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2035 soll alles anders werden

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Von: Anke Hillebrecht

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Über den Dächern der Kurstadt: Claudia Richter, Leiterin des städtischen Fachbereichs Klimaschutz, Umwelt und Mobilität, zwischen den Sonnenkollektoren der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Technischen Rathauses.
Über den Dächern der Kurstadt: Claudia Richter, Leiterin des städtischen Fachbereichs Klimaschutz, Umwelt und Mobilität, zwischen den Sonnenkollektoren der Photovoltaikanlage auf dem Dach des Technischen Rathauses. © Priedemuth

Die Stadt Bad Homburg stellt ambitioniertes Klimaschutzkonzept vor. Sonnen- und Windenergie stehen dabei im Fokus.

Bad Homburg -Noch 13 Jahre, dann soll die Stadtgesellschaft klimaneutral leben. Das strebt das Klimaschutzkonzept der Stadt an. Für ihre eigene Verwaltung samt Tochterkonzernen will sie bereits in acht Jahren unabhängig von fossilen Energieträgern sein. Um dieses ambitionierte Ziel zu erreichen, hat die Verwaltung in den vergangenen zwei Jahren zunächst ermittelt, wie der Energieverbrauch aktuell ist, und dann zwei Maßnahmenkataloge erarbeitet, womit der Ausstoß klimaschädlicher Gase wie Kohlendioxid (CO2) in der eigenen Verwaltung sowie von den Bürgern auf nahezu Null reduziert wird.

Nach einem Beschluss von 2001, der forderte, dass der Energieverbrauch bis 2018 um 30 Prozent zu senken ist, zeigte sich, dass es geht: Seither sei die CO2-Belastung von 486 000 (1998) auf 401 960 kWh/Jahr gesunken. "Das sind zwar nur 25 Prozent, aber die Richtung stimmt", resümiert Nachhaltigkeitsdezernent Dr. Oliver Jedynak (CDU).

Die meiste Energie verbrauchen demnach die Privathaushalte der Kurstadt (1998: 34%, 2018: 39,6%). "Hier müssen wir den Hebel ansetzen." Ohne sie sei eine Klimawende wirkungslos. Denn, so Jedynak: "Die Zeit drängt." Auch wenn das Thema angesichts der Krisen aus den Schlagzeilen geraten ist. Einzig beim Verkehr ist der Anteil am Energieverbrauch gestiegen (1998: 10,9%; 2018: 15,7%) - und das, obwohl die Autos heute effektiver sind als vor 24 Jahren. "Darüber werden wir noch gesondert reden müssen", sagt der Bürgermeister.

Energie aus Windrädern nutzen

Doch auch bei den Wohngebäuden könnte noch viel getan werden. Um klimaneutral zu werden, müssten laut der Analyse 72 Prozent aller Gebäude ihre fossilen Energieträger - Gas, Öl - zum Beispiel durch eine Wärmepumpe ersetzen, also eine Heizung, die die in der Umwelt gespeicherte thermische Energie nutzt, und 17 Prozent mit Nahwärme versorgt werden. "Allerdings ist es im Moment schwierig, Handwerker oder das Material zu bekommen", schränkt Jedynak ein.

Entscheidend werde sein, mehr Homburger dazu zu bewegen, ihre Häuser energetisch sanieren und die Heizung von Öl oder Gas auf erneuerbare Energien umstellen zu lassen. Um die Ziele zu erreichen, müsste sich der Anteil verdoppeln, besser noch vervierfachen. "Hier sind weitere Subventionen von Land und Bund nötig", so Jedynak.

Die Maßnahmenkataloge sind in einen Fahrplan eingebettet, der Prioritäten vorgibt. Da die meisten Punkte - von der Verbannung des Plastiks etwa beim Wochenmarkt über die Weiterentwicklung bestehender Grünflächen bis hin zur Fortführung des Radverkehrskonzepts - mit einer 1 markiert sind, also sofort oder innerhalb von zwei Jahren umgesetzt werden müssen, wird die Verwaltung in nächster Zeit viel zu tun haben.

