So voll war's auf der Louisenstraße in den vergangenen Tagen und Wochen wahrlich nicht. 	Fotos: Jochen Reichwein
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So voll war's auf der Louisenstraße in den vergangenen Tagen und Wochen wahrlich nicht.

Corona-Krise in Bad Homburg

Geschäfte öffnen wieder – Sofort reges Treiben in Innenstadt

  • Sabine Münstermann
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Viele Geschäfte in Bad Homburg haben seit Montag wieder geöffnet. Der Andrang in den Läden war beachtlich.

Bad Homburg – Bei strahlendem Sonnenschein und leichter Brise herrschte gestern reges Treiben auf der Louisenstraße, vermutlich, weil nach mehrwöchiger Zwangspause wieder zahlreiche Geschäfte abseits von Supermärkten, Drogerien, Apotheken und Co. öffnen durften. Viele Geschäfte machten von der Möglichkeit, wieder öffnen zu dürfen, Gebrauch. Allen voran die Buchhandlung Supp's von Martina Bollinger. Die Inhaberin freute sich riesig über den großen Zuspruch der Kundschaft. "Die Leute kaufen Bücher und Postkarten und ich bin sehr froh, dass sie mir die Treue gehalten haben", sagte Martina Bollinger, die jedem Kunden eine Rose schenkte.

Konkurrenz hatte Bollinger gestern übrigens noch nicht. Die Buchhandlung Hugendubel konnte, wie ein Schild an der Tür verriet, aufgrund technischer Probleme gestern noch nicht öffnen, hofft aber, das am heutigen Dienstag tun zu können.

Martina Bollinger war so froh, dass sie ihre Buchhandlung wieder öffnen konnte, dass sie jeden Kunden mit einer Rose begrüßte.

Bad Homburg: C&A und Saturn im Louisencenter vorerst weiter geschlossen

Geschlossen waren auch C&A und Saturn im Louisencenter. Seitens des Centermanagements erklärte Regine Drevermann, dass beide Geschäfte ja über eine Verkaufsfläche mit mehr als 800 Quadratmetern verfügten. Von Saturn wisse sie allerdings, dass das Unternehmen sich auf eine Öffnung auf kleinerer Verkaufsfläche vorbereite. "Da geht es derzeit noch um die Umsetzung von Hygienemaßnahmen wie das Einrichten von Spuckschutz aus Plexiglas." Sie gehe aber davon aus, dass Saturn "noch in dieser Woche öffne". Von C&A habe sie bislang keine Infos.

Auch Galeria Karstadt Kaufhof hatte gestern die Pforten - bis auf den Lebensmittelbereich - noch geschlossen. Eine Anfrage an die Pressestelle in Essen, wie es weitergeht, blieb gestern unbeantwortet.

Bad Homburg: Geschäftigkeit in den Louisen-Arkaden

Geschäftigkeit herrschte bereits gestern in den gegenüberliegenden Louisen-Arkaden. Dort sprach Jörg Huber von der Betreibergesellschaft Jupiter GmbH mit den Geschäftsführern der selbstständigen Läden und schaute, wo der Schuh drückt und wie die Hygienevorschriften bei den Geschäften, die öffnen durften, gut umzusetzen seien. "Bei Geschäften mit zwei Eingängen zum Beispiel schließen wir einen Eingang, um zu gewährleisten, dass nicht mehr als die vorgegebene Anzahl Kunden pro Fläche kommen, bei anderen markieren wir die Schlange zum Anstehen", sagte Huber

Schlangen vermeiden, das hat sich auch das Juweliergeschäft Christ auf die Fahne geschrieben. Im Eingang stand ein Tischchen mit einem Schild "Bitte warten, wir holen Sie ab", und genau das taten Lucy Weber und ihr Kollege Deniz Sercan auch. Tatsächlich hatten sie am Morgen schon ordentlich Kundschaft. "Die Leute kamen vor allem, um ihre Reparaturen abzuholen", sagte Weber. Aber Ohrringe als Geschenk fürs Enkeltöchterchen habe sie ebenfalls an eine Seniorin verkauft.

Lucy Weber und ihr Kollege Deniz Sercan holen die Kunden am Eingang des Juweliers Christ ab.

Bei Ernsting's Family tummelten sich auch einige Mütter mit ihren Kindern. "Ich brauche dringend Klamotten für meine Jungs", sagte eine Frau und verwies auf ihren fast Dreijährigen und ihr acht Monate altes Baby. H&M sei ja derzeit noch geschlossen. P&C war das übrigens ebenfalls. Das Warenhaus mit Sitz in Düsseldorf war allerdings für eine Anfrage weder telefonisch noch per E-Mail zu erreichen. Eine Anfrage erreichte den Sitz in Hamburg, aber dort ist man für das Bad Homburger Haus nicht zuständig, konnte mithin keine Angaben machen.

Bad Homburg: Geschäfte öffnen wieder – Urlaub für das Auge

Bei Butlers - Einkauf nur mit einem Einkaufskorb - war auch was los. "Die Leute kaufen vor allem Saisonartikel rund um den Garten", sagte eine Mitarbeiterin. "Es ist ein kleiner Urlaub fürs Auge, dass man jetzt wieder in den Geschäften nach hübschen Sachen stöbern und sie kaufen kann", sagte eine Kundin.

"Und auch, dass man beraten wird", sagte ein Mann, der sich bei Intersport umschaute. Mitarbeiterin Monika Reis hatte bis kurz nach 11 Uhr mehr als ein Dutzend Kunden, die vor allem Ware fürs heimische Training kaufte. "Matten, Hanteln und dergleichen mehr." Sogar ein Rudergerät habe sie verkauft. "Und Buffs", sagt Reis, "denn die kann man sich analog zum klinischen Mundschutz immerhin auch über Mund und Nase ziehen."

Bei Intersport verkaufen Monika Reis und die Kollegen derzeit viel fürs Sporteln daheim. Dieses Rudergerät wurde auch gerade verkauft.

Intersport in Bad Homburg: „Kein einziger Kunde mit Maske“

Apropos Mundschutz: "Wir Mitarbeiter tragen bei Intersport ja alle einen, aber ich war doch etwas erstaunt, dass kein einziger Kunde eine Maske über Mund und Nase trug", sagte Reis. Vielleicht komme das ja, wenn die Stadt Bad Homburg erst einmal sämtlich die von ihr zur Verfügung gestellten Masken ausgeteilt habe. "Ich finde das in jedem Fall großartig von der Stadt und glaube, da beneiden viele die Bad Homburger drum", sagte Reis.

Maske hin oder her, viele Homburger freuten sich vor allem, wieder ein bisschen mehr Auswahl beim Einkaufen zu haben. "Es ist schön, ein Stück Normalität zurück zu bekommen", sagte eine Frau. Allerdings reiche ihr der erste Bummel jetzt auch wieder. "Ich freue mich, dass ich jetzt zurück in meinen Garten komme. Und der ist garantiert keimfrei."

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