Gerta Walsh 2011 im TV-Interview vor der Villa Kisseleff zu einer ARD-Serie über die Währung. archifoto: ks

Auszeichnung

Bad Homburg: Gerta Walsh und Olga Stoss zu Ehrenbürgerinnen ernannt

Die Stadt Bad Homburg vergibt ihre höchste Auszeichnung an eine Stadt-Historikerin und eine Aktivistin für die deutsch-kroatische Freundschaft.

Es sind zwei Frauen mit Botschaft, und die Freude daran ist ihnen anzusehen. Beide sind betagt und vom Alter her nur wenige Tage auseinander. Zwar werden sie selten in einem Atemzug genannt, sind es doch verschiedene Dinge, die sie antreiben. Doch haben beide viel für die Kurstadt getan und dafür schon diverse Auszeichnungen bekommen.

Eine weitere soll jetzt folgen: Der Hauptausschuss der Stadtverordnetenversammlung hat sich einstimmig dafür ausgesprochen, Olga Stoss und Gerta Walsh zu Ehrenbürgerinnen der Stadt zu benennen - eine Ehre, die bisher nur wenigen Homburgern zuteil wurde (siehe Box). Dass das Stadtparlament diesen Vorschlag am kommenden Donnerstag folgt, dürfte nur noch Formsache sein. Es ist die höchste Ehrung, die die Stadt vergibt.

Wolfgang Assmann (CDU), einstiger Oberbürgermeister der Stadt und derzeit einziger (noch lebender) Ehrenbürger Bad Homburgs, war es, der Gerta Walsh dafür gewann, sich so tief in die Historie der Stadt zu knien und diese dann kenntnisreich wie kurzweilig anderen zu vermitteln. "Er war erst kurz im Amt und ich Schriftleiterin des Gemeinschaftskreises "Alt Homburg"", erzählt Walsh. "Ich sollte eine Rede halten."

Wandelndes Lexikon zur Stadtgeschichte

Walsh hat seither viele Stunden im Stadtarchiv verbracht. Sie förderte die unterschiedlichsten Informationen über die Kurstadt zutage und "erwarb sich eine hohe Sachkenntnis, die sie auch durch ihr hervorragendes Gedächtnis und durch viel Liebe zum Detail zu einem ,wandelnden Lexikon' für Stadtgeschichte werden ließ", wie es in der Magistratsvorlage heißt. Stadthistorikerin lautet ihr inoffizieller Titel.

Aus der eigenen Faszination heraus arbeitete sie an Berichten über Jubiläen und Gedenktage, fertigte Portraits historischer Persönlichkeiten an - immer wieder auch für diese Zeitung - und schrieb überdies acht Bücher, etwa "Bad Homburger Fassaden" oder "Liebesgeschichten in Bad Homburg". Leider sind alle vergriffen. Lange arbeitete sie als Stadtführerin und lehrte an der Volkshochschule, betreute Wissenschaftler, die zu Hölderlin forschten. Sie war in sechs Fernsehfilmen über historische Themen zu sehen.

Nach wie vor bereichert Gerta Walsh, die heute ihren 95. Geburtstag feiert, den Denkmalbeirat mit ihrer Sachkenntnis und hält den einen oder anderen Vortrag. "Ich habe ja noch miterlebt, wie sich die Häuser verändert haben", sagt die Homburgerin. Sie wurde bereits mit dem Saalburgpreis (1993), der Ehrenplakette der Stadt Bad Homburg (1994) und dem Bundesverdienstkreuz (2010) ausgezeichnet.

Auch Olga Stoss erhielt 2009 das Bundesverdienstkreuz am Bande des Verdienstordens. Sie gilt der Stadt als Brückenbauerin. Während und nach dem Balkankrieg habe sie sich in besonderem Maße für ihr Heimatland Kroatien eingesetzt, heißt es in der Vorlage. "Durch ihre Beharrlichkeit und ihr Organisationstalent hat sie großartige humanitäre Hilfe geleistet."

Olga Stoss im März dieses Jahres neben einem Mannschaftswagen der Feuerwehr, der von Bad Homburg nach Dubrovnik ging. 

Brückenbauerin nach Dubrovnik

1991 gründete die gebürtige Kroatin die "Kroatienhilfe Hochtaunus" und koordinierte die Unterstützung der durch den Bürgerkrieg stark betroffenen Stadt Dubrovnik - auch die eines Kinderheims. 2002 fädelte sie die Städtepartnerschaft zwischen der Kurstadt und der "Perle an der Adria" ein, 2008 dann einen Expertenaustausch der Feuerwehren beider Städte. Auch organisierte sie Bürgerreisen in die Partnerstadt.

Ein Mannschaftswagen, den die Homburger Feuerwehr der Partnerstadt schenkte, erhielt den Namen Olga. Die Feuerwehr verlieh ihr die Verdienstmedaille für internationale Zusammenarbeit. "Ich bin die einzige Frau in ganz Europa mit dieser Auszeichnung", freut sich Olga Stoss, die am 27. Dezember ebenfalls 95 Jahre alt wird. "Feuerwehrleute gehen bei jeder Jahreszeit raus und bringen sich selbst in Gefahr", sagt Olga Stoss bewundernd. In der Kurstadt hatte sie zudem 1997 die "Bürgerhilfe" gegründet, mit der sie vor allem Menschen im Rind'schen Bürgerstift das Leben erleichterte.

Beide Frauen sind im hohen Alter noch fit und, so weit es machbar ist, aktiv. Bei Olga Stoss ist es das linke Knie, was streikt. Gerta Walsh versagt ab und zu die Stimme, und sie muss Tabletten gegen zu hohen Blutdruck nehmen. "Aber mit 95 noch ohne Stock, Rollator oder künstliche Hüfte unterwegs zu sein, allein Bus zu fahren - da bin ich ja gut dran." Und manchmal surft die Stadthistorikerin auch im Internet.

Obwohl die Liste bekannter Persönlichkeiten aus Bad Homburg lang ist, haben erst sieben Personen bisher die Bad Homburger Ehrenbürgerwürde erhalten. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten, die sich um eine Gemeinde besonders verdient gemacht haben. Erster Ehrenbürger wurde 1906 Baurat Louis Jacobi, erster Direktor des Saalburgmuseums. Es folgten Pfarrer Wilhelm Burggraf (1957), OB und Landrat Georg Eberlein (1958), OB Karl Horn (1962), Stadtverordnetenvorsteher Alfred Engelhardt (1963). Nach einer längeren Pause wurde diese Ehre 2010 der langjährigen Parlamentschefin Maria Scholz und 2014 dem früheren OB Wolfgang Assmann verliehen - der CDU-Politiker ist der derzeit einzige noch lebende Ehrenbürger der Kurstadt. ahi

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