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Am Wegesrand viel Gesundes

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Löwenzahn ist für Sabine Bachmann (rechts) das Allheilkraut schlechthin. Die Pflanze ist nicht, wie früher behauptet, giftig, kann nur wie viele Wildkräuter unangenehme Folgen haben, wenn die genossene Menge zu groß ist. © Red

Neu-Anspach. Der Löwenzahn ist eine bemerkenswerte Pflanze. Er ist keineswegs giftig, wie immer behauptet wird, sondern von der Wurzel bis zur Blütenspitze essbar - eine Wohltat für den Körper. Warum der Löwenzahn giftig sein soll, dazu hat Kräuterfrau Sabine Bachmann eine Vermutung: »Um die hässlichen Flecken, die sein Saft hervorruft, zu vermeiden, hat man das einfach behauptet.

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Doch dieses Wildkraut, das derzeit so viele Wiesen in ein sonniges Gelb taucht, ist genau das Gegenteil: sehr gesund. »Der Löwenzahn hat so viele Bitterstoffe, wie man sie nur selten findet«, informierte die Fachfrau. Bitterstoffe würden heute meist weggezüchtet. Außerdem sei er reich an Vitamin A - pro 100 Gramm 1300 Mikrogramm, die Muttermilch habe dagegen nur 69.

Die ganze Wiese essen

Bachmann war am Samstagnachmittag auf Einladung des Obst- und Gartenbauvereins Neu-Anspach mit zwei Gruppen von jeweils etwa zehn Teilnehmern zwischen dem Obernhainer Löschteich und dem Hessenpark unterwegs und suchte Essbares und Gesundes am Wegesrand.

Und da gab es einiges: »Eigentlich könnten Sie die ganze Wiese essen.« Vorsicht aber direkt an Wegrändern und stark frequentierten »Gassi-geh-Strecken«. Ein oder zwei Meter in der Wiese sei indes kaum noch mit den Hinterlassenschaften zu rechnen. Behutsamkeit sei jedoch geboten. Sowohl beim Betreten der Wiese als auch beim Pflücken.

Bachmann riet den Teilnehmern, Wildkräuter nicht bei Regen zu ernten, sondern besser an einem Vormittag bei Sonnenschein - gerne schon einen Tag vor Gebrauch. »Legen Sie ein Körbchen mit einer feuchten Baumwoll-Serviette aus.« Anschließend mit einem ebensolchen Tuch leicht abgedeckt und so abgedunkelt in einem kühlen Raum gelagert, bleibe ihr Zustand unverändert.

Sie vor dem Gebrauch zu waschen oder nicht, müsse jeder nach seinem Gefühl entscheiden, das gelte auch für die Menge an Wildkräutern, die man zu sich nehme. »Hören Sie auf Ihren Körper.« Die beste Methode sei, sich heranzutasten.

Der Löwenzahn ist der Favorit

»Die Natur hält zu jeder Jahreszeit etwas für uns bereit. Im Frühjahr die Blüten, im Herbst eher Wurzeln.« Um den Fuchsbandwurm macht sich die Expertin weniger Sorgen. »Das Risiko hat man bei allen rohen Sachen.« Der Löwenzahn gehört dabei eindeutig zu ihren Favoriten. Er sei wie fast alle Wildkräuter blutreinigend, aber vor allem gut für Galle, Leber und Verdauung. Mit Kandiszucker und klarem Schnaps aufgegossen, wirke er gegen einen Kater. Wer für seine Lieblinge unter den Wildkräutern eine Ecke im Garten einrichte, habe keine langen Wege. Sorge, dass es die falschen sein könnten, seien nicht nötig. »Was ihr braucht, kommt zu euch.«

Sabine Bachmann setzt auch auf Spitzwegerich und Brennnessel - nicht zu vergessen Bärlauch für kräftige Würze. Giersch dagegen ist ein Sonderfall: Die einen möchten ihn partout aus ihrem Garten fernhalten, die anderen schwören auf ihn wegen seiner Vielfalt auf dem Teller und seiner Wirkkraft im Körper. Auch die Brennnessel sowie ihre harmlosen Verwandten, die Taubnesseln mit ihren rosafarbenen oder weißen Blüten, sind geeignet.

Spitzwegerich und Brennnessel

Von ihr die Spitze abgeknipst, können die Brennhaare mühelos abgestreift werden. Zu einem kleinen Päckchen verknetet, sei im Mund von den Nesseln nichts zu spüren. Die Blätter seien blutreinigend, stoffwechselfördernd und entwässernd. Ein Spitzwegerich-Blatt helfe Wunden heilen. Als Tee sei er ebenfalls ein Hausmittel gegen Husten und Heiserkeit.

Eines war klar: Die Teilnehmer werden in Zukunft mit anderen Augen durch die Wiesen und Felder streifen. Sich hier eine Brennnesselspitze abzwicken, dort eine Taubnessel oder eine Wiesenschaumkraut-Blüte in den Mund stecken, am roten Klee naschen oder ein Spitzwegerich-Blatt abzupfen, um eine Wunde zu verschließen. Für weitere Informationen empfahl die Kräuterfachfrau das Buch »Essbare Wildpflanzen einfach bestimmen« von Steffen Guido Fleischmann.

Übrigens: Der Jahresbeitrag für Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins beträgt nur 3,07 Euro (auf den Cent genau umgerechnet bei der Euro-Umstellung). Informationen gibt es auf der Internetseite: www.ogv-neuanspach.de.

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