Förster Günter Busch (mit Hund Bea) zeigt Antonie Thiel (St. Marien) sowie Pfarrer Rüdiger Guckelsberger (St. Marien/li. nach re.) die jungen Setzlinge, die von der Gemeinde gespendet wurden.
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Förster Günter Busch (mit Hund Bea) zeigt Antonie Thiel (St. Marien) sowie Pfarrer Rüdiger Guckelsberger (St. Marien/li. nach re.) die jungen Setzlinge, die von der Gemeinde gespendet wurden.

Natur

Hitze macht dem Wald zu schaffen: „Klimawandel längst da und noch lange nicht am Ende“

  • VonAlexander Schneider
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In Bad Homburg sind 80 Prozent der Fichten bereits verschwunden. Die Prognosen für die Zukunft stehen schlecht. Doch es gibt einen Lichtblick.

Bad Homburg - Einen Nachfolger braucht Bad Homburgs Stadtförster Günter Busch zwar so schnell noch nicht, ein paar Jahre hat er schon noch. Dennoch weiß er bereits jetzt, dass er das Ziel, das er sich, wie jeder Förster, bei Antritt seines Dienstes und für den ihm anvertrauten Wald ausgegeben hat, in der ihm verbleibenden Zeit nicht mehr erreichen wird: den Bad Homburger Wald in einem besseren Zustand weitergeben als in dem, in dem er ihn selbst übernommen hat - das wird nichts mehr.

Zu viel sei kaputt und zu wenig lasse sich auch nur in der Zeit, die es gebraucht hat, den Wald sterben zu lassen, reparieren, "das dauert Jahrzehnte".

Keine Chance für Fichten im Bad Homburger Wald

Ein Schwarzmaler ist Günter Busch nicht. Dennoch ist er überzeugt, dass ein halbwegs feuchter Sommer 2021 nur eine kurze Pause bis zur nächsten Hitzeperiode ist: "Wir planen eine Zukunft, die wir selbst nicht kennen, der Klimawandel ist längst da und noch lange nicht am Ende." Noch immer seien die Böden je nach Höhenlage erst bis in 80, 90 Zentimeter Tiefe durchfeuchtet - zu wenig, um den Bäumen Wasser zum Leben zu bieten.

Wird Busch gefragt, wie das Waldbild in etlichen Jahren, im Lebenszyklus von Bäumen eher ein Wimpernschlag, aussehen wird, sagt er: "Schaut in die Toscana, genau so . . ." Fichten, da ist sich Busch sicher, wird es schon in wenigen Jahren im Stadtwald keine mehr geben, "80 Prozent sind schon weg, und wir werden keine nachpflanzen, sie wären chancenlos".

Bad Homburger Wald in Gefahr: Viel Hoffnung und Zuversicht nötig

So sind denn auch kürzlich auf der riesigen, durch Borkenkäfer, Hitze und einen Sturm am 24. April 2019 komplett entwaldeten Kalamitätsfläche an der Herzbergstraße - dort hatten viele 120 bis 130 Jahre alte Buchen und Fichten gestanden - etwa 800 Buchen neu gepflanzt worden. Die Setzlinge waren eine Spende der Katholischen Kirchengemeinde St. Marien zu deren 150-jährigem Bestehen 2020. "Anfangs sollten es nur symbolische 150 Bäumchen sein, dann wurden es aber doch ein paar mehr", freut sich Busch, für den eine solche Pflanzaktion schon ein Stück dessen ist, weshalb er überhaupt Förster geworden ist.

Gleichwohl ist es aber kaum mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Den jungen Bäumen, von denen die letzten im Frühjahr gepflanzt wurden, gehe es gut, "kaum Ausfälle, aber wie's weitergeht, weiß niemand", sagt Busch. Zu wissen, dass allein dieses Jahr rund 50 000 Bäume - meist Douglasien, Eichen, Buchen, aber auch Wildkirsche, Lärche, Edelkastanie und Bergahorn - gepflanzt werden, denen keine sichere Wuchsprognose gestellt werden könne, erfordere schon viel Zuversicht, sagt Busch in der Hoffnung, dass es das Gros des Waldnachwuchses trotz Hitze und Käfer schafft.

Wald in Bad Homburg: Rehe fressen junge Bäume

Dazu gehöre aber auch, den überbordenden Rehwildbestand kurz zu halten. Rehen, die in der Wildpopulation als Selektierer gelten, kann man als Förster keinen größeren Gefallen tun, als junge, leckere Bäumchen zu pflanzen. Die Bestände drohen zu explodieren, finden sie auf den Rodungsflächen doch ein Überangebot an Äsung, über die sie sich im Schutze rasant wachsender Brombeerhecken in aller Ruhe hermachen können. Es gelte also, die Setzlinge durch Einzelschutz oder Eingatterung teuer gegen Wildverbiss zu schützen und die Abschusszahlen gleichzeitig deutlich zu erhöhen.

Ein weiteres Problem bei der Wiederaufforstung sei der Adlerfarn, dessen gefiederte Zweige fast mannshoch werden. "Zwischen den Pflanzen haben die Setzlinge keine Chance, sie werden überwuchert. Wir könnten den Farn vor dem Pflanzen zwar mähen, aber er wächst im Handumdrehen nach", erklärt Busch, der das wuchernde Grün deshalb "knüppeln" lässt: "Wir hauen es mit Stöcken um, die Zweige knicken, brechen aber nicht und leben weiter. Das verschafft den Setzlingen Luft und Licht." (Alexander Schneider)

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