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Machen Sie Ihr Spiel: Croupier Yunus Koparan weiht Gäste der Spielbank in die Geheimnisse des Roulettes ein.

Bad Homburger Spielbank

So arbeitet Croupier Yunus Koparan, der Mann am Roulette-Kessel

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Roulette? Da setzt man doch auf eine Zahl und gewinnt oder verliert. Auch, aber nicht ausschließlich. Wie's funktioniert, bekommen Gäste der Bad Homburger Spielbank bei einer Spielerklärung beigebracht - etwa von Croupier Yunus Koparan. Er sorgt nicht nur fürs Spielverständnis, sondern auch für Spaß - und, weil er selbst nie ohne Lackschuhe zur Arbeit kommt, auch einen Hauch Glamour.

Mit lässiger Eleganz wirft Croupier Yunus Koparan (38) die Jetons auf den Spieltisch. Sie landen genau da, wo er sie haben möchte. Auf „Rot“ und auf „Passe“ – das umfasst die Zahlen 19 bis 36. Und dann erklärt er: „Wenn die Kugel auf einer roten Zahl oder auf 19 bis 36 landet, haben Sie gewonnen, allerdings in einer einfachen Chance, im Verhältnis eins zu eins. Der Einsatz wird also verdoppelt.“

Tatsächlich gibt’s beim Roulette viele Setzmöglichkeiten und damit verbundene Gewinnchancen. Etwa die nur in der Spielbank Bad Homburg vergebene „Bad Homburger Viertelchance“, beim Setzen auf die Zahlen eins bis neun oder zehn bis 18 oder 19 bis 27 oder 28 bis 36, mit einer Auszahlungsquote von drei zu eins. Roulette ist also auch ein bisschen Mathe.

Trinkgeld-Etikette

„Die Gäste sollen sich doch wohlfühlen“, sagt Koparan. Und so nimmt der 38-Jährige mit seinen Erläuterungen den Roulette-Anfängern die Angst, sich zu blamieren. Dazu gehört auch, eine kleine Schulung in Sachen Trinkgeld-Etikette: Croupiers haben zwar ein Festgehalt, leben im Prinzip aber vom Trinkgeld aus dem sogenannten Tronc. „Wenn ein Gast gewinnt, rechnen wir schon damit, dass er einen Jeton seines Einsatzes dort hineinwirft. “

Man könnte meinen, der Mann, der immer im Smoking und mit Lackschuhen zur Arbeit kommt, sei in diesem Outfit schon geboren. Aber tatsächlich ist er gelernter Fliesenleger. Gebürtig in Oberursel, heute wohnhaft in Bad Homburg, verbrachte er seine frühe Kindheit in Istanbul, kam dann zurück in den Taunus und besuchte die Erich-Kästner-Schule, später die Feldbergschule in Oberursel. Mit dem Abschluss in der Tasche ging er zu einem in Oberursel ansässigen Fliesenunternehmen und bat um ein Gespräch mit dem Chef. „Ich sagte ihm, ich könne ihm eine schriftliche Bewerbung einreichen, aber es sei doch viel besser, wenn er seinen künftigen Azubi gleich in Augenschein nehmen könnte“, erinnert sich Koparan. Der Firmenchef ließ sich darauf ein, und Koparan schloss als Innungsbester ab.

Er arbeitete einige Jahre in dem Unternehmen, hatte aber damals schon ein Faible für gepflegtes Aussehen. „Ich kam im langärmligen und immer frisch gebügelten weißen Hemd auf die Baustelle“, erinnert sich der Croupier. Beim Fußballspielen habe er dann einen Croupier kennengelernt. „Irgendwie hat das, was er erzählt hat, mich begeistert. Ich bewarb mich und wurde genommen.“ 2008 sei das gewesen – seinen Entschluss habe er nie bereut.

An allen Tischen

„Ich habe jedes Spiel gelernt“, sagt Koparan und zählt auf: „Black Jack, Poker, Roulette – ich bin an jedem Tisch einsetzbar“. Und auch für die Kasse hat er eine Ausbildung gemacht. An die erinnert er sich besonders gut, denn, „eines Tages kam der Saalchef zu mir und sagte, heute sei Jeton-Waschtag“. Er sei zwar aus allen Wolken gefallen, habe sich aber vor den Eimer gesetzt, Spülmittel hineingekippt, Sakko ausgezogen, Ärmel hochgekrempelt, Jetons in den Eimer gekippt und losgelegt. „Es dauerte keine Minute, da standen alle Kollegen um mich herum und hielten sich den Bauch vor Lachen. Sie hatten mir einen Streich gespielt“, erinnert sich Koparan und lacht.

Der Croupier mag es, Menschen aus aller Herren Länder kennenzulernen: „In manchen Kulturen ist es ein Zeichen von Wertschätzung, nach dem Essen aufzustoßen, in anderen ist das ein Affront. Man muss, wenn man Spieler unterschiedlicher Nationen an einem Tisch hat, Geschick beweisen, dass sie alle sich wohlfühlen; vor allem auch, wenn einer gerade zum dritten Mal in Folge gewonnen hat und der andere am Verlieren ist.“

Und was ist mit den Arbeitszeiten? Croupiers fangen nachmittags an und arbeiten bis spät in die Nacht. „Ich habe eine wunderbare Frau, die mich bestärkt, einen Job zu machen, der mich erfüllt. Und als Vater eines Dreieinhalbjährigen sage ich: Die Arbeitszeiten sind optimal. Ich habe vormittags Zeit, um mit dem Sohn zu spielen.“

Info: Die Mutter von Monte Carlo

Am 23. Mai 1841 rollte zum ersten Mal die Kugel in der von François Blanc gegründeten Spielbank in Homburg. 30 Jahre später, am 31. Dezember 1872, schloss das Casino allerdings für viele Jahrzehnte seine Türen. Das Landgrafthum Hessen-Homburg war nach dem Aussterben der Linie Hessen-Homburg im Mannesstamm und einem hessen-darmstädtischen Intermezzo preußisch geworden, und in Preußen herrschte Spielbankverbot.

François Blanc allerdings hatte schon 1863 die Konzession für die Spielbank in Monaco erworben und baute dort das Casino zu einer der berühmtesten Spielbanken der Welt auf. Daher stammt auch die Bezeichnung, die Homburger Spielbank sei „die Mutter von Monte Carlo“. Mit diesem Slogan machte die Spielbank lange Jahre nach ihrer Wiedereröffnung am 7. April 1949 Werbung für sich.

Lange Jahre besaß Werner Wicker die Spielbank-Konzession. Doch als der Konzessionsvertrag Ende 2012 auslief, übernahm die Kur die Geschäfte und führt seitdem die Spielbank.

Glücksspiel ist bis heute das Hauptgeschäft der Spielbank. Die Gäste kommen aber mittlerweile auch ins Restaurant „Le Blanc“ und zum Feiern in die „Lounge“. Am Freitag, 11. Januar, heißt es hier „Back to Soul“ mit der Band „Hutch & Friends (Beginn: 21 Uhr, Eintritt frei) oder, am 25., der hr1-Dancefloor (Beginn: 20 Uhr, Eintritt: 8 Euro). Zudem verwandelt sich die Lounge jeden Freitag und Samstag von 22 Uhr an in einen Dance-Club, und immer sonntags von 15 bis 19 Uhr gibt’s „Tea & Dance“.

( sbm)

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