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Außergewöhnliche Kunst

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Die beiden Sopranisten Annette Fischer und Robert Crowe bilden das Herzstück des Ensembles »Lux et Umbrae«, das am kommenden Samstag nach Wehrheim kommt. © Ingrid Schmah-Albert

Wehrheim. Sie freue sich auf das »Heimspiel«, sagt Sopranistin Annette Fischer vor dem Kirchenkonzert am Sonntag, 1. Mai (19 Uhr) in der evangelischen Kirche. »Heimspiel« deshalb, weil die inzwischen in Wien lebende Musikerin aus Wehrheim stammt. Sie bildet zusammen mit dem Sopranisten Dr. Robert Crowe, der Cellistin Daniela Wartenberg und dem Cembalist und Organist Michael Eberth das Ensemble »Lux et Umbrae« (zu Deutsch:

Licht und Schatten), das mit Konzerttitel »Im Schatten Händels« in Wehrheim gastiert.

Die Freude sei aber auch deshalb groß, weil das Ensemble im vergangenen Jahr coronabedingt nicht auftreten konnte und das Konzert nun nachgeholt wird. Dass die beiden Organisatoren der Kirchenkonzertreihe, Regine Strasburger und Jan Schümmer, schon seit etlichen Jahren regelmäßig hochkarätige Musiker nach Wehrheim holen und somit immer einen besonderen Musik-Hochgenuss bieten, ist längst kein Geheimnis mehr. Diesmal ist mit dem Sopran-Duo aber ein sehr selten zu hörendes Musikereignis garantiert - und das liegt nicht nur an der Programmauswahl mit eher unbekannten und daher selten dargebotenen Werken von Komponisten, die aufgrund des alles überstrahlenden »Superstars seiner Zeit«, Georg Friedrich Händel, unbeachtet blieben.

Eine seltene Tonlage für Männer

Die große Besonderheit liegt an Crowe. Er singt in einer für Männer überaus selten hohen Tonlage. Sein Repertoire ist in etwa das gleiche wie das von Sopran-Kastraten aus der Barockzeit, heutzutage eine absolute Seltenheit. Crowe war der erste männliche Sopran, der den Metropolitan Opera Wettbewerb als nationaler Preisträger für sich entscheiden konnte. Sein professionelles Operndebüt gab er an der Des Moines Metro Opera in Indianola/Iowa in den USA als Cherubino in »Die Hochzeit des Figaro«. Er ist als Konzert- und Oratoriensolist auf vielen Opernbühnen, renommierten Konzertsälen und Festivals in den Vereinigten Staaten und in Europa aufgetreten.

Crowe studierte am Millsaps College in Jackson/Mississippi, an der Boston University School for the Arts und vollendete seine Gesangsausbildung an der Manhattan School of Music. 2017 schloss er seine Promotion in historischer Musikwissenschaft an der Boston University Graduate School of Arts and Sciences ab. Auch in Deutschland ist er ein gefeierter Sopranist und unter anderem Artistic Director beim Festival für Alte Musik in Aalen.

Unvergessen, wie er beispielsweise sowohl die zweite Frau als auch die Knabenpartien in der Zauberflöte gesungen hat. »Das war 2011 im Palmengarten«, erinnert sich Fischer, die damals die erste Frauenrolle sang. Seither kennen und schätzen sich die beiden und singen seit sieben Jahren oft gemeinsam, immer wieder auch zusammen mit anderen Musikern und Musikerinnen in wechselnden Besetzungen - wie nun in Wehrheim.

Und warum nimmt sich das Ensemble ausgerechnet die unbekannten Komponisten im »Schatten Händels« vor? - »Händel braucht unsere Hilfe nicht«, sagt Crowe im Gespräch mit dieser Zeitung. Neben ihm hätten es alle anderen Zeitgenossen schwer gehabt. Dabei habe es so viele begabte und »wirklich sehr gute« Komponisten im London des beginnenden 18. Jahrhunderts gegeben, doch leider seien sie nach wie vor unterschätzt. »Dass sie aber ganz großartige Musik geschaffen haben, wird man am Sonntag hören«, verspricht Crowe.

Besondere Besetzung

Es werde ein besonderes Konzert, an dem natürlich auch seine besondere Begabung einen großen Anteil hat. Aber auch wenn er allein schon für das besondere Musikerlebnis stünde: »Ohne Annette Fischer als weitere Sopranistin und natürlich auch ohne die Begleitung des Barockcellos, das ganz hervorragend von Daniela Wartenberg gespielt wird, schließlich ist sie in namhaften Orchestern Deutschlands und Europas regelmäßig als gefragte Continuo-Cellistin und Kammermusikpartnerin zu Gast, und ohne die Begleitung des Cembalos, das von niemand Geringerem als dem Professor für historische Tastaturinstrumente in München, Michael Eberth, gespielt wird, wäre es nichts«, sagt Crowe. Außerdem ist auch die Wehrheimerin Fischer eine gefeierte Konzertsopranistin und auf allen namhaften Bühnen in ganz Europa zu Hause. Zusätzlich lehrt sie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien.

Das Wehrheimer Publikum kann sich also auf ein sehr besonderes Konzert mit sehr besonderen Künstlerinnen und Künstlern freuen.

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