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Bad Homburg: Gaspreis soll erneut deutlich steigen

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Von: Harald Konopatzki

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Der Blick auf den Gaszähler wird vielen Homburgern kein Vergnügen bereiten.
Der Blick auf den Gaszähler wird vielen Homburgern kein Vergnügen bereiten. © hko

Nach einer Erhöhung um 16 Prozent zum Jahreswechsel gehen die Gaspreise bei den Stadtwerken Bad Homburg erneut um 27 Prozent nach oben.

Bad Homburg - Die Steigerung der Energiepreise macht auch vor der Kurstadt nicht halt. Wortlos hat der Wirtschafts- und Finanzausschuss am Donnerstagabend eine Magistratsvorlage durchgewunken, die vorsieht, dass die Stadtwerke ihren Gaspreis in der Grundversorgung erneut erhöhen - zum 1. April um 27 Prozent. Bereits zum Jahreswechsel waren hatte es eine Anpassung gegeben - um 15,6 Prozent.

Verglichen mit den Preisen, die bis Ende Dezember 2021 galten, bedeutet die zweite Preisrunde bei den Tarifen "VIVO Gas" mini, medi und maxi eine Erhöhung von rund 47 Prozent - sowohl beim Arbeitspreis als auch beim Grundpreis. Und damit ist man in der Kreisstadt offenbar noch gut bedient, wie eine Aufstellung der Verwaltung zeigt, die die Preiserhöhungen anderer Grundversorger auflistet und dabei Preissprünge von bis zu 151 Prozent für Neukunden (Stadtwerke Essen) verzeichnet. Ein Blick auf Verbraucherportale zeigt: Auch nach der Preiserhöhung ist der heimische Versorger günstiger als die aktuellen Vergleichsangebote.

Gaspreise in Bad Homburg: Mehr Menschen kommen in Grundversorgung

Die Stadtwerke sind Grundversorger für die gesamte Kurstadt. Dieser Umstand gewinnt zunehmend an Bedeutung. Denn etliche Versorgungsunternehmen, wie etwa die benachbarte Ovag, bieten Interessenten gar keine Verträge mehr an. Und weil zudem einige (Billig-)Anbieter ihre Verträge einseitig kündigen - ob zu Recht oder zu unrecht klären die Gerichte -, kommen derzeit auch in Bad Homburg vermehrt Menschen in die Ersatz- und Grundversorgung, bestätigt Stadtsprecher Marc Kolbe. "Allein durch die Kündigungen des Discounters gas.de sind bei uns 250 Kunden neu in die Ersatzversorgung gewechselt." Das Gute: Ein Grundversorger muss liefern und springt im Bedarfsfall ein - es kommt also auf jeden Fall Gas aus dem Rohr.

Die Zahlen aus dem Beteiligungsbericht 2020 zeigen: Über die Hälfte des Gases, das durch das Netz der Stadtwerke geleitet wird (307 000 von 606 000 Megawattstunden, MWh, Gas) wird über die Stadtwerke vertrieben. Dabei ist man sich selbst ein guter Kunde - Verbrauch 2019: 19 630 MWh Gas.

Bad Homburg: Hohe Gaspreise vorher nicht absehbar gewesen

Nicht-Homburger haben bei den Stadtwerken derzeit schlechte Karten, "wir bieten externen Interessenten derzeit keine Verträge an", hiesige Bürger bekämen Verträge angeboten, die sich an den Preisen der Grundversorgung orientierten, auch was die Preiserhöhung angeht. "Bestehende Verträge mit Preisgarantie sind davon natürlich nicht betroffen", betont Kolbe.

Das verdeutlicht, wie sehr der Markt in Bewegung ist. Damals wie heute sind die Preissteigerungen auf den Beschaffungsmärkten ursächlich. Aber: Dass die Tarife nun erneut teurer werden, sei bei der vorherigen Preisrunde noch nicht absehbar gewesen, heißt es in der Begründung. So seien jüngst noch offene Gas-Chargen eingekauft worden, die "den durchschnittlichen Beschaffungspreis um den Faktor 4 übertrafen", die also mehr als vier Mal so teuer waren wie bislang üblich.

Hohe Gaspreise: 1,94 Millionen Euro Verlust drohten

Dabei komme den Stadtwerken zugute, dass der Löwenanteil der für 2022 benötigten Gasmenge bis Sommer 2021 "zu sehr guten Konditionen" eingekauft worden sei. Damals seien die "extremen Marktbewegungen" nicht vorhersehbar gewesen, Ausschläge wie im vierten Quartal habe es seit 2008 nicht mehr gegeben. So würde man in der Sparte Erdgas trotz der Preiserhöhung zum 1. Januar in diesem Jahr einen negativen Erlös in Höhe von etwa 1,94 Millionen Euro verzeichnen müssen.

Mit der Anfang April fälligen Erhöhung könne der bis 31. März bereits aufgelaufene Fehlbetrag verrechnet werden, zudem ließe sich ein Ergebnis ähnlich wie dem von 2021 erreichen.

Es gibt übrigens einen Umstand, der für den Fall eines Endes des Preissteigerungen Hoffnung macht. Denn so wie der Grundversorger das Recht hat, gestiegene Bezugskosten an den Kunden weiterzugeben, besteht auch die Pflicht zur Senkung seiner Lieferpreise, wenn sich seine Bezugskosten und andere Kostenbestandteile verringern. (Harald Konopatzki)

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