Eine Lehrstelle zu finden - hier ein Archivfoto von Auszubildenden zum Kfz-Mechatroniker aus dem Jahr 2016 in Köln im Ausbildungszentrum Butzweilerhof - , ist in Zeiten von Corona auch im Taunus schwieriger geworden. Seit Beginn des Ausbildungsjahres 2020/2021 im Oktober vergangenen Jahres haben die Unternehmen deutlich weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr.
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Eine Lehrstelle zu finden - hier ein Archivfoto von Auszubildenden zum Kfz-Mechatroniker aus dem Jahr 2016 in Köln im Ausbildungszentrum Butzweilerhof - , ist in Zeiten von Corona auch im Taunus schwieriger geworden. Seit Beginn des Ausbildungsjahres 2020/2021 im Oktober vergangenen Jahres haben die Unternehmen deutlich weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr.

Starker Rückgang

Ausbildungsmarkt schrumpft im Taunus um 25 Prozent

  • vonMatthias Pieren
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Unternehmen haben deutlich weniger Ausbildungsstellen gemeldet. Agentur für Arbeit appelliert an Eltern, ihre Kinder bei der Suche zu unterstützen.

Hochtaunus -Allmonatlich werden über die Nachrichtenkanäle die aktuellen Zahlen der Agentur für Arbeit vermeldet. An die Prozentwerte und Gesamtzahlen hat man sich ebenso gewöhnt wie an den Gong, mit dem die Tagesschau um 20 Uhr den späteren Abend einläutet.

Angesichts der seit nunmehr einem Jahr täglich bekanntgegebenen Inzidenzwerte wird den Zahlen der Arbeitsmarkt-Experten nicht mehr so viel Aufmerksamkeit geschenkt. Tatsächlich sind die Bremsspuren der Pandemie auf dem Arbeitsmarkt dank Kurzarbeitergeld und anderer arbeitspolitischen Maßnahmen bislang noch nicht so deutlich zu sehen.

Ganz anders sieht es auf dem Ausbildungsmarkt aus. "Konnten wir im vergangenen Jahr das Ausbildungsjahr noch mit zufriedenstellenden Zahlen abschließen, so erfüllen mich die Ergebnisse dieses Jahres mit Sorge", sagt Matthias Oppel, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bad Homburg. "Seit Beginn des Ausbildungsjahres 2020/2021 im Oktober vergangenen Jahres haben uns die Unternehmen deutlich weniger Ausbildungsstellen gemeldet als im Vorjahr."

Unternehmen sind zurückhaltender

Konkret: Bis Ende März wurden im Hochtaunuskreis 721 Berufsausbildungsstellen von Unternehmen gemeldet und damit 237 Plätze weniger, als im März 2020. Das sind 24,7 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres. Zwei Jahre zuvor, also noch vor der Pandemie, wurden im Vergleichszeitraum (bis März 2019) gar 1009 Ausbildungsstellen gemeldet.

Was die Arbeitsagentur mindestens genauso nachdenklich stimmt: Die Zahl der bei der Agentur gemeldeten jungen Menschen, die sich auf diesem Wege über freie Ausbildungsplätze informieren, lag im März bei insgesamt 606 Jugendlichen, was einem Minus von 41,1 Prozent im Vergleich zu den 1029 jungen Menschen im Vorjahr entspricht.

Im Zuge der Pandemie kommen auf die Berufs- und Ausbildungsberater der Agentur enorme Herausforderungen zu. Pandemie-bedingt sei es aktuell schwieriger, neue Unternehmen für eine Ausbildung zu gewinnen, aber auch "Stammkunden" unter den ausbildenden Betrieben zu ermuntern, auch künftig und im gleichen Umfang auszubilden wie bisher.

"Bedingt durch die Pandemie sind die Unternehmen zurückhaltender und unsicherer geworden", hat Ulrich Möst, der Teamleiter der Berufsberatung bei der Agentur für Arbeit beobachtet. "Viele Unternehmen wollen sich noch nicht festlegen und wollen die Entwicklung erst einmal abwarten."

Im Gespräch mit dem Ausbildungsberater wird schnell deutlich, dass sein Job dem anderer Verkäufer ziemlich ähnlich ist - Möst spricht nämlich auch von der ,Akquise' von Ausbildungsplätzen, bei der sich sein Team stark vernetzen müsse. "Der Hochtaunuskreis ist eine Region, in der sich über bestehende Kontakte auch neue Kontakte entwickeln können", so Möst.

Vernetzung ist wichtig

Im Gespräch fällt immer wieder auch der Begriff der Vernetzung - mit bestehenden wie auch potenziellen Betrieben, mit Gewerbevereinen, mit Lehrerinnen und Lehrern an Schulen sowie mit Jugendlichen, die Ausbildungsplätze suchen. "Erfolgreich in unserer Arbeit sind wir dann, wenn wir ausbildende Betriebe mit Schülerinnen und Schülern zusammenbringen", sagt Laura Püschner, ebenfalls Teamleiterin der Berufsberatung. "Vor der Pandemie haben wir in Schulen für unser Beratungsangebot und die Vermittlung von Ausbildungsstellen geworben. Diese Kontaktaufnahme ist derzeit nicht gegeben."

Deshalb wolle man Jugendliche, aber gerade auch deren Eltern derzeit ermutigen, telefonisch Kontakt aufzunehmen. Gewiss, ein Telefongespräch erfordere mehr Mut als eine Online-Recherche. Doch gerade im persönlichen Telefonat eröffneten sich neue Perspektiven - konkretere, als wenn lediglich auf digitalem Wege Informationen ausgetauscht werden. Püschner, Möst oder andere Berufsberater sind montags bis donnerstags zwischen 7.30 bis 16 Uhr und freitags bis 15 Uhr unter der Telefonnummer (0 61 72) 486 96 00 zu erreichen. Unter der E-Mail badhomburg.berufsberatung@arbeitsagentur.de sind Terminabstimmungen für ein Telefonat möglich.

von Matthias Pieren

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