100 Jahre nach der Entwicklung in Bad Homburg wird Kamillosan heute überwiegend im Viatris-Werk in Troisdorf bei Köln produziert und verpackt. Die Deutschlandzentrale der Viatris-Gruppe Deutschland ist in Bad Homburg ansässig.
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100 Jahre nach der Entwicklung in Bad Homburg wird Kamillosan heute überwiegend im Viatris-Werk in Troisdorf bei Köln produziert und verpackt. Die Deutschlandzentrale der Viatris-Gruppe Deutschland ist in Bad Homburg ansässig.

Medizin

Bad Homburg: Ein Hausmittel wird 100

  • VonMatthias Pieren
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Das Medikament Kamillosan wurde 1921 in der Kurstadt entwickelt und hat noch heute Bezug zum Taunus. Nun feiert es 100sten Geburtstag.

Bad Homburg -Es gibt bei Krankheiten bestimmte Marken, die zu einem feststehenden Begriff geworden sind. "Aspirin" oder "Tempo" kennt jeder. Andere, neuere Produkte drängen mit Macht zur Bekanntheit - wie etwa durch groß angelegte Werbemaßnahmen. Es sei nur an die Menschen erinnert, die im Fernsehen vor einer grünen Wand über ihre Beschwerden mit Bauchweh, Durchfall und Blähungen berichten und die Beseitigung der Symptome einem Medikament mit schwer aussprechbarem Namen zuschreiben.

Deutlich mehr Jahre auf dem Buckel und einen einprägsamen Namen hat das alte Hausmittel "Kamillosan", das vor 100 Jahren in einer Bad Homburger Apotheke auch gegen Magen-Darm-Beschwerden entwickelt wurde. Mit daran beteiligt: Hof-Apotheker Adolf Rüdiger, dem in der Kurstadt eine Straße gewidmet ist.

"Bei Halsweh mit Kamille gurgeln, bei Bauchschmerzen Kamillentee trinken und das völlig zu Recht", sagt Martina Mathilde Brunner von der Pressestelle der in Bad Homburg beheimateten Viatris-Gruppe Deutschland. "In Kamillenblüten stecken als pflanzlichem Heilmittel bekanntlich viele wirksame Inhaltsstoffe. Den Erfolg nutzte man in Bad Homburg und brachte 1921 die Kamillosan-Produkte auf den Markt, das noch heute in Apotheken erhältlich ist."

Kamillosan: Aus Bad Homburg in die Welt

Die heilende Kraft und die wertvollen Wirkstoffe der speziell gezüchteten Manzana-Kamille, die als wirkstoffreichste Kamillensorte überhaupt gilt, packt der Weltkonzern demnach bei der Produktion verschiedener Darreichungsformen, wie Konzentrat, Tropfen, Salbe, Mund- und Rachenspray, Creme, Wund- und Heilbad und als Nasendusche.

"Anfang des vergangenen Jahrhunderts kannte man Kamillen-Anwendungen nur als Tee und Aufguss. Diese waren lange nicht so wirkungsvoll, weshalb die Entwicklung eines hochkonzentrierten Extrakts einen medizinischen Fortschritt darstellte", so die Apothekerin Andrea Wohlers.

"Zwei pfiffige Apotheker entwickelten dann erstmals einen standardisierten Kamillenextrakt und mit den in dieser Zeit von Arthur Abelmann gegründeten Chemisch-Pharmazeutischen Werken AG Bad Homburg den Vertrieb als Kamillosan."

Das ist nun 100 Jahre her. Die Chemisch-Pharmazeutischen Werke, die zunächst in der Dorothenstraße 45 saßen, konnten sich in Bad Homburg allerdings "nicht recht entwickeln", wie Friedrich Hofmann 1960 in seinem Buch "Lebendiges Bad Homburg" schreibt. Das Unternehmen siedelte 1927 nach Frankfurt um - aus ihm ging die später zur Degussa gehörende "Chemiewerk Homburg AG" hervor, das laut Hofmann seinerzeit "in der chemisch-pharmazeutischen Industrie einen bedeutenden Platz" einnahm. Während der Name des Unternehmens 1987 aus dem Handelsregister gelöscht wurde, hat der Name seines berühmtesten Produkts überlebt.

Durch massive Konzentrationsprozesse in der Pharma-Branche wurde im November 2020 die Viatris-Gruppe Deutschland gebildet. Zu der in Bad Homburg ansässigen Deutschlandzentrale gehören die pharmazeutischen Unternehmer Mylan Germany, Mylan Healthcare sowie MEDA Pharma, die ebenfalls am Standort Bad Homburg beheimatet sind, sowie die Pfizer OFG Germany GmbH in Berlin und als Produktionsstätte die Madaus GmbH in Troisdorf (bei Köln), wo auch die Kamillosan-Produktpalette hergestellt wird. Insgesamt umfasst das Produkt-Portfolio in Deutschland mehr als 400 Produkte. Matthias Pieren

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