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Als ein Homburger die Queen verwöhnte

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Von: Julian Dorn

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Ließen es sich abends schmecken: die britische Königin und ihr Gemahl Prinz Philip beim Staatsbesuch in Deutschland neben dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler (rechts ) und seiner Frau Eva 2004 in Berlin.
Ließen es sich abends schmecken: die britische Königin und ihr Gemahl Prinz Philip beim Staatsbesuch in Deutschland neben dem damaligen Bundespräsidenten Horst Köhler (rechts ) und seiner Frau Eva 2004 in Berlin. © tz

Gastronom Klaus Peter Kofler richtete 2004 das Staatsbankett in Berlin aus.

Bad Homburg -Die Königin war ein bescheidener Gast. Nur Zwiebeln und Knoblauch, schreiben die Zeitzeugen damals, habe sie aus der Küche verbannen lassen. Beim Staatsbankett war das, 2004, im Berliner Zeughaus. Dennoch: Gespart wurde seinerzeit an nichts - auf den Tischen cremefarbene Damast-Tischtücher, blankpoliertes Tafelsilber, feines Porzellan aus der Königlich Preußischen Porzellanmanufaktur. Und in der Küche? Ein Homburger.

Der Caterer Klaus Peter Kofler sorgte an jenem Abend dafür, dass alle Rädchen ineinandergriffen, und jeder Handgriff saß. Gar nicht so einfach, immerhin waren 25 Köche aus Koflers Brigade im Einsatz, um 260 Gäste zu bedienen. Neben Elizabeth II. und ihrem Prinzgemahl Philip standen noch weitere illustre Namen auf der Gästeliste: Altbundespräsident Walter Scheel und der damalige US-Botschafter Dan Coats, und natürlich die Gastgeber, Bundespräsident Horst Köhler und First Lady Eva Köhler.

So viel Prominenz. Was heute für den renommierten Groß-Gastronom Kofler, der 1964 in der Kurstadt geboren wurde, fast alltäglich ist, war für ihn vor knapp 18 Jahren noch etwas Besonderes, als er vom Bundespräsidialamt den Auftrag bekam, das Catering auszurichten. „Das war damals eines meiner ersten hochrangigen Abendessen“, erinnert sich der 58-Jährige heute.

Ihre Majestät wünschte regionale Küche

Und dieses Dinner sollte unbedingt glücken: Seine Mannschaft kredenzte ein Vier-Gänge-Menü, auf Wunsch der Queen einfache regionale Küche, serviert von 90 Kellnern in Livree, je zwei für eine Tafel zuständig, im Innenhof des historischen Gebäudes Unter den Linden. Der Chef bediente sogar mit: „Ich erinnere mich noch, dass, als die Königin am Tisch ankam, und niemand da war, um ihr den Stuhl zurechtzurücken, ich kurzerhand einsprang.“ Drei Tage lang hatten die Vorbereitungen gedauert. „Wir hatten den Speiseplan mit England abgestimmt, Probeessen und Weinproben durchgeführt“, erzählt Kofler.

Das Ergebnis konnte sich sehen lassen: Als Vorspeise wurden den erlauchten Gästen gebeizter Tafelspitz aus der Uckermark in gelierter Lauchvelouté mit gelbem Endiviensalat gereicht, danach sautiertes Welsfilet mit glasierten Petersilienwurzeln und Meerrettichschaum. Zum Fisch hatte sich die Königin einen Wein aus Franken gewünscht, der bereits 1953 zur Krönungsfeier ausgeschenkt wurde. Es handelt sich um eine Riesling-Spätlese trocken aus der Lage „Iphöfer Julius Echter-Berg“. Als Hauptgang sollte es Wild geben: in Spätburgunder pochierten Damhirsch-Rücken aus der Region Fläming auf Schwarzwurzeln (aus der Mark Brandenburg) und Pfefferkirschen. Zum Dessert hatte die britische Regentin ein Parfait von karamelisierten Kürbiskernen mit Holunderbeerensalat gewählt.

Und hatte das fulminante Menü der Queen denn auch gemundet? Sie sei „very amused“ gewesen, erinnert sich Kofler. „Sie schätzte unser Essen und blieb 30 Minuten länger, als das Protokoll geplant hatte.“ Was für ein Ritterschlag! Das könnte seinerzeit der Startschuss für Koflers Karriere gewesen sein.

Das Staatsoberhaupt war„very amused“

Das Talent wurde ihm schon in die Wiege gelegt, stammt er doch aus der berühmten Bad Homburger Konditorenfamilie, die 1823 ihre Bäckerei eröffnet hatte und sogar Hoflieferant des deutschen Kaisers Wilhelm II. war. Auch Kofler erlernte, als Spross der sechsten Generation, das Konditoren-Handwerk.

Bei der Königin hat sich dann gezeigt, dass er mehr kann als bloß exquisite Torten zu kreieren. Seine kulinarischen Künste hinterließen offenbar einen bleibenden Eindruck beim britischen Staatsoberhaupt. Zum Dank wurde er sogar in den Buckingham Palast eingeladen. Inzwischen hat Kofler, der auch Betriebswirtschaft studiert hat, mit seiner Firma „Kofler & Kompanie“ schon viele Prominente bekocht, darunter Prinzessin Caroline von Monaco, George Clooney, Sharon Stone und Angela Merkel. Für sein Konzept „Pret à Diner“, bei dem in unterschiedlichen Städten für kurze Zeit jeweils sogenannte Pop-up-Restaurants eröffnet wurden, ist Kofler mehrfach prämiert worden. Vor einigen Jahren erhielt er vom Gastronomie-Führer „Schlemmer Atlas“ die Auszeichnung „Gastronom des Jahres“. Das Unternehmen beschäftigt nach eigenen Angaben in Deutschland rund 140 Mitarbeiter an fünf Standorten und machte 2018 rund 25 Millionen Euro Umsatz.

Das Bankett für die Queen aber, sagt Klaus Peter Kofler heute, bleibe - auch bei all den anderen hohen Gästen an seinen Tafeln - für ihn nach wie vor etwas Besonderes. „Eine schöne Erinnerung“ an Ihre Majestät, die er „bewundert“ habe. „Danke, Ma’am.“ Königin Elizabeth II. wird heute in der St. George’s Chapel auf Schloss Windsor beigesetzt.

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