Corona-Testcenter

Öffnung mit Corona-Schnelltest: Bad Homburg will Modellstadt werden

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Bad Homburg im Hochtaunus bemüht sich um Sonderregelungen der Corona-Verordnung. Aus Wiesbaden gibt es positive Signale.

Bad Homburg – Kühl war es am vergangenen Wochenende in Tübingen - und dennoch war es bereits sehr voll in der Altstadt. Denn das Universitätsstädtchen am Neckar hatte kurz zuvor den Tages-Pass eingeführt: Nach negativem Corona-Schnelltest, den man allüberall in der Stadt machen lassen kann, stehen Besuchern Geschäfte, Theatervorführungen und Außengastronomie offen. So könnte es auch bald in Bad Homburg laufen. Die Kurstadt hat ein Konzept ans Land Hessen geschickt, um Corona-Modellstadt für Hessen nach Tübinger Modell zu werden.

Bad Homburg will Corona-Modellstadt werden – Sonderverordnung aus Hessen nötig

Etwas Endgültiges hatte OB Alexander Hetjes (CDU) am Donnerstag (25.03.2021) zwar noch nicht aus Wiesbaden gehört; positive Signale jedoch schon. „Wir gehen davon aus, dass wir Modellstadt werden“, sagt der Rathauschef zuversichtlich. Denn gerade hatte seine Parteikollegin, Bundeskanzlerin Angela Merkel, verlautbart: „Das können doch alle Bürgermeister in Deutschland machen, da spricht nichts dagegen“, als es um Öffnungen im Zusammenspiel mit Schnelltests ging. „Das nehme ich als Freibrief“, so Hetjes augenzwinkernd.

Dennoch braucht die Kurstadt Bad Homburg den Segen vom Land Hessen, denn ohne dessen ausdrückliche Genehmigung würde sie mit dem Vorhaben gegen die hessische Pandemie-Verordnung verstoßen, die in allen hessischen Städten und Landkreisen gilt. „Wir brauchen eine Sonder-Verordnung, wie auch Tübingen sie vom Land Baden-Württemberg hat“, erklärt der Rathauschef.

Bad Homburg zur Modellstadt: Corona-Testmöglichkeiten müssen ausgeweitet werden

Starten mit dem Tages-Pass möchte Hetjes am 12. April, in der zweiten Osterferienwoche. Sein Grobkonzept fußt auf vier Säulen: Einzelhandel, Gastronomie, kulturelle Angebote, die dann mit dezimierter Besucherzahl wieder stattfinden könnten, und Sport, auch im Innenbereich.

Derzeit ist man im Rathaus dabei, die möglichen Abläufe zu koordinieren. Darf das Corona-Tages-Ticket in Bad Homburg eingeführt werden, müssen - das ist klar - auch die Testmöglichkeiten noch ausgeweitet werden. Hetjes hofft, dass unter anderem größere Geschäfte ihre Kunden vor dem Laden selbst testen und dann Tages-Pässe ausstellen können. Auch in Tübingen gibt es viele Teststationen unter freiem Himmel.

Großer Andrang auf Corona-Schnelltests in Bad Homburg

Derzeit bekommt man hinterm Kurhaus, in der Erlenbachhalle und an den Kliniken bereits einen Schnelltest. Die Nachfrage allein am Kurhaus ist kräftig gewachsen: Wie Mit-Initiatorin Claudia Müller-Eising berichtet, sind seit dem Start am vergangenen Montag bis gestern Nachmittag mehr als 500 Personen getestet worden. Allein 200 kamen gestern Vormittag.

