tzh_detlevboerse_151020
+
Ein Bad Homburger Bub hat Spaß am Krimischreiben gefunden: Detlev Fechtner mit seinem jüngst erschienenen Börsen-Krimi "Tod im Bankenviertel".

Neuerscheinung

Tod im Frankfurter Bankenviertel: Ein Börsenkrimi

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
    schließen

Detlef Fechtner, Finanz-Journalist aus der Kurstadt, legt einen Börsen-Krimi vor. Die Handlung spielt im Frankfurter Bankenviertel.

Bad Homburg – Wie verwundbar unser tägliches Miteinander ist, zeigt uns gerade das Coronavirus. Dass auch die internationalen Finanzmärkte schnell ins Wanken geraten können, war an Ereignissen wie der Immobilienblase oder zuletzt dem Wirecard-Skandal abzulesen. Aber könnten auch Falschmeldungen über Unternehmen den Börsenkurs abstürzen lassen?

Eine Frage, die sich der Finanz-Experte Detlef Fechtner, Vize-Chef der Börsen-Zeitung, schon seit Jahren stellt. Fehler und Ungeschicklichkeiten, die die Märkte beeinflusst haben, hat er im Laufe seiner Karriere schon einige beobachtet. "Doch was wäre, wenn da mal jemand mit krimineller Energie und richtig viel Geld rangehen würde?", fragt sich der 55-Jährige.

Der Zahlenmensch hat es ausformuliert und eine Kriminalgeschichte rund ums Frankfurter Bankenviertel gestrickt. Sie beginnt mit dem dumpfen Geräusch, nachdem ein Terminmarkthändler aus dem 47. Stock einer Großbank gestürzt ist, und führt zu einer Verfolgungsjagd, bei der ein eifriger Jung-Reporter und eine Wirtschaftsprofessorin um ihr Leben bangen müssen.

Die Handlung spielt in und um Frankfurt, genaue Ortsangaben inklusive; man sitzt mit dem Polizeipräsidenten im Auto, am Konferenztisch einer Zeitung und bricht mit dem kühnen Jung-Reporter Oskar in die Räume der Ganoven ein. Zuweilen wird hessisch gesprochen. In Zwischenkapiteln, ganz wie bei Nele Neuhaus, bekommt man mit, wie die kriminellen Finanzprofis ticken. Sie wollen einen Absturz der Aktienkurse provozieren, um daran kräftig zu verdienen. Mit Hilfe der Bundesbank wird ein Börsencrash gerade noch verhindert.

Klar, mancher Handlungsstrang ist unwahrscheinlich, aber das Buch liest sich in einem Rutsch und man möchte wissen, wie sich der neugierige Reporter, dem das Glück hold ist, aus seiner misslichen Lage befreit. Die Helfershelfer der Gangster, karikiert wie Pat und Patachon, scheinen dagegen nicht die Schlauesten zu sein.

Und wann hat man als Vize-Chefredakteur Zeit zum Krimischreiben? "Samstagsmorgens vor dem Brötchenholen", so Fechtner. In Bad Homburg ist er groß geworden. Er ging auf die Hölderlin-, die Gesamt- und schließlich die Humboldtschule, hat in der DJK in Kirdorf gekickt und bei der Volksbühne Theater gespielt - "auch mal in einer Krimi-Komödie", erinnert sich der 55-Jährige. Mit Otto Mayr habe er eine Zeitlang beim Bad Homburger Sommer moderiert. Bekannter dürfte noch sein Vater Harald Fechtner sein. Unter OB Klein war der überzeugte Sozialdemokrat von 1970 bis '75 Stadtverordnetenvorsteher, war Gründungsmitglied des Laternenfestvereins und Vorsitzender von "Alt Homburg". Heute lebt der 89-Jährige im Rind'schen Bürgerstift, wo der Sohn ihn regelmäßig besucht.

Dessen Buch ist in einer Auflage von 2000 erschienen - die Hälfte ist verkauft. Wirtschaftskrimis gibt es nach Worten von Societäts-Verlagsleiter Dr. René Heinen nur wenige. "Fechtner löst alles ein, was die Leser von einem regionalen Krimi erwarten: Originalität und Realismus der Schauplätze, jede Menge Lokalkolorit und natürlich typisch hessische Einlassungen und Verhaltensweisen der Akteure", so Heinen.

Und ist Fechtner schon an einem nächsten Krimi dran? Nein. "Ich freue mich darauf, jetzt erst einmal wieder viele Krimis selbst zu lesen, bevor ich darüber nachdenke, einen weiteren zu schreiben", sagt der Autor. Und überhaupt: "Manchmal ist die Wirklichkeit sowieso ziemlich nah dran am Krimi."

VON ANKE HILLEBRECHT

Das Buch

Detlef Fechtner: Tod im Bankenviertel, ISBN-10: 3955423816. Societäts-Verlag, 15 Euro.

Lesung am Samstag

Kommenden Samstag, 17. Oktober, von 19 Uhr an liest Fechtner im Hotel Jumeirah in Frankfurt. Tickets sind ausverkauft; über www.buchmesse.de/veranstaltungen kann man aber kostenlos virtuell teilnehmen.

Der Mensch

Dr. Detlef Fechtner wurde in Bad Homburg geboren und verbrachte seine Jugend hier. Nach dem Studium (Politikwissenschaften, Wirtschaft, Geschichte und Europa-Studien) startete er als Finanz-Reporter bei der Nachrichtenagentur vwd, schrieb für die Frankfurter Rundschau sowie für die WAZ. Elf Jahre lang war er EU-Korrespondent der Börsen-Zeitung in Brüssel. Seit 2016 ist er stellvertretender Chefredakteur des am Finanzplatz Frankfurt ansässigen Wirtschaftsblattes. Mit seiner Frau lebt Fechtner (55) ebenfalls in Frankfurt; er hat zwei Töchter (22 und 24).

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare