Auf der Wiese im Staudengarten soll im April ein rot-weißes Tulpen-Meer zu bewundern sein. Dafür setzen die Schlossgärtner Meltem Caglayan, Peter Vornholt und Anton Rupperti (von links) Blumenzwiebeln in den Boden.
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Auf der Wiese im Staudengarten soll im April ein rot-weißes Tulpen-Meer zu bewundern sein. Dafür setzen die Schlossgärtner Meltem Caglayan, Peter Vornholt und Anton Rupperti (von links) Blumenzwiebeln in den Boden.

Jetzt kommen Frühblüher in die Erde

60 000 Blumenzwiebeln werden im Bad Homburger Schlosspark versteckt

  • Christiane Paiement-Gensrich
    VonChristiane Paiement-Gensrich
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Gärtner bereiten Beete und Wiesen auf den Frühling vor

Bad Homburg Schneeglöckchen kann man nie genug haben, findet Peter Vornholt. Der Chef-Schlossgärtner und sein Team bereiten den 13 Hektar großen Schlosspark auf den Frühling vor. Um die 60 000 Blumenzwiebeln verstecken die Gärtner in diesen Tagen in der Erde. Mit den beiden Wiesen zwischen den Staudenbeeten nahe der Orangerie sind sie gerade fertig geworden. Die sollen in April wieder zu einem spektakulären rot-weißen Tulpen-Meer werden.

7000 Zwiebeln der "Darwin-Hybriden", so heißt die Sorte, stecken unter dem Rasen. Hinzu kommen die 5000 Zwiebeln vom vorigen Jahr, die noch in der Erde sind. "Diese Tulpen kommen auch wieder, werden aber mit der Zeit schwächer", erklärt der Gartenmeister. Auch in die Schmuckbeete werden noch Tulpenzwiebeln gesteckt und leisten dann den Stiefmütterchen und Bellis - auch als Gänseblümchen bekannt - Gesellschaft. Aber erst wenn die Sommerbepflanzung abgeräumt ist.

Rund um Goethes Ruh' dagegen braucht nicht viel nachgepflanzt werden. Im Lauf der vergangenen Jahre haben die Gärtner dort, ganz passend, die Dichternarzisse "Narcissus poeticus" angesiedelt. Weiß ist sie mit gelbem Sternchen in der Mitte. Die Zwiebeln schlummern in der Erde. "Nach der Blüte bekommen sie organischen Dünger, und damit sind sie zufrieden", erklärt Vornholt. Auch viele Tausend Krokusse in den Wiesen auf der anderen Seite des Weges sind genügsam und zeigen jedes Jahr wieder ihre lilafarbenen, gelben und weißen Blüten.

Blausterne für den Inselgarten

Im Boskett unterdessen, dem Lustwäldchen, das den Übergang vom alt-barocken Obergarten zum Landschaftsgarten bildet, soll es auch im Frühjahr ein bisschen so aussehen wie in der wilden Natur. Viele verstreut wachsende, zierliche botanische Narzissen mit kleinen Blüten bestimmen dort das Bild. "Und wir pflanzen neue Schneeglöckchen im Pulk."

Woher der Gärtner weiß, an welcher Stelle noch Blumenzwiebeln fehlen? "Im Frühling machen wir Fotos von den Blüten und den leeren Stellen", erklärt Vornholt. "Und im Spätsommer überlegen wir, welche Zwiebeln wir haben möchten." 2011 hat er damit angefangen, überall im Park nach und nach immer mehr Frühblüher anzusiedeln. "Geophyten" heißen die Zwiebelblumen.

Auf jeden Fall kommen jetzt noch viele kleine Blausterne (Scilla) in den Inselgarten. "Sie sollen den früheren Bachlauf nachzeichnen", erklärt Vornholt. Wichtig für diese Blumen, die übrigens zu den Spargelgewächsen zählen: "Sie brauchen, wenn sie verblüht sind, einen schattigen Platz. Bei zu viel Sonne gehen sie nach zwei Jahren zurück. Besonders gut wachsen sie in der Eichenallee, die vom Untertor her kommt. Da entwickeln sie sich prächtig."

