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Die Familie legt Aufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium Darmstadt ein.

Magistrat lehnt Bauantrag einer Gonzenheimer Familie ab

Wie sich die Grundstücksbesitzer im Foellerweg wehren möchten

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Im Foellerweg in Bad Homburg-Gonzenheim möchte eine Familie bauen. Der Magistrat lehnt ab - die Familie legt Aufsichtsbeschwerde beim Regierungspräsidium Darmstadt ein.

Bad Homburg - Die Diskussion um den Plan einer Familie, im Foellerweg in Bad Homburg-Gonzenheim ein Zweifamilienhaus zu bauen, reißt nicht ab. Unsere jüngste Berichterstattung beschrieb die Schwierigkeit einer Familie, die dort bauen will, bislang aber nicht darf. 

Gonzenheimer Familie klagt beim Regierungspräsidium in Darmstadt

Jetzt ist in die Sache das Regierungspräsidium in Darmstadt (RP) als Aufsichtsbehörde eingeschaltet, denn die Familie hat dort Fachaufsichtsbeschwerde eingereicht. Zur Erinnerung: Die Gonzenheimer Familie will im Foellerweg ein Zweifamilienhaus bauen. Als Referenzobjekt dient ihr ein ebenfalls erst vor wenigen Jahren gebautes Zweifamilienhaus direkt gegenüber angrenzend in der Straße „In der Lach“. Bedenken ob der Zweigeschossigkeit des Gebäudes – in der Foellerweg-Siedlung sind nur kleinere, eineinhalbgeschossige Häuser, und das hat auch die Nachbarn auf den Plan gerufen – wurden seitens der Stadtplanung zerstreut. 

Im Foellerweg gibt es keinen Bebauungsplan

Der Neubau diene als Referenzobjekt. Zwei Nachbarn, die namentlich nicht genannt werden möchten sagen: „Alle Häuser hier im Foellerweg haben unter 200 Quadratmeter Wohnfläche. Das geplante Haus wurde aber mit fast 400 Quadratmetern Wohnfläche beantragt und würde mit ausgebautem Dachgeschoss – das Dachgeschoss ist nicht genehmigungspflichtig und im Bauantrag auch gar nicht angegeben, ebenso wie die Terrasse – auf über 450 Quadratmeter kommen.“ Das wäre, sagen sie, „riesig im Vergleich zu den umgebenden Häusern“. Die Sache ist deswegen so kompliziert, weil auf dem Gebiet kein Bebauungsplan liegt, weswegen Paragraf 34 Baugesetzbuch zum Tragen kommt. Demnach muss sich ein Neubau in die „Eigenart der näheren Umgebung einfügen“. Problem, wie gesagt: Im Foellerweg gibt es eine kleinkörnige Siedlungsstruktur, aber direkt angrenzend „In der Lach“ steht eben ein großes Zweifamilienhaus.

Stadtplanung Gonzenheim machte der Familie Hoffnung

Jedenfalls: Ende Februar – das Schreiben liegt dieser Zeitung vor – hatte sich die Stadtplanung dann erneut positiv geäußert, weil sich das von den Bauherren korrigierte Vorhaben ihrer Meinung nach „in die Eigenart der näheren Umgebung einfügt“. Allerdings war am Ende auch diese Aussage von der Verwaltung als nicht rechtsverbindlich eingestuft worden. Das Bauamt habe in Gebieten, auf denen kein B-Plan liege, eben auch viele weitere Vorgaben zu prüfen. Erst wenn alle rechtens seien, könne ein Bauantrag genehmigt werden. Der Magistrat entschied Ende März, den geänderten Bauantrag abzulehnen. Das Regierungspräsidium Darmstadt urteilt nun in einer E-Mail, die dieser Zeitung vorliegt: „Erhebliche Bedenken bestehen vorliegend gegen die Beurteilung, dass sich das geplante Vorhaben nicht gemäß Paragraf 34 Baugesetzbuch in die nähere Umgebung einfügt.“ 

Nachbarn im Foellerweg sind verwirrt

Die Beurteilung der näheren Umgebung sei „insoweit fehlerhaft, als eine Beschränkung auf den Straßenzug entlang des Foellerwegs vorgenommen wurde“. Die nähere Umgebung werde aber auch durch die tatsächlich vorhandene Bebauung geprägt. Und dort fänden sich „mehrere eindeutig als zweigeschossig wahrnehmbare Gebäude“ – unter anderem eben auf dem unmittelbaren Nachbargrundstück. Solche Aussagen verwirren nun die Nachbarn, die, wie berichtet, um den Charakter der Siedlung fürchten und betonen, dass ein Zweifamilienhaus, das im Prinzip ein Vollgeschoss mehr habe als alle es umgebenden, dem Wesen dieses Gebiets nicht entsprechen würde. Sie fragen sich: Darf die Familie das große Haus nun bauen? Die Stadt beurteilt das laut Sprecher Andreas Möring so: Die Bauaufsicht habe den einheitlich gestalteten Straßenzug des Foellerwegs als Referenz betrachtet. 

Regierungspräsidium Darmstadt sieht Lage im Foellerweg anders

Die Fachaufsicht, also das RP, weise nun darauf hin, dass nach ihrem Erachten die nähere Umgebung anders zu definieren ist als in diesem Fall von der Stadt getan. Für die Bearbeitung weiterer Bauanträge weise das RP darauf hin, dass die Beurteilung der näheren Umgebung nach seiner Einschätzung anders erfolgen sollte als seitens der Stadt geschehen. Außerdem habe das RP festgestellt, dass angesichts der Grundstücksgröße und der Entstehung von zwei Wohneinheiten „unzumutbare Einwirkungen auszuschließen“ seien. Bedeutet übersetzt: Auch wenn rein rechnerisch zweigeschossig gebaut würde, hätte das Haus das eingeforderte Erscheinungsbild einer eingeschossigen Bebauung. Allerdings sagen die Nachbarn: „Das ist Unsinn, denn im Prinzip geht es hier um ein zweieinhalbgeschossiges Gebäude und das kann gar nicht wie eineinhalbgeschossig wirken.“ 

Stadt Gonzenheim lehnt Bauvorhaben im Foellerweg wegen zu geringen Abständen ab

Und: Die Stadt hat eine für das Grundstück im Foellerweg beantragte Baugenehmigung nicht nur deswegen abgelehnt, weil sich das Gebäude ihrer Meinung nach nicht in die Umgebung einpassen würde, sondern auch wegen der Abstandsfläche. Die ist in den Plänen nämlich nicht eingehalten worden, das Gebäude stünde demnach zu nah an der Grundstücksgrenze. Möring: „Dieser Ablehnungsgrund ist vom RP als korrekt bewertet worden.“ Übersetzt heißt das: Die Ablehnung hat weiterhin Bestand. Die Stadt wäre aber sicher gut beraten, sich noch mal mit dem RP in Verbindung zu setzen.Es steht allerdings zu vermuten –Stadtsprecher Möring wollte sich dazu nicht äußern – dass die Stadt, irgendwie scheint ja immer noch nichts geklärt zu sein, sich noch einmal mit dem RP in Verbindung setzen muss. Gut beraten wäre sie in jedem Fall.

Von Sabine Münstermann

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