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Arbeiten im historisierten Bau

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Jetzt und auch noch in der näheren Zukunft ist der Großteil der Verwaltung des Hessenparks im Amtshaus aus Hungen am Marktplatz untergebracht. Doch Pläne für ein neues Verwaltungsgebäude reifen. © Red

Neu-Anspach. Auch ein Museum benötigt moderne Arbeitsplätze für die Mitarbeiter. Selbst wenn es sich - wie beim Hessenpark - um ein Museum mit einer Vielzahl an historischen Räumlichkeiten handelt. Die Pläne für ein neues Verwaltungsgebäude nehmen langsam konkrete Formen an. Bis 2024 soll der Umzug stattfinden können - doch sicher ist das nicht.

Betritt man das Büro von Elke Ungeheuer im Amtshaus aus Hungen, in dem heute der Großteil der Verwaltungsmitarbeiter des Freilichtmuseums untergebracht ist, merkt man sofort, woran es hapert. Die Assistentin der Geschäftsführung, die auch maßgeblich in die Planungen für den Neubau eingebunden ist, hat dort zwar alles, was sie zum Arbeiten benötigt. Doch der Austausch mit Kollegen und Mitarbeitern externer Firmen, die notgedrungen in die Neubaupläne einbezogen werden müssen, gestaltet sich schwierig. Einen Konferenztisch gibt es nicht, auch keine Möglichkeiten, Präsentationen an die Wand zu werfen. Als im Amtshaus noch Mitarbeiter des Dorfes Hungen im Landkreis Gießen beschäftigt waren, war an solche Möglichkeiten noch lange nicht zu denken.

»Wir überlegen schon seit Jahren, wie wir einen Neubau gestalten können, der dennoch zum Ensemble passt«, fasst Ungeheuer die Situation zusammen. Es gab dabei auch die Überlegung, eines der vorhandenen Häuser zu restaurieren und für diesen Zweck umzubauen. Zumal das Amtshaus aus Hungen ebenfalls dringend eine Sanierung nötig hat. Mäusebefall und dazu eine unzureichende Isolierung machen das Arbeiten im Sommer wie im Winter schwierig.

»Als die Verwaltung in den 1980er-Jahren hier eingezogen ist, war alles nett und schön. Aus heutiger Sicht ist das Gebäude aber nicht mehr praktikabel«, sagt Ungeheuer. Zumal die Verwaltung seitdem ziemlich gewachsen ist. So sind Verwaltungsmitarbeiter in Räumen des Bauhofs untergebracht, andere in der Wagenhalle, wieder andere im Eingangsgebäude.

Kein Arbeiten Hand in Hand

Arbeiten Hand in Hand ist so nur unter erschwerten Bedingungen möglich. »Das funktioniert in der heutigen Arbeitswelt anders, als dies in Einzelbüros möglich wäre«, sagt Ungeheuer. Deswegen haben sich Museumsleiter Jens Scheller und der Aufsichtsrat daran gemacht, ein Konzept für einen Neubau auf den Weg zu bringen.

Da das Thema Nachhaltigkeit und Energieffizienz unter anderem durch das Forum Fachwerk eine immer größere Rolle im Museum spielt, war schnell klar, dass man nicht einfach einen Betonklotz an den Rand des Parks stellen kann. Aus einer Vielzahl an Überlegungen herauskristallisiert hat sich nun ein Bau in Strohballen-Bauweise. Dabei werden Strohballen zwischen die Gefache gesetzt und verdichtet.

»Es gab auch die Überlegung, ein derartiges Gebäude historisch anhand einer Vorlage zu rekonstruieren, doch ein Neubau ist die bessere Alternative, um die Raumkonzepte zu erstellen«, erklärt Ungeheuer. Ein weiterer Vorteil: Die Handwerker des Hessenparks können viel in Eigenleistung zum Bau beitragen, und auch die Verwaltungsmitarbeiter können etwa beim Befüllen mit Stroh helfen und so die Zusammengehörigkeit vertiefen.

Entstehen soll das neue Gebäude links vom Eingang. Geplant ist ein zweistöckiges Gebäude, das Platz genug für 35 Mitarbeiter bietet. Begriffe einer modernen Arbeitswelt wie »shared space« und »multi space« sollen dabei eine entscheidende Rolle spielen. Letztlich bedeutet das, dass sich die Mitarbeiter je nach aktuellem Platz- und Gesprächsbedarf mit Kollegen für anstehende Projekte einen Arbeitsplatz aussuchen, der diesen Anforderungen entspricht. Das nötige Raum- und Flächenprogramm werde derzeit in verschiedenen Arbeitsgruppen durchgesprochen.

Aktuell noch viele Unwägbarkeiten

Trotzdem soll auch in anderer Hinsicht modern gearbeitet werden. Ungeheuer: »Wir hatten durch Corona Kurzarbeit und auch Home Office. Wir wollen auch in Zukunft viel mit Home Office arbeiten. Doch viele müssen auch hier vor Ort sein - dem wollen wir Rechnung tragen.«

Das Haus wird frei geplant, um den Gestaltungsmöglichkeiten viel Raum zu geben. Gedacht ist dabei an einen Architektenwettbewerb, um am Ende ein optimal zugeschnittenes Gebäude errichten zu können. Doch Ungeheuer erinnert daran, dass man das Gebäude ja für das Land Hessen als Eigentümer des Freilichtmuseums baue. Man erfahre viel Unterstützung von dieser Seite.

Doch es gibt auch Unwägbarkeiten. So ist die derzeitige Preisentwicklung auf dem Bausektor unvorhersehbar, ebenso verhält es sich mit Handwerkern und dem zu beschaffenden Material. 2024 ist als Jahr der Fertigstellung angepeilt. Doch aus den genannten Gründen könnte das schwierig sein. Vier Millionen Euro wurden als Bausumme einmal angepeilt. »Doch ob das zu halten ist, ist derzeit völlig unklar«, sagt Ungeheuer. Zumal es sich ja nicht um das eigene Geld, sondern eben um das des Landes handele.

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Linker Hand vom Eingangsgebäude zum Hessenpark soll die Verwaltung ihren neuen Sitz finden. © Red

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