Chance, als er im Februar 2015 mitten in der Nacht in Usingen von einem Auto erfasst wurde, das auf der falschen Seite eines Fahrbahnteilers fuhr. Er war einer von acht Verkehrstoten des vorigen Jahres – deren Zahl hat sich im Vergleich zum Vorjahr vervierfacht. Insgesamt weist die aktuelle Unfallstatistik im Hochtaunus, die das Jahr 2015 beschreibt, erstmals mehr als 5000 Unfälle im Jahr aus – es gab also deutlich mehr Unfälle als im Jahr zuvor (5060; 2014: 4542).

Woran das liegt, dazu hat Polizeihauptkommissar Thomas Dietrich, der die Zahlen vorstellte, seine Theorie: Zum einen wird oft zu schnell gefahren, zum anderen sind die Autofahrer zunehmend unaufmerksam. „Neue Autos weisen immer mehr Technik auf“, erklärt er mit Blick auf die Bordcomputer, auf denen neuerdings auch Informationen vom Handy abgerufen werden können. Wenige Sekunden auf den Bildschirm statt auf die Straße geschaut – schon kann es zum Unfall kommen. Außerdem herrsche am Steuer eine „immanente Hektik“. „Schon der Navi sagt uns ja, wann wir da sein sollen“, so Dietrich. „Alles wird wichtiger, als sicher anzukommen.“

Bei 66 Unfällen waren Kinder unter 13 Jahre beteiligt; 61 wurden dabei verletzt (davon 46 Jungen). 20 davon saßen auf dem Fahrrad, 18 waren Fußgänger. Auf dem Schulweg wurden 18 Kinder verletzt (2014: 14). Jugendliche (14–17 Jahre) waren in 84 Unfälle verwickelt; 49 wurden verletzt. Sorge bereiten der Polizei junge Autofahrer (18–24), die unerfahren und oft schnell unterwegs seien: Bei 830 Unfällen wurden 142 Personen verletzt; die Quote beträgt also 17 Prozent. Zum Vergleich: Bei Unfällen mit 65- bis 74-Jährigen beträgt die Quote 7 Prozent (619 Unfälle, 44 Verletzte), bei über 75-jährigen Autofahrern (509 Unfälle, 50 Verletzte, ein Toter) endet etwa jeder zehnte Unfall mit Verletzten.

Die Zahl der Verletzten zumindest ist leicht zurückgegangen; mehr geworden sind aber die Blechschäden. Die häufigste Unfallursache sind das Rückwärtsfahren und Wenden (38 Prozent), gefolgt von Vorfahrtsverletzung (27; bei Unfällen mit Verletzten 39), fehlendem Abstand (15) und Geschwindigkeit (11). „Die Autos werden immer größer und zugleich unübersichtlicher“, erklärt Dietrich. Die Parkplätze wüchsen dagegen nicht mit. Alkohol- oder Drogengenuss waren „nur“ bei 5 Prozent der Unfälle ursächlich.

Auch die Zahl der Unfallfluchten steigt seit 2012 permanent leicht an: von 1469 auf 1499 (2013), 1524 (2014) und 1686 (2015). „Man kann sagen:

Jeder Dritte haut ab

“, so der Hauptkommissar; „das ist kein gutes Bild der Verkehrsmoral.“ 39 Prozent (+2 %) der Fälle würden aufgeklärt. Mancher Geschädigte wäge wohl ab, ob er den Schaden zur Anzeige bringe; Dietrich appelliert, dies zu tun, denn oft suche der Verursacher sogar den Schuldigen.

Eklatant ist auch die Entwicklung der Motorradunfälle. Zwar gab es ähnlich viele Unfälle, bei denen Maschinen über 125 Kubik beteiligt waren (148) wie im Vorjahr (149), aber viel mehr Verletzte (148, 2014: 103). Drei Biker starben im vergangenen Jahr: Zwei stießen unterhalb des Kleinen Feldbergs frontal zusammen und waren sofort tot; ein weiterer Motorradfahrer bremste auf der Kanonenstraße zu stark ab, überschlug sich und wurde vom eigenen Fahrzeug erschlagen. Besonders deutlich ist die Zunahme auf den Strecken rund um den Feldberg. So stieg hier die Zahl der Unfälle von 26 (2014) auf 40 (2015), die der Opfer von 27 auf 41 (2015). „Für die enge S-Kurve zwischen Sandplacken und Schmitten werden wir uns Maßnahmen überlegen.“

Antje van der Heide, Leiterin der Polizeidirektion Hochtaunus, vermutet, dass alle Unfälle durch „angepasste Geschwindigkeit vermeidbar“ gewesen wären. Die Polizei werde weiterhin „frühzeitig ahnden“, will heißen kontrollieren, und öfter mal „Präsenz zeigen“. Denn die Einsicht, zu schnell gefahren zu sein, halte nicht lange an.

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