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Marcus Steingräber (Mitte) und seine Mitstreiter versuchten, bei der Infobörse im Bahnhofs-Wintergarten die Bürger von möglichen Nachteilen der U-Bahn-Verlängerung zu überzeugen.

Bürger skeptisch

U 2-Trasse: Sorge um Haus und Schulweg in Bad Homburg

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Am Wahl-Sonntag sollen die Homburger abstimmen, ob die U 2-Trasse zum Bahnhof verlängert wird. Bei einer Info-Veranstaltung der Stadt fanden Unentschlossene Details zum Ausbau – wurden aber auch auf Nachteile hingewiesen.

Ordner mit Beschlüssen und detailgenaue Karten waren auf Infotafeln drapiert, Bauexperten standen bereit – wer wollte, konnte genau nachsehen, wo die geplante Trasse der U 2 zwischen Gonzenheim und dem Bahnhof einmal verlaufen soll. Der OB legte in Vorträgen dar, welche große Bedeutung die Verlängerung für die Stadt habe („Die Stadt lebt von der Gewerbesteuer de großen Firmen, und sie fordern den Ausbau“) und die Verkehrsgesellschaft Frankfurt erläuterte unter anderem, dass die U 2 spätestens dann gebraucht werde, wenn die S 5 nach Usingen elektrifiziert sei.

Es waren vor allem Gonzenheimer, die einen genauen Blick auf die Pläne warfen und über die Konsequenzen für ihr Leben nachdachten. „Wir wohnen in der Langen Meile und haben kleine Kinder“, erklärte Eva Schneider. Der Schulweg der Kinder verlaufe dann durch die Baustelle, und das dreieinhalb Jahre lang. „Nachher haben nur die Pendler etwas vom Ausbau, wir Anwohner haben aber nur den Lärm“, befürchtet sie.

Skeptisch ist auch eine Frau aus der Frankfurter Landstraße – direkt vor ihrem 1896 erbauten Haus soll der Tunnel gegraben werden. „Man sagte uns, unter unser Haus werden wegen der Statik Metallstreben in den Boden gerammt. Was, wenn das Haus Risse bekommt? Wir haben es gerade erst saniert.“ Nachfrage bei einem anwesenden Baufachmann: Die Grube für den Tunnel wird mit einem Verbau stabilisiert. Dazu ist es nötig, diagonal Anker in die Erde zu bringen.

Die beiden Frauen werden am Sonntag gegen den Ausbau stimmen. Noch unsicher ist die Entscheidung von Gerhard Kruse – deshalb ist er hier. Interessiert liest er oft gestellte Fragen, die die Stadt mit Antwort an eine Infotafel gepinnt hat. „Vermutlich werde ich dafür stimmen; es ist das Sinnvollere“, so Kruse, der aber auch nicht in Gonzenheim wohnt. „Denn es gibt immer mehr Autos in Homburg.“ Er fürchtet allerdings, dass die Kosten nicht bei 66 Millionen bleiben.

Die Gonzenheimerin Claudia Ringel bezweifelt, dass Kosten und Nutzen sich die Waage halten. „Es ist ein Riesenaufwand für eine sehr kurze Strecke – und dafür, dass ein Pendler zehn Minuten spart.“

Reinhold Pepperl würde sich freuen, wenn es endlich losginge mit der U-Bahn-Verlängerung. „Da warten wir doch schon 40 Jahre drauf“, sagt der Ober-Eschbacher. Er wohnt selbst nah an den Gleisen. An die Geräusche habe er sich gewöhnt.

Auch Peter Löw gehört zu den Befürwortern des Ausbaus. „Weil es eine umweltfreundliche Verbindung ist und sie einen Lückenschluss darstellt“, sagt der Dachdeckermeister. Der Bahnhof werde als Verkehrsknotenpunkt aufgewertet, für die Gewerbegebiete sei der Ausbau „ein Segen“. Und Bad Homburgs Innenstadt stehe im Wettbewerb zum Nordwestzentrum: „Das hat auch einen U-Bahn-Anschluss.“

Günther Stiller bleibt skeptisch. „Was ist bei Starkregen?“, fragt er. Stiller befürchtet, der Tunnel könne mit Wasser volllaufen, das die Elektrik beschädige und noch größere Schäden anrichte, sogar gefährliche. „Die Planer nehmen das viel zu leicht“, ist er überzeugt.

Eine größere Traube bildet sich um Infotafeln, auf denen Bedenken zum Projekt zu lesen sind. Sie hat nicht die Stadt bestückt, sondern Marcus Steingräber. Der Gonzenheimer wohnt im Erlenweg – dort würde die verbreiterte Trasse entlanglaufen. Vor Jahren war er Aktivist einer Bürgerinitiative mit damals 1000 Mitstreitern, die aufgelöst wurde, als das Projekt Planungsreife bekam. Ein Punkt, auf den Steingräber hinweist, ist, dass die Trasse ab der Langen Meile eingleisig wird. „Dort muss der Zug warten, bis der Gegenzug vom Bahnhof kommt“, erklärt er. Seine Lösung: eine dritte Spur auf der Frankfurter Landstraße und E-Busse, die Pendler zum Bahnhof bringe. „Das wäre ein Kompromiss.“

Die Pläne zur U 2-Verlängerung werden noch einmal am kommenden Dienstagvormittag an einem Infostand auf dem Waisenhausplatz erläutert.

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