Chef-Schlossgärtner Peter Vornholt inmitten von blauen Sternhyazinthen. Sie symbolisieren die Fläche des früheren Karautschenteichs im unteren Schlosspark.
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Chef-Schlossgärtner Peter Vornholt inmitten von blauen Sternhyazinthen. Sie symbolisieren die Fläche des früheren Karautschenteichs im unteren Schlosspark.

Frühling im Schlosspark

Bad Homburg: Blaues Blütenmeer erinnert ans Wasser

  • Anke Hillebrecht
    vonAnke Hillebrecht
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Im Bad Homburger Schlosspark ist der Frühling eingekehrt. Die Gärtner haben dort 50 000 Blumenzwiebeln gesetzt.

Bad Homburg -Mit Macht hält der Frühling Einzug. Ein wunderschöner Ort, um eine Vielzahl bunter Blumen und das "Schlüpfen" der Blätter zu beobachten, ist der reich bepflanzte Schlosspark. Dort haben die Gärtner schon, als noch lange nicht an Frühling zu denken war, Vorkehrungen getroffen. Rund 50 000 Blumenzwiebeln stecken im Boden, die jetzt nach und nach ihre grünen Triebe blicken lassen und erblühen. Gerade kommen die Narzissen, pünktlich zu Ostern.

"Das Wetter spielt mit", erklärt Chefgärtner Peter Vornholt erfreut. Weil es lange noch relativ kalt war, "explodiere" die Natur nicht so wie häufig um diese Zeit. Schneeglöckchen hatten ihre Zeit, Märzenbecher, Krokusse, die im Februar und März die Augen erfreuten. Und auch Narzissen und Tulpen. Insgesamt könnte der Frühling so fast zwölf Wochen dauern, weil die späteren Sorten tatsächlich später kommen. "Wie wir es uns vorstellen", so Vornholt.

Sehr viele Narzissen stehen im Boskett, dem Abhang zwischen oberem Schlossgarten und Teich. Dort wie anderswo haben die Gärtner die Wege ausgebessert und die Gehölze geschnitten. Ein neues Frühjahrskleid hat "Goethes Ruh'" bekommen. Das ins Boskett eingebettete kleine lauschige Rondell mit dem Holzhäuschen wurde nach sechs Jahren komplett neu bepflanzt - zum zweiten Mal überhaupt.

Dichternarzissen und Immergrün

Dabei haben Vornholt und sein Team einen Blick in die überlieferten Bestelllisten der englischen Landgräfin Elizabeth von Hessen-Homburg ("Eliza", 1770-1840) geworfen. In der Senke des ehemaligen Steinbruchs haben Auszubildende der Schlossgärtnerei unter anderem Perlkörbchen, Funkien, Dreimasterblumen, Kugelprimeln, Aschwurz und bodendeckenden Teppich-Fingerstrauch eingepflanzt. "Es sind Stauden, die auch Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) in seinem Weimarer Garten kultivierte", so Vornholt. Auf die "Dichternarzissen" muss man aber noch ein paar Tage warten. Der Ort erinnert an den Dichter und ein poetisch besungenes Stelldichein mit einer Homburger Hofdame. Wer mehr erfahren möchte und ein Smartphone hat, kann die kostenlose App "Romantik Rhein Main" herunterladen.

Um die Artenvielfalt zu erhalten, wurde diese Woche im Boskett zudem eine Echte Mehlbeere (Sorbus aria) eingepflanzt - schon jetzt ein imposanter Baum, der bis zu zwölf Meter hoch wachsen kann. Für die Pflanzung dieser besonders trockenheitsresistenten Art bekam die Schlösserverwaltung Fördergeld vom hessischen Finanzministerium.

Auch rund um das Pfauengehege unten zwischen Kita und Teich ist es ordentlicher geworden. "An der Voliere haben wir Immergrün gepflanzt und die Wege mit Holzhäckseln gestreut." Somit müssen Besucher nicht mehr durch den Matsch laufen. Denn das Vogelpärchen wird oft besucht, so dass direkt am Gehege kein Gras mehr wächst. Brütet die Henne etwa wieder? "Noch nicht", weiß der Gärtnermeister.

Kirschenallee im Obstgarten

Veränderungen gibt's auch im entlegeneren Teil des Parks. In der "Fantasie" harrt der blütenweiße "Tempel der Pomona" seiner offiziellen Eröffnung (siehe auch Info-Kasten). Das Thema Obstkultur der Landgrafen soll stärker ins Bewusstsein der Parkbesucher treten. "Wir wollen den herrschaftlichen Obstgarten noch besser präsentieren", erläutert Vornholt die Pläne der Schlösserverwaltung.

Der Park wird ein wenig erweitert: Ein Bereich bei den Kleingärten, wo vorher ein Tor war, ist nun frei zugänglich; Boden wurde umgepflügt. Bis Anfang des 20. Jahrhunderts gab es dort eine Kirschenallee, wie Vornholt berichtet. "Das haben wir in den Archivalien gefunden."

Hofgartendirektor Ferdinand Jühlke 1866 habe sie gepflanzt. Mit Eingliederung der hessisch-homburgischen Landgrafschaft ins preußische Königreich stieg die Bedeutung des Obstbaus in Bad Homburg. In Reminiszenz an diese Zeit, die im und ums Schloss wieder sichtbar gemacht wird, wurden hier 15 Süßkirschen wieder angepflanzt. "Bald werden sie blühen", sagt Vornholt.

Bereits ein Farbenmeer ist die Wiese nahe der Altstadt, an deren Stelle sich vor 150 Jahren der "Karautschenteich" befand. Dort erblühen gerade Hunderte Sternhyazinthen, auch Blausternchen genannt. Vornholt hat bewusst diese Sorte gewählt. "Sie symbolisieren das Wasser, das hier einst war." Das Spektakel dürfte noch etwa zwei Wochen zu bewundern sein. Wenn das Wetter weiter mitspielt.

von Anke Hillebrecht

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