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Autofahrer mit Eisenstange bedroht: 38-jähriger Grävenwiesbacher vor Gericht

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Asylklagen im Verwaltungsgericht Sigmaringen (Symbolbild)
Gericht (Symbolbild) © Felix Kästle / dpa

Eine missachtete Vorfahrt auf einem Supermarkt-Parkplatz endete für einen 38-Jährigen aus Grävenwiesbach vor Gericht. Dort können aber nicht alle Fragen geklärt werden.

Wehrheim. Der Angeklagte wirkte friedlich und freundlich, von der Neigung des 38-jährigen Grävenwiesbachers zu Wutausbrüchen war bei der Verhandlung im Bad Homburger Amtsgericht nichts zu merken. Doch er kann auch anders, wie er selbst zugab. Das hatte im vergangenen Jahr auch ein junger Autofahrer in Wehrheim zu spüren bekommen.

Missachtete Vorfahrt führt zu Verfolgsfahrt

Der Angeklagte war im Frühjahr 2021 zusammen mit einem Kumpel zunächst im Edeka-Markt in Usingen gewesen. Dann gingen die beiden zum Auto, der Kumpel fuhr, der Angeklagte saß auf dem Beifahrersitz. Noch auf dem Parkplatz soll ihnen ein Auszubildender aus Friedrichsdorf die Vorfahrt genommen haben. »Ich musste stark bremsen«, erzählte der Kumpel im Gericht. Er kannte den Autofahrer, die beiden verstehen sich nicht sonderlich gut.

Warum aber laut den Aussagen ausgerechnet der nun Angeklagte, der weder fuhr noch den Friedrichsdorfer kannte, wütend wurde, blieb in der Verhandlung ein Geheimnis. Er soll gedrängt haben, den anderen zu verfolgen und ihn bei einem Stopp wegen seiner Fahrweise zur Rede stellen. »Ich wollte das eigentlich gar nicht«, sagte der Kumpel, dem die ganze Angelegenheit peinlich zu sein schien. Warum das alles so eskaliert sei, wisse er nicht.

Und doch fuhr er dem Friedrichsdorfer bis nach Wehrheim hinterher. Am Ortseingang soll er diesen überholt und versucht haben, ihn auszubremsen. Ob das so stimmt, ist allerdings unklar.

Geschädigter bittet Bekannte um Hilfe und ruft schließlich die Polizei

Fest steht, dass der heute 22-jährige Friedrichsdorfer eine Bekannte, die in Wehrheim lebt, telefonisch um Hilfe bat. Bei der Kreuzung am Rewe musste er wegen des Verkehrs anhalten. Der nun Angeklagte lief mit einer fast 50 Zentimeter langen Eisenstange in der Hand zu ihm, rüttelte vergeblich an der verschlossenen Fahrertür und versuchte, den Mann zum Aussteigen zu bewegen - was dieser aber wohlweislich nicht tat. Dann schlug er mit der Faust aufs Fenster und auf den Türrahmen und lief wieder zurück zum Auto seines Kumpels.

Der Friedrichsdorfer fuhr weiter zum Wehrheimer Bahnhof, wie er es mit seiner Bekannten verabredet hatte und rief außerdem die Polizei. Das Auto mit dem Angeklagten verfolgte ihn, am Bahnhof ging das Theater weiter. Wieder wollte der Grävenwiesbacher den Friedrichsdorfer zur Rede stellen. »Er war hektisch, aggressiv, kam dann aber runter«, berichtete die Bekannte des Friedrichsdorfers, die zum Bahnhof geeilt war. Verletzt wurde bei der ganzen Sache letztlich keiner, auch das Auto blieb unbeschadet.

Verwirrung um Auto-Folierung

Letzteres hatte in der Anklage noch ganz anders geklungen, da war von einem Schaden von über 4000 Euro die Rede gewesen. Denn das Auto war foliert, der Grävenwiesbacher soll mit seinen Schlägen mehrere Kratzer verursacht haben, sodass angeblich eine komplett neue Folierung nötig war. Kosten: 4300 Euro. So hatte es zumindest der junge Friedrichsdorfer in seiner Strafanzeige behauptet und einen entsprechenden Kostenvoranschlag einer Werkstatt vorgelegt. »So teuer ist das doch gar nicht«, meinte der Kumpel des Angeklagten in seiner Zeugenaussage, und auch der Oberstaatsanwalt hatte so seine Zweifel.

Und das zu Recht, wie sich kurz darauf bei der Vernehmung des Friedrichsdorfers herausstellte. »Da habe ich einen Fehler gemacht«, ruderte der zurück. Ende vergangenen Jahres habe er sich den Kratzer auf der Folie noch mal angeschaut und sei zu dem Schluss gekommen, dass der gar nicht von dem nun Angeklagten stammen könne. Warum er seinen Irrtum nicht der Polizei mitgeteilt hatte, konnte er nicht erklären. »Das wäre sinnvoll gewesen, so wurde die Justiz umsonst beschäftigt«, rügte der Staatsanwalt. Der Anklagepunkt wegen der Sachbeschädigung des Autos wurde eingestellt.

Angeklagter nimmt Urteil an: Geldstrafe auf Bewährung

Übrig blieb die versuchte Nötigung, weil der Angeklagte versucht hatte, den Friedrichsdorfer mit seinem bedrohlichen Auftreten zum Aussteigen zu veranlassen. Das gab der 38-Jährige zu. »Ich wollte, dass er aussteigt, um mit ihm über die Sache zu reden«, meinte er, sah aber durchaus ein, dass dieses Verhalten nicht in Ordnung gewesen war. Er wolle sich therapieren lassen, sagte er, »weil ich immer so schnell ein wenig energisch werde«. Vor etwa drei Wochen habe es einen entsprechenden Vorfall mit seiner Freundin gegeben, er trinke nun keinen Alkohol mehr.

»Ein solches Geständnis hat man selten«, würdigte der Staatsanwalt auf der einen Seite das Auftreten des Grävenwiesbachers. »Aber dass man irgendwelche Leute verfolgt, dann noch mit einer Stange in der Hand zu ihnen läuft und aufs Auto haut, damit sie rauskommen, geht natürlich gar nicht.« Er beantragte eine Geldstrafe zur Bewährung von 900 Euro (90 Tagessätze à 10 Euro), diese Summe müsste der Mann nur bezahlen, wenn seine Bewährung etwa wegen einer neuen Straftat widerrufen würde.

Der Richter folgte diesem Antrag, als Bewährungsauflage muss der 38-Jährige ein Anti-Aggressions-Training im Frankfurter Männerzentrum besuchen. »Ich habe Mist gebaut und muss dafür geradestehen«, meinte er dazu und nahm das Urteil an, das damit rechtskräftig ist.

Sabine Maurer

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