Michael Wünsch, Vorsitzender des Fotoclubs, zeigt das Ausstellungsplakat der Schau in der Englischen Kirche.
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Michael Wünsch, Vorsitzender des Fotoclubs, zeigt das Ausstellungsplakat der Schau in der Englischen Kirche.

Foto-Ausstellung

Bad Homburg: Der Zauber der Architektur bei Nacht

  • vonMartina Dreisbach
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Der Bad Homburger Fotoclub stellt ganz besondere Werke in der Englischen Kirche aus. Besucher können sich auf Architektur aus aller Herren Länder freuen.

Bad Homburg -Einen ersten, einen zweiten Blick. Die Stufen hinauf, die Ebenen, schnell verwandelt sich die Verwirrung in Neugier, die Drehungen und Wendungen des gläsernen Treppenhauses, das der Architekt I.M. Pei ans Historische Museum in Berlin geheftet hat, viel Glas und stützende Streben, ein Rauf und Runter mit der Erlaubnis zum Verworrenen, das zur Unberechenbarkeit der Geschichte passt.

Gelungene Gebäude brauchen weder Nacht noch nächtlichen Lichtschein, um schön zu sein. Josef Katscher nimmt den Pei-Bau voll ins Visier, lässt beiden, dem Haus und Betrachter keinen Aus-weg, sich auf elegante Weise doch der Totale zu entziehen. Schon das Plakat für die neue Ausstellung des Fotoclubs Bad Homburg weckt Interesse.

Der Titel "Architektur bei Nacht" lässt die Vermutung aufkommen, bei Nacht sähen die Dinge anders aus, besonders interessant. Und in der Tat: Bürogebäude haben viele Leben. Eines am Tag, das sie in großen modernen Städten zumeist als Konglomeration von Rastern verbringen. Ohne Licht sind sie abends amorph.. Bei (künstlichem) Licht betrachtet, werden sie dann zu gekrönten Hoheiten. Als entstünde nachts ein Geheimnis namens Architektur mit bleibendem Zauber.

Mit 46 Motiven wie dem Brunnentempel mit Hygiea (Joachim Hanner) in Postkartenfarben, dem Auguste-Viktoria-Brunnen (Manfred Lebeau) in markantem Schwarzweiß oder der überwältigenden Magie der Khaju-Brücke in Isfahan, aber auch vielen Ansichten aus Frankfurt, aus Hamburg und Berlin stellen die Mitglieder des Fotoclubs Bad Homburg ihr Schaffen in der Englischen Kirche vor. War die Vernissage am Freitag noch online, so lassen sich die meist farbigen Aufnahmen mit Maske aus der Nähe betrachten. Die brave Rasterfassade eines Bürohauses erfährt in der Aufnahme von Dr. Ulrich Behrens eine Metamorphose. Das gegenüber der Englischen Kirche liegende Gebäude mit der Galerie Scheffel wirkt auf dem Foto um Dimensionen größer. Der Wechsel zwischen grandioser moderner Architektur, die sich selbst feiert, den dicht gedrängt stehenden Hochhäusern der Frankfurter Skyline, die sich Abend für Abend in eine flirrende Kulisse verwandeln und kleineren Objekten, etwa der Christuskirche in Oberursel (Bernd Mayer) schaffen Spannung.

"Wir fotografieren fast nur noch digital", sagt der Vorsitzende Michael Wünsch. Licht offenbart. Aber nicht nur. "Das Licht kaschiert Fehler in Gebäuden, man kann nachmodellieren und nur das Wesentliche auf dem Bild beleuchten", sagt er weiter. "Es gibt kein objektives Bild."

Wer in den Club eintrete, könne in der Regel schon fotografieren, wünsche sich aber Anregungen und suche Möglichkeiten, seine Fotos zu zeigen. Die Clubmitglieder träfen sich einmal im Vierteljahr zu Vorträgen, zum Beratschlagen über die Fotos. Dann gehe es auch um ein neues Thema, das die Mitglieder einreichen können.

Der Club hat etwa fünfzig Mitglieder zwischen dreißig und achtzig Jahren. Mit der modernen Technik kennen sich alle aus. Der Kunst nähern sie sich aber individuell. Ohne Intuition gehe es nicht, und manchmal, so der Vorsitzende, antworte eine Fotografin auf die Frage, wie sie die tolle Aufnahme gemacht habe: "Ich habe mich auf mein Auge verlassen."

Die Ausstellung läuft bis zum 27. Juni und ist Mittwoch bis Freitag von 16 bis 19 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 14 bis 19 Uhr geöffnet. Ferdinandstraße 16. Weitere Auskunft im Internet unter der Adresse www.fcbh.de.

von Martina Dreisbach

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