Positive Ergebnisse zeigen sich unverhofft, denn die Testlinge im Kurhaus dürfen keine Symptome haben, und auch das Fieberthermometer darf vorm Testen keine erhöhte Temperatur anzeigen. Am Dienstag waren von 160 Personen acht Corona-positiv - ein Cluster innerhalb einer Firma. „Wir ziehen einige Infizierte raus“, resümiert Müller-Eising. Für 80 Prozent der Getesteten war es der erste Corona-Test überhaupt. „Man darf die Leute nicht zu Hause einsperren“, so ihr Fazit. „Denn einkaufen gehen sie ja doch.“

Besagte acht Personen, die nicht wussten, dass sie das Virus in sich tragen, hätten vermutlich noch weitere Menschen angesteckt - nun müssen sie in Quarantäne. „Somit helfen die Schnelltests, die Infektionsketten zu verringern“, erklärt Müller-Eising, die - sollte Bad Homburg Modellstadt werden - auch Einzelhändler im Testen schulen dürfte.

Positive Resonanz für Corona-Schnelltest-Zentren in Bad Homburg

Alle drei Corona-Schnelltest-Zentren in Bad Homburg (Hochtaunus-Kliniken, Kurhaus und Erlenbachhalle) werden laut Stadt sehr gut angenommen. Um des größer werdenden Andrangs Herr zu werden, wurde gestern Nachmittag das Testzentrum im Kurhaus von der Theatergarderobe im Untergeschoss nach draußen, in den Kurhausgarten, verlegt. Die Bad Homburger Feuerwehr hat dort eigens eine Zeltstadt errichtet, die wohl noch erweitert wird. Dort wird fortan immer getestet, auch bei Regen.

Das von dem Bad Homburger Unternehmen Neuroneum und der Engel-Apotheke betriebene Testzentrum im Kurhausgarten hat weiterhin zu den bekannten Zeiten geöffnet: Montag bis Freitag jeweils von 9 bis 12 und von 16 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr. Das Testzentrum der Rosen-Apotheke in der Erlenbach-Halle bietet Schnelltest von Montag bis Freitag zwischen 13 und 15 Uhr sowie an einem Tag am Wochenende von 15 bis 18 Uhr an. Näheres erfährt man bei der Anmeldung unter der Rufnummer (0 61 72) 4 96 40. Das Testzentrum in den Hochtaunus-Kliniken ist von Montag bis Donnerstag jeweils von 7.30 bis 11.30 Uhr sowie freitags von 7.30 bis 9.30 Uhr besetzt.

Bad Homburg: Vorzeige-Kommune in Hessen im Kampf gegen Corona

Doch auch andere hessische Kommunen wollen Corona-Modellstadt werden: Rüdesheim (Rheingau-Taunus, Inzidenz 68,9), Bad Nauheim (Wetteraukreis, 119,3) und Alsfeld (Vogelsbergkreis, 87,1) haben sich beim Sozialministerium mit einem Konzept beworben. „Bad Homburg hat da eine richtige Welle losgetreten“, sagt OB Hetjes selbstbewusst.

  • Bewerber als Corona-Modellstadt in Hessen:
  • Bad Homburg (Hochtaunus)
  • Rüdesheim (Rheingau-Taunus)
  • Bad Nauheim (Wetterau)
  • Büdingen (Wetterau)
  • Alsfeld (Vogelsberg)
  • Frankfurt
  • Wiesbaden
  • Fulda

Unterdessen lobt die FDP Bad Homburg Hetjes‘ Initiative. „Mehr testen und dadurch auch mehr öffnen“ will Ortsvorsitzender Tim Hordorff. „Jetzt liegt der Ball bei der Landesregierung.“ Doch es brauche zusätzlich eine digitale Lösung, die sicherstelle, dass für die Unternehmerinnen und Unternehmer nicht ein Mehr an Bürokratie entsteht. „Wer einen negativen Test gemacht hat, braucht einen digitalen Ausweis, der für eine gewisse Zeit in den Geschäften unserer Stadt ausgelesen werden kann“, so Fraktionschef Philipp Herbold. Das Modell müsse in allen Stadtteilen seinen Platz finden. Hordorff: „Einzelhandel und Gastronomie finden nicht nur auf der Louisenstraße statt.“ Der Hochtaunuskreis und Bad Homburg seien seit Langem Vorzeige-Kommunen für Hessen. Das Land dürfe dem nicht weiter Steine in den Weg legen. (Von Anke Hillebrecht)

Rubriklistenbild: © saj

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