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Wenn Pfarrer Christoph Wildfang mal wieder alte Schriften studiert hat, müssen diese danach künftig im Safe eingeschlossen werden.

Bombensicherer Platz

Alte Kirchenbücher schlummern nun in einem stabilen und feuerfesten Safe

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Hätte die evangelische Kirchengemeinde Arnoldshain sich keinen gebrauchten Safe angeschafft, wären alle alten Kirchenbücher ins Zentralarchiv der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) gewandert. Jetzt sind die ältesten Schriften sicher vor Feuer oder einem Einsturz des Gemeindehauses.

Eher beiläufig erwähnte Pfarrer Christoph Wildfang die Geschichte mit dem Safe für die alten Kirchenbücher. Die sind für die Kirchengemeinde und den Geschichtsverein ein wahrer Schatz. Denn seit Pfarrer Johann Reinhard Wenck 1672 mit regelmäßigen Aufzeichnungen aus dem Gemeindeleben begonnen hat, haben dessen Amtsnachfolger das bis heute lückenlos weitergeführt.

„Vor allem die ersten Bücher sind hochinteressant“, sagt Wildfang im Gespräch mit dieser Zeitung. Nach dem Dreißigjährigen Krieg und der Änderung der Patronatsrechte seien das die einzigen Bücher gewesen, in denen die Ländereien der Kirchengemeinde festgehalten wurden. „Als Wenck die ersten Daten eintrug war Johann Sebastian Bach noch nicht einmal geboren“, stellt der Pfarrer mit Blick auf die allgemeine Zeittafel fest.

Die Originalschriften seien Jahrzehntelang wichtige, manchmal sogar die einzigen Zeugnisse über die Geschichte des Dorfes und anderer Orte im hohen Taunus.

Die Kirchenbücher wurden bis 2011 auf dem Dachboden des Pfarrhauses aufbewahrt. Dann entstand auf Anregung von Christel Jäger vom Kirchenvorstand das Archiv im Untergeschoss des Gemeindehauses. Jäger und der frühere Arnoldshainer Pfarrer Martin Hoffmann richteten das Archiv nach der geltenden Schriftgutordnung der EKHN ein.

Doch das allein war der Visitations-Gruppe, die der Gemeinde 2012 die Bestnote eins gab, nicht gut genug. Etwas im Archiv hatten sie zu bemängeln: In einem ganz normalen Stahlschrank waren die historischen Akten nicht sicher genug. „Nicht, weil den im Prinzip jedes Kind aufkriegt, es könnte auch mal brennen oder etwas anderes Schlimmes passieren“, so Wildfang.

Die klare Forderung bis zur nächsten Visitation lautete daher: Der wertvolle Inhalt muss entweder besonders geschützt werden oder künftig im Zentralarchiv der Landeskirche in Darmstadt untergebracht werden.

Auf der Suche nach einem geeigneten Safe waren mehrere Bedingungen zu erfüllen. Das Schließfach muss ein zweistündiges Feuer aushalten und einen Sturz aus neun Metern Höhe. Das entspricht der Kraft, die entstehen würde, wenn das Gemeindehaus einstürzen und die Trümmer auf den Safe fallen würden.

Die Raumtemperatur im Archiv sollte zwischen 13 und 18 Grad Celsius liegen. Das empfindliche Papier aus alten Zeiten sollte aber nie Temperaturen über 25 Grad Celsius ausgesetzt sein. Die Luftfeuchtigkeit darf 40 Prozent nicht übersteigen.

Auf E-bay gab es einen passenden 545 Kilogramm schweren Tresor. Den wollte eine Computerfirma, die darin jahrelang ihre Disketten verstaut hatte, sogar kostenlos abgeben: „Doch dann gab es doch noch einen Mitbieter, der uns diese Errungenschaft noch abspenstig machen wollte“, erzählt Wildfang.

Mit Engelszungen habe er geredet und den Vorbezieher bekniet, der Kirchengemeinde diese gute Gabe als Spende zukommen zu lassen.

Denn der Transport des Unikums nach Arnoldshain sollte genug ins Geld gehen. „Satte 1000 Euro haben wir dafür bezahlt“, so Wildfang. Und zehn starke Männer aus der Gemeinde mussten mithelfen, den Koloss durch die Tür ins Archiv zu bugsieren. „Fast auf Fingerspitzen musste das funktionieren, denn links und rechts war so gut wie kein Platz.“

Platz genug hat der Sicherheitsschrank nicht für alle Bücher. Nur Aufzeichnungen bis kurz vor dem ersten Weltkrieg passten rein. Wildfang weist darauf hin, dass es ganz früher nur ein Buch gab, in das der Pfarrer alles eintrug.

Im eigentlichen Kirchenbuch stehen alle Amtshandlungen wie Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen. Seit wann davon getrennt die Kirchenchronik verfasst wird, wusste Wildfang nicht. Die Kirchenchronik werde immer zum nächsten Pfarrer weitergegeben. Darin halte dieser auch Änderungen von Abläufen in der Gemeinde vor und ob diese gelungen sind. Außerdem werde festgehalten welche Kirchenmitglieder besonders aktiv seien.

Bis vor rund zehn Jahren sind alle Kirchenbücher handschriftlich verfasst worden, aber nicht unbedingt vom Pfarrer.

Seit den 1940er Jahren habe das die jeweilige Sekretärin übernommen, der Pfarrer musste aber alles abzeichnen. Wildfang arbeitet heute mit dem Computer. „Da gibt es Programme, die wir verwenden, ich füge nur noch die Daten und Bemerkungen ein.“

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