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Das alte Krankenhaus-Gebäude an der Urseler Straße ? gegen Einbruch gesichert ? steht immer noch.

Ausweichquartier steht fest

Alte Klinik wird abgerissen - Mega-Deal von 2015 soll fortgeschrieben werden

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Die Kerschensteiner-Schule wurde abgerissen, ansonsten herrscht seit einem Jahr öffentliches Schweigen über die Zukunft des alten Klinik-Areals an der Urseler Straße. Jetzt verhandeln Stadt und Kreis über Nachträge zum „Mega-Deal“ von 2015. So soll unter anderem rasch bezahlbarer Wohnraum entstehen, den die Stadt dringend braucht.

Wenn die Frage aufkommt, warum die Ruine des alten Krankenhauses noch an der Urseler Straße steht, und warum hier nicht schon die Bagger für die dringend gebrauchten bezahlbaren oder auch schwieriger bezahlbaren Wohnungen am Werk sind, verweisen Stadt und Kreis gern gegenseitig aufeinander. Vor einem Jahr hat Homburg ein städtebauliches Konzept für die Weiterentwicklung des Klinik-Areals beschlossen. Doch passiert ist seither nicht viel – zumindest wurde im Sommer das länger leerstehende Gebäude der Georg-Kerschensteiner-Schule neben der Klinik abgerissen.

Das Krankenhausgelände samt Gebäuden gehört dem Kreis; die Stadt wünscht sich dort ein neues Wohngebiet. Der Kreis will das Gelände an einen Investor verkaufen. Ein entsprechendes Bieterverfahren gab es laut Kreisverwaltung noch nicht.

Komplizierter Kontrakt

Kürzlich haben sich Kreis und Stadt zusammengesetzt und Vorschläge für eine Fortschreibung zu diesem Konzept erarbeitet, der beiden nützen soll. Es handelt sich um einen Nachtrag zu dem von ihnen im Jahr noch unter OB Michael Korwisi (Grüne) 2015 geschlossenen öffentlich-rechtlichen Vertrag, den die TZ damals trefflich als „Mega-Deal“ bezeichnet hatte. Denn der Kontrakt ist kompliziert, weil er einen Tausch von mehreren Grundstücken mit einbezieht.

Am kommenden Montag entscheidet der Kreistag über die Änderungen. Die Stadt wird sich dann im neuen Jahr damit befassen. Der Nachtrag hätte folgende Auswirkungen auf die Stadtplanung:

Klinik-Areal: Der Nachtrag soll dem städtischen Beschluss vom 30. November 2017 Rechnung tragen. Dieser sieht ein Wohngebiet mit rund 270 Wohneinheiten – 20 Prozent davon als preisgünstiger Mietwohnraum – und eine Kita für 100 Plätze vor. Wird der Nachtrag beschlossen, könnte Ende 2019 die Vergabe beginnen.

Altes Klinik-Gebäude: Das Land Hessen hatte den Krankenhaus-Altbau 2015 angemietet und als Notunterkunft für Flüchtlinge vorgesehen. Das Gebäude wurde für mehrere Millionen ertüchtigt, es zog jedoch nie ein Flüchtling dort ein. Seither ist das Gebäude gegen Vandalen eingezäunt und steht leer. Jetzt teilt der Kreis mit, dass die trostlose Ruine im Frühjahr 2020 abgerissen werden soll – der Nachtrag enthält hierzu eine entsprechende Absichtserklärung.

Gelände der Kerschensteiner-Schule: Auf dem Nachbargelände an der Urseler Straße ist eine höhere Bruttogeschossfläche als ursprünglich vorgesehen. Das Gelände soll an eine gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft übertragen werden, die dort schnellstmöglich bezahlbaren Wohnraum entwickeln soll.

Flüchtlingsunterkünfte bleiben: Auf dem Krankenhausgelände stehen noch drei Appartementhäuser, in denen früher Schwestern und Pfleger wohnten. Heute sind dort Geflüchtete untergebracht, das Haus Schlesien am Hessenring ist allerdings seit Anfang Februar 2017 wegen Brandstiftung nicht mehr nutzbar. Auch Teile vom Haus Berlin sind zum Zuhause für Geflüchtete geworden; der Kreis hat das Hochhaus an der Ecke Hessenring/Taunusstraße an die Stadt vermietet. Hier wurden etwa die Flüchtlinge untergebracht, die zuvor in der Alten Feuerwache wohnten. Alle Häuser sollen noch eine Weile stehen: Laut Kreis enthält der Nachtrag „Regelungen, um der Stadt Planungssicherheit zu geben“.

Maria-Scholz-Schule: Der Mega-Deal betraf auch die Grundschule an der Wiesbadener Straße. Sie soll auf dem Gelände der einstigen alten Feuerwache an der Schwalbacher Straße einen Neubau bekommen. Deshalb bekam der Kreis das Gelände der alten Feuerwache, während das in etwa gleich große Altgelände an der Wiesbadener Straße an die Stadt ging. Die Kreisverwaltung geht davon aus, dass der Schulneubau 2020 steht und die Kinder umziehen können. Das Altareal und das Grundschulgebäude will der Kreis noch bis zum Schuljahresbeginn 2025/26 unentgeltlich „zu Auslagerungszwecken während weiterer Sanierungen und Erweiterungen anderer Schulen in Bad Homburg“ nutzen. Unter anderem ist geplant, die Gesamtschule am Gluckenstein (GaG) zu sanieren (Bericht folgt).

Das Thema im Kreistag

Der Kreistag tagt öffentlich am kommenden Montag von 17 Uhr an im Forum des Landratsamtes in Bad Homburg. Zunächst wird über den Haushalt abgestimmt, anschließend steht die Fortschreibung des Mega-Deals auf der Tagesordnung.

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