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Arbeitsmarkt trotzt Krieg und Pandemie

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Hochtaunuskreis (red). Die Zahl der Arbeitslosen im Hochtaunuskreis ist im April weiter gesunken. Laut einer Pressemitteilung der Bundesagentur für Arbeit in Bad Homburg waren im vergangenen Monat insgesamt 4877 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren 85 Personen (-1,7 Prozent) weniger als im März und 867 Menschen (-15,1 Prozent) weniger im Vergleich zum April des vergangenen Jahres.

Die Arbeitslosenquote sank erneut um 0,1 Prozent auf 4,0 Prozent (Vorjahr: 4,8 Prozent).

»Mit Blick auf den April haben wir einen leichten saisonbedingten Rückgang der Arbeitslosigkeit. Dieser fällt nicht ganz so stark aus, wie sonst üblich. Hier haben die zurückliegenden Pandemie-Jahre ebenso ihre Spuren hinterlassen, wie aktuell der Ukraine-Krieg«, erklärt Matthias Oppel, Vorsitzender der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit. »Dies verdeutlicht, dass der Arbeitsmarkt zwar weiterhin aufnahmefähig und robust ist, aber zu gleich sensibel auf Veränderungen reagiert. Die Unternehmen reagieren deswegen verhalten, was Einstellungen angeht. »

2077 (42,6 Prozent) Menschen sind dem Rechtskreis SGB III (also Hartz IV) und 2800 (57,4 Prozent) dem Rechtskreis SGB II (Arbeitslosengeld I) zugeordnet. In Ersterem waren dies im April 32 Personen oder 1,5 Prozent weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als im Vormonat, im Letzteren waren es 53 Personen oder 1,9 Prozent weniger als im März. Im Vergleich zum Vorjahr ist dies ein Rückgang von 22,4 Prozent (599 Menschen) im SGB III bzw. von 8,7 Prozent (268) im SGB II. Auch bei der Kurzarbeit entspannt sich die Lage: Im April gingen lediglich noch zehn Anzeigen für insgesamt 113 Beschäftigte im Hochtaunuskreis ein.

Erstmals weniger Langzeitarbeitslose

»Der generelle Aufwärtstrend am Arbeitsmarkt sowie die Corona-Erholung sind noch ausreichend genug, um dämpfende Effekte infolge der wirtschaftlichen Folgen des Ukraine-Kriegs zu überlagern und abzumildern. So konnten wir erstmals seit Beginn der Pandemie die Langzeitarbeitslosigkeit gegenüber dem Vorjahresmonat reduzieren«, erklärt Oppel.

Unterdessen hat sich die Zahl der offenen Stellen erhöht: 205 Meldungen gingen im April ein - 23 Stellen oder 12,6 Prozent mehr als im Vormonat sowie zwei Stellen oder 1,0 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr. Insgesamt sind aktuell 575 Stellen als offen gemeldet - ein Plus von neun Stellen (1,6 Prozent) im Vergleich zum März dieses Jahres, aber ein Minus von 170 Stellen (22,8 Prozent) im Vergleich zum April des vergangenen Jahres. Das bestätigt einen Trend: Seit Jahresbeginn wurden 697 offene Stelle gemeldet - 47 weniger (6,3 Prozent) im Vergleich zu 2021.

Oppel erklärt dazu: »Insgesamt haben die Stellenmeldungen noch nicht das Vorkrisenniveau erreicht, obgleich die Unternehmen kontinuierlich offene Stellen melden. Hier merken wir, dass ein an sich wirtschaftlich starker Standort auch an seine Grenzen stoßen kann, wenn globale Veränderungen sich zunehmend auswirken.«

Mehr Stellen für Ausbildungen

Gleichzeitig stieg aber die Zahl der Ausbildungsstellen im Kreis. Sie lag im März bei 900 - 146 (19,4 Prozent mehr) im Vergleich zum Vorjahr. Die Zahl der gemeldeten Bewerberinnen und Bewerber lag im April bei insgesamt 723 - 57 oder 8,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Aber: Die Zahl der unversorgten Bewerberinnen und Bewerber fiel mit 459 Menschen höher aus, als vor einem Jahr (83 oder +22,1 Prozent). Ihnen stehen im April aktuell 617 unbesetzte Berufsausbildungsstellen gegenüber, dies sind 149 Stellen mehr (+31,8 Prozent) als vor einem Jahr. Unter dem Strich bedeutet das: Auf 100 unbesetzte Ausbildungsstellen kommen aktuell 74 unversorgte Bewerberinnen und Bewerber.

»Die Unternehmen haben in diesem Jahr mehr freie Ausbildungsplätze gemeldet und knüpfen damit kontinuierlich an das Vorkrisenjahr an. Sorge bereitet mir, dass viele Schulabgängerinnen und -abgänger sich weiterhin und verstärkt dem Thema weiterführende Schule und Hochschule zuwenden. Es ist ein Irrglaube zu meinen, dass man mit einem akademischen Abschluss womöglich besser für eine eventuelle Arbeitslosigkeit gerüstet sei. Dies trifft nur auf bestimmte Studienberufe zu. Ausbildungsberufe im Handwerk und in technischen Berufen gehören die Zukunft«, sagt Oppel - und appelliert: »Der Wohlstand unseres Landes wird durch sehr gut ausgebildete Fachkräfte gesichert. Junge Menschen sollten dies bei der Berufswahl nicht außer Acht lassen.«

Eine generelle Zukunftsprognose wollte er angesichts der weltpolitischen Lage mit der drohenden Ausweitung der Krise sowie einem drohenden Energie-Lieferstopp aber nicht treffen.

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