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ADFC: Nicht alle auf dem Rad sind Rüpel

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Von: Anke Hillebrecht

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Der Radstreifen auf dem Hindenburgring ist zu schmal, meint der ADFC. Wie das Bild zeigt, kommen dicke Autos den Radlern zuweilen gefährlich nah.
Der Radstreifen auf dem Hindenburgring ist zu schmal, meint der ADFC. Wie das Bild zeigt, kommen dicke Autos den Radlern zuweilen gefährlich nah. © tz

Lobbyverband findet, der Ausbau der Fahrrad-Infrastruktur laufe halbherzig

Bad Homburg -In unseren jüngsten Berichten über rüpelhafte Radfahrer auf Gehwegen oder in der Fußgängerzone, im Kurpark oder auf den Feldern sind Menschen generell, die sich mit dem Fahrrad fortbewegen, nicht gut weggekommen. Das will Ralf Gandenberger so nicht stehen lassen. "Es klingt ja, als würden jede Woche zehn Leute angefahren - das stimmt nicht", sagt Bad Homburgs ADFC-Vorsitzender. "Es sind nicht alle Rowdies. Natürlich halten sich Radler auch an Regeln."

Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) ist ein Lobby-Verein - zwar ein prominenter und vielzitierter, aber an die vielen Menschen, die mit dem Fahrrad unterwegs sind, kann auch er nur appellieren, sich an die Verkehrsregeln zu halten. "Wir haben darauf keinen Einfluss". Erwachsene hätten selbstverständlich radfahrend auf dem Gehweg nichts zu suchen, betont Gandenberger. Die meisten hielten sich an die Regeln, aber der andere oder die eine ziehe an der roten Ampel doch an ihm vorbei. Was Gandenberger bedauert, ruinierten sie doch den Ruf "der" Radfahrer.

Doch warum verstoßen eigentlich durchaus auch vernünftige Menschen, wenn sie auf dem Drahtesel (oder dem E-Bike) sitzen, gegen Regeln? Hierüber hat Gandenberger viele Gespräche geführt. "Eine Frau erzählte mir, sie habe sich ein Pedelec gekauft und fahre jetzt viel mehr Rad statt Auto", berichtet er. Doch dann sei sie einmal auf dem schmalen Radstreifen entlang des Hindenburgrings fast von einem schlingernden Lkw gestreift worden. "Sie hatte Todesangst." Seither fahre sie dort stets auf dem Gehweg. "Die Radstreifen in Bad Homburg sind vielerorts viel zu schmal", merkt der ADFC-Chef an. "Und das nur, weil man den Autofahrern keine Spur wegnehmen wollte", ist er überzeugt. Gandenberger will die Regelbrecherin nicht in Schutz nehmen - sie nehme das Risiko, ein Knöllchen zu kriegen, in Kauf. Er will vielmehr aufzeigen, wo und wie die Stadt dem Regelbruch zuvorkommen könnte.

Selbe Stelle, anderes Problem: die Geisterradler auf der Tankstellenseite des Hindenburgrings. Darunter sind viele Kinder und Jugendliche aus Humboldt- oder Hölderlinschule, etwa wenn sie heim in die Berliner Siedlung fahren. Drei Mal über die Fußgängerampel, drei Mal Warten - Gandenberger sagt: "Das dauert viel zu lange." Zudem fehle auf dem Bürgersteig der Platz, wo sich mehrere Schüler gleichzeitig mit Rädern aufstellen können.

Verkehrsachsen eine Fahrspur wegnehmen

Weitere Probleme: Induktionsschleifen, die bei Fahrrädern nicht funktionieren; Ampelschaltungen, die auf das Tempo von Autos eingestellt sind. Mit Ach und Krach habe man sich darauf eingelassen, den von den Grünen geforderten Grünpfeil für rechtsabbiegende Radler einzuführen - jedoch lediglich an der weit abgelegenen Kreuzung Urseler Straße/ Niederstedter Weg. "Und dort ist der Pfeil schon wieder abmontiert worden", so Gandenberger.

Die Stadt spreche zwar oft davon, die Situation für Menschen auf dem Rad zu verbessern, tue aber nur so, meint der ADFC-Vorsitzende. Wäre sie konsequent, würde sie auf den wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt - Hessenring, Hindenburgring und Dietigheimer Straße sowie Urseler Straße - je eine Auto-Fahrspur wegnehmen, um dort sichere Wege für Radler zu schaffen. Am besten durch ein erhabenes Hindernis baulich getrennt, so dass kein Auto auf die Radspur schwenkt. "Wir sehen in Frankfurt, Darmstadt und anderen umliegenden Städten, dass es gehen kann."

Das Argument, dann würde sich der Autoverkehr stauen, lässt der ADFC-Mann nicht gelten. "Im Hessenring gäbe es keinen Stau" - dort ist wegen einer Baustelle stadteinwärts schon seit Monaten eine Spur gesperrt, und, so Gandenberger, es störe niemanden. Anders, räumt er ein, sähe das in den übrigen genannten Straßen aus, wo wesentlich mehr Verkehr zusammenkommt. Doch dort würde es sich nur am Anfang stauen, meint er: Denn dort, wo es läuft, kommt mehr Verkehr. Im Umkehrschluss: Stellen, wo es stockt, meiden die Autofahrer.

"Studie wird unter Verschluss gehalten"

Beim ADFC wartet man auf eine Studie, in der mehrere fahrradfreundliche Alternativen für die Verkehrsachsen untersucht werden. Gandenberger sagt: "Es ist politisch gewollt, dass die im Sande verläuft." Angeblich gebe es schon Zwischenergebnisse, die unter Verschluss gehalten würden. Die Stadt konnte hierzu gestern keine Auskunft geben.

Die Verwaltung habe es "in der Hand", so Gandenberger, Homburgs Straßen so zu gestalten, dass Radfahrende gut voran kommen und die Regeln einhalten. "Denn die steigen ja aufs Rad, um schneller zu sein als mit dem Auto." Und auch in der Fußgängerzone helfe ein Verbot, wie es derzeit tagsüber gelte, nicht weiter. "Die Fußgänger ärgern sich mehr über Radler dort, wenn das Radeln verboten ist." Wäre es erlaubt, es würde sich nichts verschlechtern, meint er. Das Radverkehrskonzept der Stadt hält er für überholt. Es solle Autofahrer möglichst wenig beeinträchtigen - "das passt in die 1990er Jahre, nicht ins 21. Jahrhundert."

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