Vorsichtig wird die Kieselsteinverblendung der Hallen-Fassade mit dem Bagger zu Boden gelassen. Damit es nicht so staubt, wird der Abrissschutt mit Wasser abgespritzt.
+
Vorsichtig wird die Kieselsteinverblendung der Hallen-Fassade mit dem Bagger zu Boden gelassen. Damit es nicht so staubt, wird der Abrissschutt mit Wasser abgespritzt.

Großprojekt nimmt Fahrt auf

Bad Homburg: Das Ende der Albin-Göhring-Halle hat begonnen

Bis Ende November soll die Albin-Göhring-Halle komplett abgerissen sein. Stadt Bad Homburg investiert viele Millionen in neues Sportzentrum.

Bad Homburg - Für die damals noch selbstständige Gemeinde Ober-Eschbach war der Bau einer neuen Sporthalle ein Prestigeprojekt. Eine topmoderne Drei-Feld-Halle war Anfang der 1970er-Jahre ein Traum, den sich die Gemeinde erfüllen wollte. Hallen-Handball stand hoch im Kurs, allein es fehlte eine Spielstätte dafür, denn die Vereinsturnhalle der TSG Ober-Eschbach war dafür viel zu klein. Also entschied man sich - wenn schon, dann richtig - für eine Drei-Feld-Halle. 1971 erfolgte die Grundsteinlegung, 1972 dann die Eingemeindung nach Bad Homburg, was zur Folge hatte, dass von nun an die Kurstadt für Bau- und Unterhaltskosten aufzukommen hatte. Benannt wurde die Halle nach dem letzten Bürgermeister der Gemeinde: Albin Göhring.

Albin-Göhring-Halle stand fast 50 Jahre in Bad Homburg

Nun, fast 50 Jahre später, ist die Albin-Göhring-Halle Geschichte. Gestern wurde, nachdem bereits die Hausmeisterwohnung niedergelegt wurde, mit dem Abriss der Außenwände begonnen. „Es ist für die Ober-Eschbacher sicher ein emotionaler Moment“, sagte OB Alexander Hetjes (CDU). Schließlich habe es hier über 40 Jahre regelmäßig Handball-Krimis, Hochzeiten und Fastnachtsfeiern in den Clubräumen gegeben. Aber der Abriss sei unumgänglich, sagte er mit Blick auf die lange Mängelliste: unwirtschaftliches Lüftungssystem, verbaute Schadstoffe, veraltete Installationen und ein mangelhafter Hallenboden.

Schwierige Entsorgung von Mineralfaser

Seit Anfang September bereitet die Firma Hagedorn den Hallenabriss vor. Dazu gehört die Entsorgung von schadstoffhaltiger Ausstattung. „Das ist nun zu 90 Prozent abgeschlossen“, sagt Polier Torsten Pape. Dabei mussten rund 6000 Quadratmeter Fenster, die mit asbesthaltigem Kitt eingebaut waren, entsorgt werden, ebenso 3000 Quadratmeter künstliche Mineralfaser (KMF) und 1200 Meter PCB-haltige Fugenabdichtungen.

Für die Entsorgung der KMF wurde eigens ein Unterdruckraum mit Filtersystemen errichtet, so dass die Fasern nicht ins Freie gelangen konnten. „Jetzt muss noch das Dach abgeräumt werden, und dann können wir an die Unterzüge gehen“, sagt Pape. Die Unterzüge sind 20 bis 30 Tonnen schwere Betonstreben, die das Dach stabilisieren. Sie erhalten Sollbruchstellen und werden dann an einer Stelle durchtrennt, so dass die Unterzüge langsam nach unten gleiten wie auf einer schiefen Ebene. Bis Ende Oktober soll der oberirdische Abriss angeschlossen sein. Dann geht es an die Fundamente und die Bodenplatte, die bis Ende November entfernt sein sollen.

Ein Stück Geschichte von Bad Homburg verschwindet

Mit dem Neubau des Sportzentrum-Süd soll im nächsten Frühjahr begonnen werden. 2023 soll bereits die Fertigstellung sein. Derzeit werden die Ausschreibungen der einzelnen Gewerke vorbereitet, sagt OB Hetjes. Für eine Summe von „Mitte-20-Millionen Euro“ (Hetjes) soll dann eine Sechs-Feld-Halle entstehen. Eine Drei-Feld-Halle mit Tribüne für 350 Personen im Untergeschoss und eine Drei-Feld-Halle im Obergeschoss. Da die Halle stärker an den Sportplatz angebunden wird, muss der angrenzende Bolzplatz weichen. Hier war es auch, wo gestern der Bagger ansetzte und die erste Bresche in die Hallenwand schlug. Binnen weniger Minuten hatte sich der Bagger durch die Kieselsteinfassade und das dahinterliegende Mauerwerk „gefressen“.

Übrigens: Vorsichtshalber haben die Bauarbeiter den an der Halle befestigten Schriftzug "Albin-Göhring-Halle" gesichert. An der neuen Halle wird er wohl nicht benötigt, da der gesamte Komplex von Halle und Sportplatz unter dem Namen "Sportzentrum Süd" firmiert. Was jetzt mit dem Schriftzug geschehen soll, ist noch offen. Aber ihn einfach auf dem Müll zu entsorgen, dafür wäre er dann doch zu schade. Schließlich ist die Halle, die nun bald verschwunden sein wird, auch ein Stück Ober-Eschbacher Geschichte. (Von Alexander Wächtershäuser)

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare