Der 32 Jahre alte Schriftsteller Lucan Friedland wird im August die Hölderlin-Wohnung beziehen und für zwei Monate in Bad Homburg wohnen, um sich der Arbeit an seinem Debütroman zu widmen.
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Der 32 Jahre alte Schriftsteller Lucan Friedland wird im August die Hölderlin-Wohnung beziehen und für zwei Monate in Bad Homburg wohnen, um sich der Arbeit an seinem Debütroman zu widmen.

Portrait

Bad Homburg bekommt einen neuen Stadtschreiber

  • VonKatja Schuricht
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Lucan Friedland wird neuer Stadtschreiber von Bad Homburg und freut sich auf Veränderungen nach der Corona-Routine. Einen besonderen Ort kennt er schon.

Bad Homburg -Manchmal kommt alles anders als gedacht. "20 Sekunden, bevor die Zusage kam, hatte ich mich beim Frühstück noch gefragt, wo eigentlich die Absage aus Bad Homburg bleibt", erzählt Lucan Friedland. "Dann bekam ich die E-Mail und habe mich gefreut."

Friedland ist jetzt zum Bad Homburger Stadtschreiber 2021 ernannt worden und erhält das "Land in Sicht-Stipendium".

"Stadtschreiber war ich vorher noch nie", sagt der 32-Jährige, der in wenigen Wochen seine Koffer packen und für zwei Monate in Bad Homburg leben und schreiben wird. Seit 2017 setzt der Hessische Literaturrat mit Unterstützung des Hessischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst das Projekt "Land in Sicht: Autorenresidenzen im ländlichen Raum" um. Zu den bisherigen Stipendiaten zählen Jan Wilm, Safiye Can, Vito von Eichborn und Jenifer Becker, informiert der Hessische Literaturrat. Die Stadt Bad Homburg hat sich für den Autor Friedland entschieden. Der 32-Jährige erhält das mit insgesamt 5000 Euro dotierte Stipendium und freut sich schon auf seine Zeit, die er von August bis September in der Hölderlin-Wohnung in der Villa Wertheimer verbringen wird.

Bad Homburg: Neuer Stadtschreiber freut sich auf die Aufgabe

Im TZ-Interview verrät, was er sich für sein Schreiben wünscht. "Im Lockdown habe ich jeden Morgen nach derselben Route den gleichen Kaffee auf derselben Bank getrunken und danach dieselben Raben mit meinem Sesamring gefüttert. Jetzt freue ich mich auf eine neue Stadt, neue Wege, einen neuen Alltag und wie er sich auf mein Schreiben auswirken wird. Außerdem wurde mir gesagt, ich dürfte auch den anliegenden Park zur Hölderlinvilla auf- und wieder abschließen. Ich weiß noch gar nicht was das genau bedeutet, aber darauf freue ich mich auch sehr", erzählt Friedland.

Lucan Friedland ist in Gelnhausen aufgewachsen und hat Kreatives und Literarisches Schreiben in Hildesheim und Leipzig studiert. In Leipzig lebt er auch. Derzeit schreibt er an seinem Debütroman. Von was wird sein Debüt handeln? "So vage wie möglich: Er erzählt von acht fiktionalen Biografien und auch von Schach", berichtet Friedland. Deshalb will der neue Stadtschreiber in Bad Homburg auf alle Fälle den Schachverein besuchen und die Spielenden befragen.

Spielbankbesuch in Bad Homburg bleibt im Gedächtnis

"Ansonsten werde ich es wie in anderen Städten machen: In eine Richtung gehen und gucken was kommt. Vielleicht werde ich noch versuchen, meine 100 Euro zurückzugewinnen", meint er. Denn bei seinem ersten Besuch in Bad Homburg habe er einen Abend in der Spielbank verbracht. Deshalb verbindet er mit Bad Homburg vor allem dieses Erlebnis. "Ich war vielleicht 20, hatte mir einen Anzug organisiert und war relativ überzeugt, reich zu werden. Dreißig Minuten später hatte ich mein gespartes Geld (100 Euro) verloren und fuhr wieder nach Hause", erzählt er.

"Ich freue mich schon sehr über die Möglichkeit, in Bad Homburg Fährten von Spielern und dem Spiel selbst aufzunehmen und literarisch weiterzuführen", fügt der zukünftige Stadtschreiber hinzu. Und wie fühlt es sich an, bald in Hölderlins Wohnung leben zu können? "Zuerst hatte ich das gar nicht verstanden, weil ich von Hölderlins Wohnorten nur den unheimlichen Turm kannte. Kurz hatte ich mich gefragt, wohne ich vielleicht da, wo Hölderlin verrückt geworden ist? Jetzt hoffe ich, dem milden Geist Hölderlins zu begegnen", so Friedland, der auch verrät, was ihn inspiriert und was er mit seinen Texten weitergeben möchte. "Mich können die unterschiedlichsten Dinge auf die unterschiedlichste Art inspirieren, aber immer, wenn es durch einen Text, zu dieser Form von Telepathie mit einem anderen Menschen und seinen Gedanken kommt, finde ich das schon inspirierend. Das würde ich gerne schaffen, ansonsten habe ich kein Programm", sagt der 32-Jährige, der seine erste Geschichte im Alter von zehn Jahren geschrieben hat - die Idee dazu hatte er, als er einmal das japanische Videospiel "Zelda" gespielt hat. "Danach habe ich die Geschichte eins zu eins aufgeschrieben. Alles war geklaut, aber mir kam es vor, als hätte ich meinen eigenen fünfseitigen Roman geschrieben", meint er.

Danach, fügt er hinzu, habe er immer sporadisch und im Geheimen geschrieben. "Als ich dann an der Schreibschule angenommen wurde, ging es immer mehr in Richtung Öffentlichkeit." Welche Autoren liest Friedland gerne? "Ich habe immer Phasen, wo ich mich durch Werke lese. Gerade will ich alles von der amerikanischen Schriftstellerin Chris Kraus und von Ryu Murakami (nicht zu verwechseln mit Haruki Murakami!) lesen." Von Katja Schuricht

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