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Prozess

Taxifahrer rastet aus, weil Gast ins andere Taxi stieg

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Taxifahrer brauchen mitunter eine Menge Geduld, bis die Kundschaft kommt. Man wartet und wartet – und das kann an den Nerven zehren.

Taxifahrer brauchen mitunter eine Menge Geduld, bis die Kundschaft kommt. Man wartet und wartet – und das kann an den Nerven zehren. Ärgerlich allerdings wird es, wenn man in der Taxi-Reihe ganz vorne steht, aber dann ein Fahrgast in das dahinter stehende Fahrzeug steigt. Genau das ist am 5. Juni dieses Jahres, gegen 1.45 Uhr, vor dem Bad Homburger Bahnhof geschehen.

Zunächst verbaler Streit, dann eskaliert die Situation

Zu dieser Zeit stieg nämlich eine Frau in das auf Platz zwei wartende Taxi ein. Das wiederum missfiel dem vor dem Wagen stehenden Kollegen (42), es kam zum Streit. Die Auseinandersetzung zwischen den beiden Taxifahrern war zunächst verbaler Natur. Dann allerdings verpasste der Fahrer, der an erster Stelle der Schlange gestanden hatte, jenem in dessen Taxi die Frau gestiegen war, durch das geöffnete Fenster zwei Faustschläge gegen den Kopf. Als daraufhin der Geschlagene (50) ausstieg, kam es zu weiterem Gerangel. Am Ende gingen dann andere Taxifahrer-Kollegen dazwischen. Und, wie so oft im Leben: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Der fuhr nämlich schlussendlich die Frau zu ihrem Ziel nach Köppern.

Bei dem Streit hatte der angegriffene Taxifahrer Verletzungen im Gesicht, unter anderem eine blutende Lippe, davongetragen. Er musste zwar seine Nachtschicht nicht abbrechen, doch er hatte laut eigenen Aussagen einige Tage Schmerzen am Kopf und im Nacken. Deswegen zeigte er seinen Kollegen auch wegen Körperverletzung an.

Durchs Fenster mit der Faust zugeschlagen

Mittels Strafbefehls erhielt der 42 Jahre alte Kontrahent danach vom Gericht eine Geldstrafe in Höhe von 2500 Euro, gebildet aus 50 Tagessätzen zu je 50 Euro. Dagegen hatte der Mann allerdings Einspruch eingelegt, der nun bei Gericht verhandelt wurde. Der Angeklagte versuchte in der Verhandlung seine Tat zu rechtfertigen. Der andere habe ihn, er habe sich nur verteidigt, behauptete er.

Doch das war laut Zeugenaussagen nicht der Fall. Diese berichteten nämlich, dass der Angeklagte durch das offene Fahrzeugfenster mit der Faust auf den Kollegen eingeschlagen hatte.

Vorsätzliche Körperverletzung

Das Gericht sah danach den Angeklagten der vorsätzlichen Körperverletzung überführt. Dennoch hatte sich der Einspruch gegen den vorausgegangenen Strafbefehl als vorteilhaft für ihn erwiesen. Der Angeklagte bekam nun von der Richterin eine Geldstrafe in Höhe von nur noch 500 Euro. Zwar wurde die Anzahl der Tagessätze beibehalten, doch die Tagessatzhöhe wurde wegen des geringen Einkommens des in Teilzeit tätigen 42-Jährigen auf zehn Euro gesenkt. Mit ein Grund für das relativ milde Urteil war, dass der Angeklagte bisher nicht straffällig geworden war. Die Richterin sagte zum Angeklagten: „Es war eine Tat aus nichtigem Anlass.“

Übrigens, auf Anfrage dieser Zeitung bestätigte die Taxi-Zentrale, dass ein Fahrgast nicht verpflichtet ist, in das vordere Taxi einzusteigen. „Der Fahrgast kann sich das Taxi frei auswählen“, so die Auskunft.

(hab)

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