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Noch hat Kenny Hunters "Red Boy" das Gotische Haus gut im Blick. Wenn das von Landgräfin Eliza geplante Schlösschen demnächst entkernt und umfassend saniert wird, wird die 2007 angekaufte "Blickachsen"-Skulptur eingehaust.

Bad Homburger Museum wird saniert

Am Gotischen Haus geht es bald los

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Stadt sucht Handwerker zur Entkernung des 200 Jahre alten Schlösschens in Bad Homburg

Dornholzhausen -Vom Einpacken dürften die Mitarbeiter des städtischen historischen Museums in diesem Jahr genug haben. 300 000 Exponate haben sie den Sommer über mit Hilfe einer Fachfirma für den Umzug in diverse Depots vorbereitet. Die 40 000 interessantesten Stücke lagern im bestens gesicherten Horex-Museum. Die Ausstellungshalle für Motorräder im Gewerbegebiet soll - so Corona gnädig ist - am 1. Januar 2021 als Schaudepot öffnen.

Das Gotische Haus, in dem die städtische Kunstsammlung seit 1985 präsentiert worden war, ist komplett ausgeräumt und seit Ende August geschlossen. Dem knapp 200 Jahre alten Schlösschen aus der Landgrafenzeit steht eine große Sanierung bevor, die bis 2023 dauern soll. Zu Beginn des kommenden Jahres soll es losgehen am Tannenwaldweg: Die Stadt sucht nun per öffentlicher Ausschreibung Firmen für die Rückbauarbeiten.

Denn bevor die Pläne für ein zeitgemäßeres Museum umgesetzt werden, muss das Gebäude, das seit 35 Jahren nicht renoviert wurde, entkernt werden. 1500 Quadratmeter Decken, 2500 m² Böden sowie 800 m² Wände müssen abgebrochen, die technische Gebäudeausrüstung rückgebaut und Schadstoffe aus dem Innenausbau entfernt werden. Auch diverse alte Schränke und Regale sowie 30 Vitrinen, zweieinhalb Tonnen Glas und zwei Tonnen Bücher sind laut Ausschreibung zu entsorgen.

Einzeldenkmal im Bauzaun

Auch wenn alle Arbeiten im Innern stattfinden - das schmucke Schlösschen wird zur Baustelle. Container werden auf dem Gelände stehen, ein Bauzaun das Gebäude umgeben. Die Skulpturen im Garten werden zu ihrem Schutz eingehaust. Im April soll die Entkernung fertig sein.

Anschließend wird die umfassende Sanierung des Gotischen Hauses beginnen. Die Tragwerksplanung wurde bereits im Januar ausgeschrieben. Das Einzeldenkmal, das zwischen 1823 und 1825 im Auftrag von Landgräfin Elizabeth ("Eliza") im neugotischen Stil erbaut wurde, soll zu einem modernen Museum ausgebaut werden.

Nässe im Keller, ein schlechtes Klima für Kunstgegenstände und ein fehlender zweiter Fluchtweg für Besucher und Bedienstete neben dem Treppenhaus hatten eine Renovierung ohnehin nötig gemacht. Nun sollen die Räume neu geordnet werden. In der Mitte des Gebäudes soll wie zu Elizas Zeiten ein großer, hoher Raum entstehen - zuletzt waren dort Zwischendecken eingezogen, um mehr Nutzfläche zu haben. Dort könnte nach Wunsch von Museumsdirektorin Dr. Ursula Grzechca-Mohr das große Stadtmodell seinen Platz finden. Ihm zur Seite möchte sie passende Funde stellen - etwa die Terra Sigillata, eine Tonschale aus dem 2. Jahrhundert, die im Kurpark gefunden wurde. "Man muss in einem Museum Geschichten erzählen", hatte sie mal erklärt. Die Spitzbogenfenster würden dann wieder in Gänze zu sehen sein. Und auch ein zeitgemäßeres Lichtkonzept ist geplant.

Ein Frankfurter Architekturbüro, das schon diverse Museen, darunter die Erweiterung des Städel-Museums, umgebaut hat, hat im Auftrag der Stadt eine Machbarkeitsstudie vorgelegt. Man wolle den "Geist des märchenhaften Hauses" wieder einfangen, hatten die Planer vor vier Jahren bei der Vorstellung der Pläne den Mitgliedern des städtischen Kulturausschusses mitgeteilt. Den Eingang zum Museum wollen sie um die Ecke - gegenüber der Bushaltestelle - versetzen. Ins Dachgeschoss des 18,50 Meter hohen Türmchens in der Mitte soll die Technik mit moderner Klimaanlage einziehen. Kühldecken sowie eine Lüftungsanlage sollen Gemälde, Textilien und weitere Exponate besser schützen.

Die jüngste Kostenschätzung für den Umbau lag damals bei 8 Millionen Euro. Somit dürfte die Sanierung des Gotischen Hauses neben dem Kurhaus-Umbau das vielleicht gewichtigste Projekt sein, das die Stadt zu stemmen hat. Auch für die Erbauerin war es ein großes Projekt. Eliza wollte ihrem Gatten, Landgraf Friedrich VI. Josef, ein Schlösschen im Stile ihrer alten Heimat England kredenzen, das für die Jagd, Ausflüge und Festlichkeiten genutzt werden konnte. Doch weil der Gatte bereits 1829 starb, wurde nicht mehr gejagt noch gefeiert. Jahre später wurden hier Erfrischungen angeboten.

Als Sitz der städtischen historischen Sammlung wird in dem Gebäude die Geschichte der Kurstadt und der Landgrafschaft Hessen-Homburg veranschaulicht. Zudem sind dort ein Münzkabinett sowie ein Hutmuseum untergebracht.

Von Anke Hillebrecht

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