1. Startseite
  2. Region
  3. Hochtaunus
  4. Bad Homburg

Auf Homburgs wichtigsten Kunstwerken liegt Schimmelstaub

Erstellt:

Von: Anke Hillebrecht

Kommentare

Baustelle Museum: Mit einem Gerüst haben Mitarbeiter den defekten Motor eines der runden Deckenfenster gesichtet
Baustelle Museum: Mit einem Gerüst haben Mitarbeiter den defekten Motor eines der runden Deckenfenster gesichtet © tz

Coronapause in Kombination mit Stürmen macht Horex-Museum zur Baustelle

Bad Homburg -Für Kulturbetriebe ist die Pandemiezeit Gift, denn sie mussten lange Zeit geschlossen bleiben. Für die Bad Homburger Kunstsammlung war sie in doppelter Hinsicht schädlich, wie sich jetzt herausgestellt hat. Denn es haben sich nicht nur die Besucherzahlen des städtischen historischen Museums im Vergleich zu 2012 auf rund ein Zehntel reduziert - außer Corona war hierfür auch der Umbau des Gotischen Hauses schuld. Nun hat es im Horex-Museum auch noch einen Schimmelausbruch im Keller gegeben, so dass die ausgesuchten Bilder, Skulpturen und Möbel, die dort komprimiert ausgestellt sind, weiterhin vorerst nicht zu sehen sein werden. "Wir sind museumslos", resümierte Museumsleiterin Dr. Ursula Grzechca-Mohr in der jüngsten Sitzung des Kulturausschusses.

Wie konnte das passieren? Weil das Gotische Haus in Dornholzhausen so lange unbenutzbar ist, wollte man dennoch "erreichbar sein", erläuterte die Museumsleiterin. Deshalb wurde der repräsentativste Teil der Sammlung auf engstem Raum im Horex-Museum konzentriert - nicht zuletzt, weil das neuere Gebäude im Gewerbegebiet diebstahlsicher und die Klimatechnik für Kunstwerke geeignet ist.

Dann ereignete sich im November ein größerer Wasserschaden im Keller des Lokals "Take", das sich mit dem Horex-Museum das Untergeschoss teilt. Weil das Lokal aufgrund der Pandemie geschlossen hatte, fiel das nicht sofort auf. Schwarzschimmel breitete sich über den Boden aus und kroch die Wände hoch. "Trotz regelmäßiger Wartung und Kontrollen", ergänzt Hauseigentümer Peter Löw, der die Museumsflächen an die Stadt vermietet hat.

Versicherung trägt den Schaden

Der Estrich im Keller wurde bereits entfernt, Teile der Wände ausgekoffert, damit sich der Schimmel nicht weiter ausbreitet. Dann aber kam am 30. Januar ein stärkerer Sturm, der, wie Grezechca-Mohr berichtete, den Abbruchstaub über Ritzen im Aufzug nach oben trieb. "Das war wie ein Kamineffekt", so die Museumsleiterin.

Etwa 200 Gemälde, 50 Skulpturen sowie diverse Möbelstücke und andere Exponate, die offen im Erdgeschoss oder ersten Stock stehen, wurden mit einem millimeterdünnen, aber zähen und sporenhaltigen Staub überzogen. "Das sind unsere exklusivsten Stücke der Sammlung", betonte sie. Momentan sind ein Mitarbeiter der Firma Löw Immobilien und eine Mitarbeiterin des städtischen Fachbereichs Gebäudemanagement dabei, die Schäden zu sichten und der Gebäudeversicherung zu melden. Die werde den Schaden bezahlen, so Grzechca-Mohr. Dessen Höhe sei noch nicht bezifferbar; es sei aber ein höherer Schaden. Denn ein auf die einzelnen Kunstgattungen spezialisiertes Restauratorenteam werde sämtliche Stücke von Vorder- und Rückseite vom Staub befreien müssen.

Wenn alles sauber und auch der Keller wieder nutzbar ist, - dort befindet sich unter anderem die Toilette -, könne das Museum wieder öffnen. Auch ist der Motor eines der runden Deckenfenster defekt und muss erneuert werden. Löw geht davon aus, dass die Reparaturarbeiten im Keller im April abgeschlossen sein werden. Könnte man es selbst machen, wäre man längst fertig, erklärt er, doch die Koordination mit der Sanierungsfirma und der Versicherung sei sehr aufwendig.

Grzechca-Mohr hofft, dass das Schaudepot im Juni wiedereröffnen kann. Denn wegen der Pandemie musste das Horex-Museum Ende August 2020 schließen und hatte 2021 lediglich zwei Wochen im März und dann nur im Sommer und Herbst geöffnet, was zum Einbruch der Besucherzahlen beitrug. Außerdem habe man wegen des Staubvorfalls schon etliche Stücke, die gut zu der großen Ausstellung "400 Jahre Landgrafenschaft" gepasst hätten, nicht beisteuern können - die Schau wird am kommenden Wochenende im Stadtarchiv eröffnet.

Umbau im Gotischen Haus geht voran

Das Gotische Haus, Sitz der städtischen Kunstsammlung, wird derzeit brandschutztechnisch saniert und modernisiert. Die 130 000 Objekte lagern in Depots, die besten 40 000 im Schaudepot Horex-Museum. Das Haus wurde geräumt und entkernt. Die Elektroleitungen sind inzwischen neu verlegt. "Wir wissen, wie die Räume künftig aussehen werden", so die Museumsleiterin. Der Innenausbau gehe zügig voran.

Im Keller wurden der Estrich und Teile der Wände ausgekoffert.
Im Keller wurden der Estrich und Teile der Wände ausgekoffert. © tz

Auch interessant

Kommentare