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Auch Anspach brauchte ein Schwimmbad

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Neu-Anspach (red). Klaus Mally, Pressereferent des SPD-Ortsvereins, hat sich intensiv mit der Geschichte des Waldschwimmbades befasst. Anlässlich des 90-jährigen Bestehens der Einrichtung beleuchtet er deren Geschichte und den Beginn der Repressalien gegen Gründer Emil Becker. Die vier Artikel erscheinen in loser Folge in dieser Zeitung, heute: Teil 1.

Das direkte Einzugsgebiet von Neu-Anspach und seiner Stadtteile ist nicht gerade reich gesegnet an stehenden Gewässern, Teichen oder kleinen Seen. So wundert es nicht, dass die damalige Bevölkerung von Anspach der »neumodischen« Freizeitbeschäftigung des Schwimmens misstraute und sich damit erst gar nicht beschäftigte. Freizeit hatte dazu für den größten Teil der bäuerlich geprägten Gesellschaft einen hohen Seltenheitswert, es gab immer etwas zu tun. Die einzigen, die hin und wieder freie Zeit hatten, waren die Kinder und Jugendlichen, die, speziell im Sommer, dem Wasser nicht abgeneigt waren und ihren Spaß mit Planschen und ersten Schwimmversuchen hatten.

Tümpel eignen sich nur zum Planschen

Es gab nun einige Wasserflächen in der Anspacher Gemarkung, die Kindern Gelegenheit gaben, ihren Wasserspielen nachzugehen. Um größere Wassermengen anzustauen, sei es für landwirtschaftliche Zwecke oder zur Speicherung von Löschwasser, bedienten sich die Anspacher hauptsächlich des Quellgebietes des Usbachs, das von dem nach Westen in Richtung Weiltal reichenden Tal der Usa mit seinen Hängen von der Hardt (der Wald östlich vom oberen Usbach-Tal, nordöstlich vom heutigem Schwimmbad) und den Ausläufern des Langhals gebildet wird. In diesem Gebiet wurden kleine Flachsteiche angelegt, in denen durch die Einwirkung des Wassers die Bastfasern, die späteren Leinenfasern, von den geernteten Flachsstängeln für die weitere Bearbeitung gelöst wurden. Doch diese »Tümpel« eigneten sich höchstens zum Planschen, für Schwimmversuche waren sie wegen ihres niedrigen Wasserstandes nicht geeignet.

»Ein größerer Teich lag (...) zwischen den beiden heutigen Verbindungswegen von der Weilchaussee (heutige Weilstraße) auf den Weg zur Hardt.« So beschreibt Prof. Eugen Ernst in seinem Buch »Neu-Anspach - Werden und Wirken« die Lage des Johannisweihers. Man kann sich ihn ungefähr in Fortsetzung des Johanneswiesenwegs in Richtung Waldschwimmbad vorstellen, am Ende der heutigen Gärten. Ob das einst vielleicht der größte Flachsteich war, ist nicht bekannt, bekannt ist er nur als Brandweiher. Sein Reservoir diente dazu, eine Zisterne an der evangelischen Kirche wieder zu füllen, falls im Brandfalle das Wasser dort knapp wurde. Die im Jahr 1919 durch eine neue Staumauer vergrößerte Wassermenge im Johannisweiher diente der Anspacher Jugend als Spielgelegenheit. Ernst erzählt in seinem Buch weiter: »Ein paar Wagemutige eigneten sich hier sogar schon damals ihre Schwimmfähigkeit an. Dies ist umso erstaunlicher, als man das öffentliche Schwimmen und Baden noch nicht als sinnvolle und förderliche Tätigkeit anerkannt hatte.«

Im Laufe der 20er Jahre verlor zum einen der Johannisweiher durch die allmählich undicht werdende Staumauer zusehends sein Wasser und verlandete mehr und mehr, sodass das Schwimmen aufgegeben werden musste, zum anderen wuchs in der heranwachsenden Nachkriegsgeneration das Interesse an sportlicher Betätigung, insbesondere am Schwimmen. Aber auch die Not der Menschen auf Grund der immer schlechter werdenden wirtschaftlichen Lage wurde größer.

Mit Emil Becker, sozialdemokratischer Bürgermeister von Anspach seit 1919, kam nun ein Mann ins Spiel, der in seiner Amtszeit schon häufiger bewiesen hatte, dass er das Wohlergehen seiner Mitbürger nicht aus den Augen verloren hatte. So hatte er schon den Bau von Sozialwohnungen veranlasst, den Bau des Stollens und der Wasserleitung. Auch die Kirschenallee und die Bahnhofstraße ließ er zur freien Versorgung der Bevölkerung mit Obstbäumen anlegen.

1932 Weichen gelegt

Die beiden in Anspach tätigen Pädagogen Heinrich Wilhelm Henkel (Grundschulrektor von 1926 bis 1932) und Adolf Link (Lehrtätigkeit von 1907 bis 1953) vertraten im Kreisblatt Nr. 142 vom 10. September 1927 zu einer Schwimm- und Badeanlage die Ansicht, »dass es ein dringendes Erfordernis sei, dass auch die Gemeinde Anspach eine derartige Einrichtung treffe«. Angeregt durch eine entsprechende Eingabe an die Gemeindevertretung im Jahr 1927 und die wachsende wirtschaftliche Not, die nur durch gemeinnützige Arbeit bei geringem Lohn ein wenig gemildert werden konnte, entschieden sich Bürgermeister Emil Becker und die Gemeindevertretung im Frühjahr 1932 »daher kurz entschlossen für den Bau des Schwimmbades«, wie Historiker Ernst es schließlich beschreibt.

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