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Etwas Geduld muss Björn Meurer (links) schon noch haben, erst wollen 120 Stunden Fahrschule erfolgreich absolviert werden. Gleichwohl fühlt er sich am Steuer eines Busses doch schon recht wohl, und sei es auch nur probeweise in der Halle mit Vater Oliver (Mitte) und Chef Michael Gutacker an der Seite.

Busfahrer-Azubi

Björn Meurer macht als erster Azubi im Kreis eine Ausbildung als Busfahrer

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Welcher Bub träumt nicht davon, Pilot zu werden oder Lokomotivführer oder Busfahrer? Björn Meurer träumt nicht davon, er macht’s einfach. Der junge Mann aus Rod an der Weil ist der erste Busfahrer-Azubi im Hochtaunuskreis.

Busfahren will gelernt sein, ist sogar ein Ausbildungsberuf und nennt sich „Berufskraftfahrer mit Schwerpunkt Personenbeförderung“. Björn Meurer aus Rod an der Weil ist der erste Busfahrer-Azubi im Hochtaunuskreis.

Zunächst hatte er eine Lehre als Maler- und Lackierer begonnen, musste die Ausbildung aber aus gesundheitlichen Gründen quittieren. Ihm wurde dann aber bewusst, dass er so etwas wie der Apfel ist, der nicht weit vom Stamm fällt: „Mein Papa fährt Bus, mein Opa war Busfahrer und mein Großvater auch“, begründet er die Wahl des Ausbildungsplatzes, den er im Betrieb von Michael Gutacker in Oberreifenberg bekommen hat.

Platz für Nachwuchs

In dem 1932 von Adam Gutacker gegründeten und heute von Michael Gutacker in dritter Generation geführten Unternehmen ist Platz für Nachwuchs. Unter dem Gutacker-Logo sind heute 13 Busse im Linien- und Reisedienst unterwegs. „Es wird immer schwerer, geeignete Fahrer zu finden“, sagt Michael Gutacker. Er ist froh, mit dem 21-jährigen Weilroder seinen ersten Azubi gefunden zu haben und will nun jedes Jahr einen Auszubildenden einstellen. „Die sind dann hinterher so, wie wir sie brauchen.“

Björn Meurers dreijährige Ausbildung ist dual: Zwei Wochen im Meisterbetrieb seines Chefs, zwei Wochen in der Berufsschule in Wetzlar – übrigens die einzige in Hessen, die Berufskraftfahrer ausbildet.

Eine „heilige Kuh“

Björn Meurer kennt sich schon ein wenig aus. Als Jugendlicher hat er Vater Oliver oft begleitet. Dennoch hat er natürlich ordentlich Respekt vor einem so großen, bei entsprechender Motorisierung und Ausstattung weit über 300 000 Euro teuren Auto, und er ist sich auch der besonderen Verantwortung bewusst, nicht nur fürs rollende Material, sondern in erster Linie auch für die Fahrgäste. Noch dauert es aber eine Weile, bis er die „heilige Kuh“, wie Gutacker sein 4-Sterne-Topmodell, den Dreiachser 516 HD Setra, nennt, pilotieren darf.

Busfahren ist aber nicht nur Busfahren. Es gehört viel Technikwissen dazu, und am Ende wird Björn Meurer ein halber Kfz-Mechatroniker sein, der auch mal leichte Liegenbleiber wieder mobil machen kann. Zur Ausbildung gehören aber auch Betriebswirtschaft, Fuhrpark-Management, Disposition und Fahrgastrecht. Doch damit ist der Busfahrer immer noch nicht fertig. Er braucht auch noch die passende Fahrlizenz. Björn Meurer muss sich auf 120 Stunden Fahrschule in Vollzeit einstellen. Für ihn ist das umsonst, die dafür nötigen 10 000 Euro trägt der Ausbildungsbetrieb.

Wenn Meurer dann seinen Bus-Führerschein hat, muss er ran. Etwas Rangieren hat er zwar schon auf dem Betriebshof in Oberreifenberg geübt, aber vor der ersten Ausfahrt mit dem Chef nebendran hat er schon Respekt. Die erste Alleinfahrt ist dann noch eine andere Nummer.

Bei Vater Oliver gibt es natürlich außerschulische Tipps. „Wichtig ist, dass sich die Passagiere wohlfühlen, da darf nichts ruckeln. Mir haben sie damals eine Tasse Kaffee ins Heck gestellt und mich damit losgeschickt. Wenn ich nichts verschüttet habe, war’s gut . . .“, sagt der Mann, der von Berufs wegen Feuerwehrmann ist, lachend.

Mit einer Horde Schüler im Rücken – Björn Meurer wird wohl erst im Schülerverkehr eingesetzt – kommt es auf Kommunikation im Bus noch nicht so sehr an. Geht es dann aber mit Touristen auf Tour, muss man als Busfahrer nicht nur den Weg kennen, sondern darf sich auch nicht durch gute Ratschläge von den hinteren Rängen vom Kurs abbringen lassen.

Und noch etwas geben Vater und Ausbilder dem Azubi mit auf den Weg: Busfahrer müssen nicht unbedingt jede Witz-CD auswendig kennen, aber sie sollten ihren Passagieren den Musikgeschmack von den Ohren ablesen können. Das kann dann AC/DC sein, aber auch Helene Fischer. Da muss Björn dann eben auch durch.

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