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Aus kleiner Aktion wird eine große Tour

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Bernd Reckelkamm (rechts) vom Edeka-Markt füllt Klemens Weils Auto mit vielen Waren, die vor allem für Kinder in der Ukraine benötigt werden. © Red

Usingen (bur). Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. So war’s auch beim Usinger Klemens Weil, der Anfang März einen Besuch bei der Familie seiner Frau im Osten der Slowakei machte. Mit Blick auf die Landkarte wird schnell klar: Die Grenze zum Kriegsgebiet Ukraine ist nicht weit.

Weil, Bereichsleiter der Nassauischen Sparkasse (Naspa) in Usingen, kam auf die Idee, er könne ja, da seine Frau bereits vorgefahren war, im leeren Auto einige Hilfsgüter mitnehmen. Da hatte er dann aber die Rechnung ohne den Wirt, in dem Fall ohne die Usinger Bürger, gemacht, die von seiner Tour Wind bekommen hatten. Und am Ende musste der Bankmann seinen sowieso nicht kleinen Kombi gegen den großen Caddy seiner Nichte eintauschen.

Denn: Der Edeka-Markt mit Inhaber Bernd Reckelkamm füllte Kiste um Kiste mit Babynahrung, Windeln und sonstigen im Kriegsgebiet dringend benötigten Waren. Apotheker Martin Brehm sorgte für eine ganze Ladung Medikamente, die man derzeit in der Ukraine ebenfalls sehr gut gebrauchen kann. Und weil Mitarbeiter aus der Bank das Ganze ebenfalls mitbekamen, schütteten diese mit haltbaren Lebensmitteln den Rest des Platzes im Auto zu.

Auto bis zum Rand gefüllt

Wo noch eine Lücke war, gab’s Spenden von Bürgern, die Weil unterstützen wollten. »Ohne den großen Lieferwagen hätte ich das nicht geschafft«, freut er sich auch noch nach seiner Rückkehr.

Im Grenzgebiet angekommen, übernahm der dortige Pfarrer Vladislav Saniga den weiteren Ablauf - sprich, die Spenden wurden umgeladen und mithilfe ehrenamtlicher Kräfte über die Grenze gebracht und verteilt.

Wiederholung an Ostern?

Weil selbst war und ist eigentlich noch immer sprachlos über die Welle an Hilfsbereitschaft, die seine als kleine Aktion geplante Tour hervorgerufen hat. Und überlegt nun, ob er zu Ostern, wenn die Familie wieder besucht werden soll, eine Wiederholung startet.

Inzwischen gibt es auch seitens der Bank selbst Unterstützung, denn die Naspa bezahlt künftig die benötigten Transporter für die Helfer. Rund 1100 Kilometer sind schließlich schon eine ordentliche Tour, da rentiert sich dann auch ein großer Wagen - und der ist nötig: »Das Ganze hat sich so schnell verselbstständigt, dass ich am Ende Waren ablehnen musste, weil nichts mehr ins Auto ging.«

Was Weil aber am meisten beeindruckt hat, waren die von Militärkonvois bevölkerten Autobahnen, die gen Osten unterwegs sind - die Nato-Grenze wird abgeschottet. »Diese Menge an Militär habe ich das letzte Mal als Jugendlicher gesehen, als die Amerikaner und Franzosen hier noch ihre großen Manöver gehalten haben«, erzählt Weil.

Das sei ein beklemmendes Gefühl gewesen, gemeinsam mit diesem Großaufgebot an Material und Menschen in Richtung Ukraine zu rollen. Am liebsten wäre es ihm, wenn er an Ostern einfach nur seine Verwandtschaft besuchen könnte, weil der russische Angriffskrieg dann beendet ist. Die Hoffnung stirbt zuletzt.

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