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Auf dem Weg in die Shitstorm-Republik

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Der Vorstand der Landakademie Weilrod: Axel Kresse (stehend von links), Wilfried Endlein, Christine Gerber, Jochen Maurer; sitzend Christel Schild von Spannenberg und Dr. Horst Seibert. © Neugebauer

Spannender Vortrag von Prof. Dr. Seibert in der Hauptversammlung der Landakademie

Weilrod -Zwei Veränderungen gab es im Vorstand der Landakademie Weilrod am Freitagabend. Bei der Jahreshauptversammlung im Dorfgemeinschaftshaus von Riedelbach wurde die bisherige Beisitzerin Christine Gerber zur Schriftführerin gewählt. Auf ihren nun vakanten Beisitzerposten bewarb sich Axel Kresse, was einhellige Zustimmung fand. Die Wahlleitung hatte an diesem Abend Ex-Bürgermeister und ehemaliger Vorsitzender Axel Bangert übernommen.

Die zweite Vorsitzende Christel Schild v. Spannenberg begrüßte in Vertretung des ersten Vorsitzenden Markus Koob die etwa zehn außer dem Vorstand erschienenen Mitglieder. Und dann war erst einmal Professor Dr. Horst Seibert an der Reihe, der einen seiner legendären gesellschaftskritischen Vorträge hielt. Das Thema diesmal: Wissenschaftsfeindlichkeit. "Viele wissen, wollen aber nicht, dass andere wissen", dies seien die Schlimmsten so Seibert. Ausgehend vom Wahlspruch der Aufklärung, den Immanuel Kant 1784 formulierte: "Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!", fuhr der studierte Philosoph und Theologe fort.

Er listete unterschiedliche Erscheinungsweisen der Wissenschaftsfeindlichkeit auf wie die Leugner oder die Gleichsetzer. Es gebe eine Spaßinitiative in Berlin, die das Ganze von der heiteren Seite nehme und den goldenen Aluhut verleihe. Damit "Ausgezeichnete" seien beispielsweise das Compact-Magazin, der Fernsehsender AstroTV oder auch die Waldorfschulbewegung.

Doch die Wirkung des Sich-lustig-machens sei begrenzt. "Wir werden offenbar mehr und mehr eine Shit-storm-Republik", befürchtet Seibert. Hass und seine Auswirkungen gingen vom Massenmedium auf die Straße zur Massenbildung und von dort als Polemik zurück in die Massenmedien. Anhand einiger Beispiele beschrieb der Professor die Auswüchse bis zu Hassbotschaften, Beschimpfungen und sogar Morddrohungen an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die um einen sachlichen und faktenbasierten Dialog bemüht waren.

Dabei ist im Grundgesetz nicht nur die Meinungsfreiheit, sondern auch die Wissenschaftsfreiheit garantiert. "Ob angegriffene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler mit Schweigen oder Gegenrede reagieren, ist egal: sie werden für beides attackiert", fuhr Seibert fort. Wissenschaftskritik gehöre zur Wissenschaft, aber es gebe auch "Wissenschaftsmüll" von Wissenschaftlern, die aus Geltungssucht handelten. Aber natürlich gebe es auch solche mit "Grips und Anstand, unkäuflicher forscherischer Neugier, mit Liebe zur Wahrheit und Liebe zum Menschen", schloss der Vortragende.

Studiengänge und Bildungsreisen

Spannenberg blickte auf das vergangene Vereinsjahr zurück mit einem Vortrag Wilfried Endleins über Berlin und Potsdam, mit den online-Prüfungen der Fernstudenten, den Literatur-Matineen von Dr. Matthias Eigelsheimer, dem musikalische Satireabend mit Reinhard Dehn und Tanja Guckes.

Seibert wies darauf hin, dass es jetzt auch einen vierten Fernstudiengang "Kommunikation in Grenz- und Krisensituationen" gebe. Hier gebe es bereits drei Fernstudenten, beim Studiengang Thanathologie und Gerontologie zurzeit drei, bei Sozialtherapie elf, bei Religionspsychologischer Beratung fünf.

Außerdem wies Spannenberg auf kommende Veranstaltungen hin wie den Ausflug nach Mainz und Ingelheim am 24. September und dem Vortrag Endleins mit dem Thema "Bäderreise" zu Bädern wie Bad Nauheim, Wiesbaden oder Bad Kissingen am 6. Oktober. Die Prüfung der Fernstudenten sei auf den 13. November terminiert. Auch Reinhard Dehn und Tanka Guckes sowie Dr. Eigelsheimer stehen mit Vorträgen auf dem Programm.

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