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Kreisbrandinspektor Carsten Lauer präsentiert den Aufkleber, der der Feuerwehr im Einsatzfall wertvolle Tipps geben kann.

Ein Aufkleber, der Leben rettet

Kreis-Feuerwehr wirbt für den "Kinderfinder", der den Brandbekämpfern im Einsatz wichtige Tipps gibt

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Manchmal sind es ganz kleine Dinge, die eine große Hilfe sein können. Der „Kinderfinder“ ist so ein Ding: Das Schild markiert nicht nur den Eingang zum Kinderzimmer – er kann der Feuerwehr im Einsatzfall auch lebensrettende Hinweise geben. Ihn gibt es im Kreis bald kostenlos an vielen Stellen.

Es it ein kleines, gelbes Dreieck, das dazu geeignet ist, die Kinder stolz zu machen. Mit Namen versehen und an der Zimmertür angebracht, hat der oder die Kleine endlich ein eigenes Türschild, ganz so wie die „Großen“ an der Haustür. Das Schild zeigt: Hier wohne ich, hier habe ich das Sagen – hier bin ich sicher. Doch der kindliche Stolz ist nicht der Hauptzweck des „Kinderfinders“ den die Feuerwehren des Hochtaunuskreises in Zukunft offensiv bewerben wollen. Der ist wesentlich ernster.

Denn Kleinkinder reagieren oft anders als Erwachsene. Das ist häufig amüsant, ab und an stressig – es kann aber auch richtig gefährlich werden. Nämlich dann, wenn Kinder bei Gefahr ihren Instinkten folgen. Wo der Erwachsene wissen sollten, dass es am besten ist, bei Gefahr laut um Hilfe zu rufen und dabei tunlichst (und schnell) das Weite zu suchen, verstecken sich Kinder an einem – nur scheinbar – sicheren Ort, etwa unter dem Bett, hinter dem Vorhang oder im Schrank und verharren dort ganz still.

Was unseren Vorfahren früher geholfen hat, wilden Raubtieren zu entgehen, ist bei einem Feuer fatal. Der Rauch findet auch das beste Versteck, der sichere Ort wird zur tödlichen Falle.

Doch wie im Märchen gibt es zu jedem bösen feuerspeienden Drachen auch den Ritter, der sich ihm tapfer entgegenstellt – in der Moderne sind das die Feuerwehrleute, die nicht nur versuchen, den Brand zu löschen, sondern auch Menschen aus der gefährlichen Situation zu retten. Sie dringen dabei selbst in verrauchte Zimmer vor, in denen die Hand nicht vor Augen zu sehen ist.

Das ist auch für die Retter gefährlich und die Zeit ist limitiert – die Pressluft in den Flaschen reicht nicht ewig. Deswegen gibt es klare Routinen, wie ein Raum abgesucht wird: „Zwei Männer nehmen eine Feuerwehraxt zwischen sich und tasten sich im oder gegen den Uhrzeigersinn durch den Raum“, erklärt Kreisbrandinspektor Carsten Lauer in Kurzform einen komplexen Vorgang, der immer und immer wieder geübt wird. Die Wärmebildkamera hilft, Personen zu finden.

„Wenn wir den Verdacht haben, dass Kinder in der Wohnung sind, müssen wir das komplett anders machen.“ Schränke und Bettkästen werden nicht als Hindernis links liegen gelassen, sondern werden durchsucht.

5000 Aufkleber auf Lager

Und da kommen Eltern, Feuerwehr und der „Kinderfinder“ zusammen. 5000 dieser Aufkleber hat der Hochtaunuskreis geordert und hofft, dass sie sich bald möglichst schnell an den Zimmertüren findet. Lauer stellte ihn jetzt zusammen mit Landrat Ulrich Krebs (CDU) als zuständigem Brandschutzdezernent vor. Der Aufkleber wurde gemeinsam vom Hessischen Innenministerium und dem Fachausschuss Brandschutzerziehung des Landesfeuerwehrverbandes unter Beteiligung des Vizepräsidenten Norbert Fischer entworfen. Sie sollen nicht über die jeweilige Feuerwehr im Ort zu beziehen sein. „Wir wollen sie aber auch an die Rathäuser und die Kindergärten geben – im Idealfall bekommt zudem jeder Neubürger mit kleinen Kindern die Aufkleber bei der Anmeldung.

Lauer weist auf zwei Vorteile hin. „Durch die reflektierende Signalfarbe ist er im Einsatz gut zu erkennen.“ Auch der Name des Kindes hilft. „Dann können wir das Kind gezielt rufen. Lauer: „Kinder wissen, dass sie mit Fremden nicht reden sollen.“ Und dass laut polternde fremde Menschen in der Wohnung selten Gutes wollen, versteht sich von selbst. „Wenn wir die Kinder mit Namen rufen können, ist die Chance höher, dass sie antworten.“

Lauer hat noch einen Appell an die Eltern: „Sagen Sie Ihren Kindern immer wiedeer, dass sie bei Gefahr um Hilfe rufen sollen, auch wenn sie sich unsicher sind, wie groß die Gefahr ist!“ Natürlich dürfe die 112 nicht böswillig missbräuchlich gewählt werden. „Aber wenn Kinder eine Situation nicht einschätzen können, ist es in jedem Fall besser, zum Telefon zu greifen.“ Die Hemmschwelle dürfe nicht zu hoch sein. Vor allem, wenn das Kind die gefährliche Situation – beim Zündeln oder durch Kochversuche am Herd – selbst verursacht hat. „Sagt den Kindern bitte: Es gibt von uns keinen Ärger, versprochen!“

Info: Zwei Löwen erklären den Kindern das richtige Verhalten

Die beiden Comic-Löwen Leonie und Lenni, die auch auf dem „Kinderfinder zu sehen sind, und ihre „löwenstarken Tipps“ sind die Maskottchen der Brandschutzerziehung in Hessen und kommen bei vielen Gelegenheiten zum Einsatz. Schon seit einigen Jahren investiere das Innenministerium viel, um das Thema kindgerecht und möglichst eingängig aufzubereiten, lobt Kreisbrandinspektor Carsten Lauer. Interessierte finden beispielsweise auf der Homepage des Hessischen Innenministeriums in der Infothek unter https://innen.hessen.de unter „Sicherheit“, „Feuerwehr“ “ viele kostenlose Materialien zur Brandschutzerziehung, inklusive Comics und Malbuch. Auch beim Landesfeuerwehrverband unter www.feuerwehr-hessen gibt es einige Infos. Wer mehr über das Thema und Termine wissen will, kann sich jederzeit an die jeweilige Feuerwehr im Ort wenden oder bekommt per E-Mail an feuerwehr@hochtaunuskreis.de entsprechende Infos beziehungsweise Kontaktdaten der zuständigen Fwuerwehr

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