Neugierige Schachbrettblumen

Eine andere Blaustern-Sorte, sie heißt Chionodoxa, erinnert im Frühjahr an den einstigen Karauschen-Teich (benannt nach einer Fischart), der sich bis ins 19. Jahrhundert in der Senke neben dem großem Damm gegenüber dem Schlossteich befand. Neben dem kleinen Damm unterdessen, der Verlängerung der Eichenallee entlang des Altbachs, sollen im Frühling wieder viele kleine Schachbrettblumen ihre Köpfchen die Höhe recken. Und neben dem Wasserfall werden 4000 Blausterne "zum Verwildern" gepflanzt.

Die Christrosen, die weiß blühen werden, sind schon da. Im Schatten der Fichten werden Märzenbecher und Schneeglöckchen stehen. "Altbachtal" heißt die Wiese dort in der "Phantasie", hat Vornholt auf einem Foto aus der Kaiserzeit entdeckt. Auch der Tempel der Pomona soll im Frühjahr von über 5000 Blausternen umgeben sein.

Zuerst aber kommt der Winterling. Schon Anfang Februar zeigen sich dessen gelbe Blüten. "Ich möchte die Leute immer wieder auf die Suche schicken, um zu schauen, was schon blüht", sagt er. Ein "ständiger Fluss der Blüten" solle das sein. Übrigens machen sich gerade in der Nähe des Wasserfalls die Herbstkrokusse bereit. Kleine weiße, spitze Triebe schauen schon hier und da aus der Erde.

Und was ist mit den Agaven am ehemaligen Geländerweg (er führt aus Richtung Schlossmauer unterhalb des Augustapfades bergab zum Teich)? Halten die etwa den Bad Homburger Winter aus? "Die Agaven graben wir aus. Sie überwintern zusammen mit den anderen frostempfindlichen Pflanzen in der Orangerie", antwortet Vornholt. Insgesamt 300 Kübelpflanzen sind es. Zuerst müssen die Zitrusbäume nach drinnen. Die Granatapfel- und die Olivenbäume und auch die Palmen halten den ersten Frost noch aus.

Und wie sieht es in den stressigen Trockenphasen mit den eingewurzelten Bäume im Park aus? Damit diese nicht allzu sehr leiden müssen, wird beregnet. "Zum Glück haben wir in Oberstedten unser eigenes Wasserwerk", erklärt der Schlosspark-Chef. Was jetzt auch gemacht werden muss: "Wir rechen das Laub weg." Die Wege schön sauber zu halten sei ihm besonders wichtig, betont Vornholt. "Sie sind die stummen Begleiter der Besucher und leiten sie durch den Park." Im Winter werden vor allem Sträucher zurückgeschnitten, um Perspektiven freizulegen. Der Blick vom großen Damm auf den Teich etwa, wo die Schneebeeren üppig wachsen, und der von "Phantasie" in Richtung Taunus. Die meisten Bäume waren schon im Sommer dran. "Dann heilen die Wunden besser." Und die Obstbäume sind im Februar und März an der Reihe.

Leiten lässt sich Vornholt bei Pflanzungen und der Anlage von Wegen von historischen Dokumenten, das ist der Sinn der Gartendenkmalpflege. "Wir haben einen Plan der Bepflanzungen von 1893, alles ist überliefert, man muss es nur wieder herstellen." Und: "Eigentlich ist es ganz einfach: Was wir heute als attraktiv ansehen, haben die Menschen damals genauso empfunden." Klar, dass er ebenfalls alle neuen Pflanzungen dokumentiert. "In unserem Jahresbericht wird sozusagen jede Blumenzwiebel festgehalten." Von Christiane Paiement-Gensrich

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