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Die Elektroautos am Homburger Rathaus sind seit 2015 die einzigen Carsharing-Fahrzeuge in der Kurstadt. Die Politik vermisst Fortschritte beim Ausbau des Angebots.

Neuer Anlauf

Bad Homburg: Carsharing ist längst nicht vom Tisch

  • Harald Konopatzki
    vonHarald Konopatzki
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Das Interesse an Carsharing-Angeboten ist in der Kurstadt vorhanden - schwieriger ist es, wenn es um mögliche Standorte in Homburg geht.

Bad Homburg -Die Verkehrswende bekommt in Zeiten der Pandemie eine neue Dynamik, doch mit der dunklen und kalten Jahreszeit zieht es einige Menschen nicht mehr so sehr aufs Fahrrad wie im Sommer. Auch wenn das Carsharing derzeit ebenfalls mit Corona zu kämpfen hat, werden dieser Alternative zum "MIV" (Motorisierten Individualverkehr) gute Zukunftschancen eingeräumt.

Doch wie geht es in der Kurstadt mit den Kurzzeit-Mietwagen weiter? Da gibt es in der Politik offenbar eine gewisse Unsicherheit und akuten Klärungsbedarf. Tobias Ottaviani (SPD) brach dafür sogar mit den von seinem Parteigenossen und Vorgänger als Fraktionschef Jürgen Stamm einst aufgestellten Regeln, im Verkehrsausschuss unter dem Punkt "Verschiedenes" nur Themen einzubringen, die zuvor schriftlich angekündigt wurden, um den Protokollanten zu entlasten. "Trotzdem möchte ich den aktuellen Stand in Sachen Carsharing vorgelegt bekommen", forderte er für eine der nächsten Sitzungen ein.

Autos für den östlichen Stadtteil?

Klärungsbedarf gibt es in der Tat. So stand jüngst beim Ortsbeirat Ober-Erlenbach ein Prüfantrag zur Beratung an, der beinahe nicht zur Abstimmung gekommen wäre. Die Grünen hatten in Person von Inge-Lore Kausen gefordert, prüfen zu lassen, ob es die Chance gibt, im östlichsten Stadtteil Carsharing zu etablieren. Dazu solle eine Fläche, etwa an der Erlenbachhalle, ausgewiesen werden, zudem sollen Firmen kontaktiert werden.

"Ober-Erlenbach wird durch die Baugebiete eine nicht unerhebliche Anzahl von Neubürgern erhalten. Dieses wird mit einer zusätzlichen Anzahl von Autos verbunden sein", begründete Claussen. Schon jetzt sei die Parksituation in vielen Bereichen Ober-Erlenbachs angespannt, "eine Carsharing-Station könnte ein Baustein zur Verminderung des mit eigenem Fahrzeugen durchgeführten Individualverkehrs sein", so Kausen.

Wilma Schnorrenberger (SPD) zeigte sich jedoch wenig optimistisch, obwohl die Kurstadt-Genossen seit Jahren versuchen, das Carsharing voranzubringen. "Bad Homburg ist zu klein, da gibt es kein Interesse", habe sie aus den Diskussionen der Vergangenheit mitgenommen. So richtig widersprechen wollte ihr niemand, doch Ortsvorsteherin Christl Elbert (CDU) sprach ein Machtwort und brachte den Antrag zur Abstimmung: "Das ist ein Prüfantrag, soll die Verwaltung uns das halt selbst sagen, wenn es so ist. Prüfen sollen sie es aber." Dem schloss sich das Gremium einmütig an.

Schwieriger und steiniger Weg

Bad Homburg zu klein für Carsharing? Immerhin gibt es nicht nur in umliegenden, zum Teil wesentlich kleineren Kommunen wie Oberursel Friedrichsdorf, Kronberg, Königstein und auch Steinbach entsprechende Angebote, auch in Bad Homburg stehen seit mittlerweile fünf Jahren am Rathaus zwei bis drei Elektroautos.

Drei Jahre hatte es damals gedauert, bis ein solcher Beschluss des Parlaments aus dem Jahr 2012 von Erfolg gekrönt war. 2017 schließlich folgte das Parlament mit breiter Mehrheit einem Antrag der Koalition, prüfen zu lassen, mit welchen finanziellen Mitteln das Angebot verbessert und ausgebaut werden könnte. CDU und SPD hatten vorgeschlagen, Kontakt zu privaten Carsharing-Unternehmen aufzunehmen und Stellplätze am Bahnhof auszuweisen. Passiert ist wenig, was vor allem der SPD schon 2018 sauer aufstieß. "Zum Punkt, dass auch Gespräche mit Unternehmen wie Car2go geführt werden sollen, wurde nichts gemacht. Der Antrag ist, trotz Nachdrucks, nicht hinreichend bearbeitet worden und wir sind noch immer keinen Schritt weiter gekommen, Carsharing in Bad Homburg attraktiver zu machen", so Ottaviani damals.

Gespräche mit mehrere Firmen

Immerhin setzte die SPD seinerseits durch, dass es einen Verantwortlichen auf Dezernatsebene geben sollte. Fündig wurde OB Alexander Hetjes (CDU) im für den ÖPNV zuständigen Bürgermeister Meinhard Matern (CDU). Ergebnisse lassen freilich weiter auf sich warten.

Interesse ist jedenfalls vorhanden, wie die Nachfrage beim Betreiber der drei bestehenden Carsharing-Fahrzeuge zeigt. Die im Jahr 2000 gegründete Firma "book-n-drive" aus Wiesbaden ist sehr wohl daran interessiert, das Engagement auszubauen. "Wir hatten vor der Corona-Pandemie einen Termin mit der Stadt mit dem Ziel, das Carsharing-Angebot in Bad Homburg auszubauen und auch Verbrenner-Fahrzeuge anzubieten. Ziel sollte es aus unserer Sicht sein, ein ähnliches Angebot wie in Oberursel zu schaffen", sagt Ulrich Natterer vom Stations- und Fuhrparkmanagement der Firma und ergänzt: "Unterstützung wäre in Form von Stellplätzen in guten Lagen und / oder Nutzung durch die Stadt oder Firmen vor Ort wünschenswert."

Auch aufgrund der Corona-Pandemie und anderen Schwerpunkten habe es seither keine weiteren Gespräche mit der Stadt gegeben, so Natterer. "Wir sind aber nach wie vor an einem Ausbau des Carsharing-Angebots in Bad Homburg interessiert."

Auch Stadtsprecher Andreas Möring sagt auf Nachfrage: "Wir sind in Gesprächen mit verschiedenen Interessenten, die Standorte in der Kurstadt suchen beziehungsweise ausbauen wollen." Allerdings seien diese Verhandlungen keine Selbstläufer. So seien vor allem innerstädtische Stellflächen gefragt, "und die sind rar", so Möring. Zudem sei Bad Homburg in der Tat weniger attraktiv für Carsharing-Firmen als Großstädte. Auch bei der Ansiedlung von "book-n-drive" habe es eines Anschubs bedurft. Derzeit sei man in der internen Abstimmung über das weitere Vorgehen. Einen Zeithorizont konnte Möring nicht nennen. (Von Harald Konopatzki)

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