Eine größere Bedeutung soll auch die Nutzung der Sonnen- und Windenergie bekommen. Wehrte man sich in den vergangenen Jahren noch politisch gegen Windräder in näherer Umgebung, verweist der Bürgermeister nun auf Rotoren, die in Richtung Frankfurt entstehen sollen - was die Nutzung betrifft, will man (erneut) Gespräche aufnehmen.

Ein weiteres Potenzial sehen Fachbereichsleiterin Claudia Richter und ihr Team auf den Dächern aller Gebäude der Stadt. 30 Hektar mögliche Fläche für Photovoltaik oder Solarthermie gibt es dort (siehe auch Box) - der meiste Raum ist ungenutzt. Zur Klimaneutralität müssten rein theoretisch 194 Hektar genutzt werden und sich 16 Windräder drehen. Doch jeder genutzte Quadratmeter hilft, die CO2-Last zu reduzieren. Auch auf Äckern könnten Kollektoren stehen - dafür will man mit Landwirten das Gespräch suchen. Allein mit der Umstellung des bisherigen Strom-Mixes auf "grünen Strom" (PV und Wind) könnten rund 35 Prozent des CO2-Ausstoßes reduziert werden. Statt abzureißen und neu zu bauen sollen Homburger ihr Haus eher sanieren. Und wenn doch neue Gebäude entstehen, dann eher in Holzbauweise. Weitere Ansatzpunkte sind Abwärmenutzung und anfallende Wärme oder Kälte bei Gewerbetrieben.

Extra Stelle in der Stadtverwaltung

Vernetzen soll all diese Bemühungen eine Klimaschutzbeauftragte. Als solche ist Laura Düpre schon seit dem 1. Mai im Dienste der Stadt. Noch vor der derzeitigen Stellensperre war dieser Posten durch einen Stadtverordnetenbeschluss ins Leben gerufen worden. Vom städtischen Konzept ausgenommen sind private Aspekte wie das Konsumverhalten oder die Ernährung der Bürger. "Darauf haben wir keinen Einfluss", ergänzt Projektleiter Holger Fröhlich.

Mit gutem Beispiel vorangehen will die Stadtverwaltung selbst mit ihren Tochterkonzernen und einem eigenen umfangreichen Maßnahmenkatalog. Vieles ist hier schon passiert. Das Klimaschutzkonzept wird jetzt in den Ausschüssen diskutiert und liegt am 21. Juli dem Stadtparlament zur Abstimmung vor.

Kann auf meinem Dach Strom erzeugt werden? Solarkataster gibt Auskunft

Dachflächen sind verschwendete Stromerzeugungsflächen. Würde man sämtliche Dächer - egal ob geneigt oder nicht - für Solarthermieanlagen (ST) oder Photovoltaikanlagen (PV) nutzen, hätte man immerhin 30 Hektar an Fläche zur Verfügung. Theoretisch bräuchte man 194 Hektar, um den kompletten Strombedarf der Stadt zu decken. Doch nur wenige Homburger haben sich bisher für eine solche Anlage entschieden. Die Stadt hat jetzt auf ihrer Homepage ein Solarkataster, über das sich Hausbesitzer informieren können, ob die eigenen Dachflächen für die Installation einer PV oder ST geeignet sind. Dabei können auch Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit durchgeführt werden. Dabei werden unter anderem Dachneigung und Verschattungsfläche berücksichtigt.

Bei ST nutzen Kollektoren einen Teil des Sonnenlichts, um Flüssigkeit zu erwärmen, die - kurz gesagt - dabei hilft, dass fürs Warmwasser im Haus weniger konventionelle Energie nötig ist. Bei PV wird die Einstrahlung direkt in Strom umgewandelt.

Weitere Infos hierzu gibt es im Internet auf www.bad-homburg.de; im Suchfeld "Bad Homburg" und "Solarkataster" eingeben.

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